Review: Elzhi – „Lead Poison“

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Manchmal kommt einfach alles anders als man denkt. So hätte Elzhi wohl nie gedacht, dass ausgerechnet sein Illmattic-Tribut „Elmatic“ ihm den bis dato größten Erfolg seiner Karriere bescheren würde. Umso unwirklicher erscheint die folgende Depression, die Elzhi fast fünf Jahre von der Bildfläche verschwinden ließ. Zwar hörte das Ex-Slum-Village-Mitglied nie auf zu schreiben, allerdings schien sein Schaffen nicht das widerzuspiegeln, was er gerade durchmachte. Mittels einer Kickstarter-Kampagne in 2013 begann Elzhi schließlich, Geld für ein neues Album zu sammeln und seine ungeduldigen Fans zufrieden zu stellen. Allerdings lief auch dieses Projekt nicht gerade rund: Etliche Unterstützer beschwerten sich, keine Updates zu erhalten, Elzhi wurde gar beschuldigt, das Geld der Kampagne gestohlen zu haben. Mit rund zwei Jahren Verspätung (ursprüngliches Auslieferungsdatum des Albums war Mai 2014) erscheint „Lead Poison“ nun endlich, wohl hoffend, dass die Qualität des Albums den Frust der Fans vergessen lässt.

Fast schon entschuldigend wendet sich Elzhi auf dem ursprünglich als Intro geplanten Track „Introverted“ auch direkt an seine Anhängerschaft: „Cuz I eat when I’m depressed I’m so sorry for the wait “. Somit spricht er auch das vorherrschende Thema des Albums an: Der innere Kampf zwischen melancholischer Introvertiertheit und deren offensichtlicher Lösung, die quälenden Probleme von der Seele zu schreiben.

Das führt zu sehr persönlichen Tracks, die viel von dem Menschen Jason Powers preisgeben, egal ob er sich von seiner Umwelt isoliert fühlt („Alienated“) oder mit seinem eigenen Ego zu kämpfen hat („Egocentric“). Trotz dieser ernsten und melancholischen Themen driftet das Album aber nie in Richtung „Emo-Rap“ ab. Grund dafür sind auch die Produktionen, die zwar nicht gerade Club-tauglich, aber auch weit entfernt von den düster-melancholischen Samples sind, wie sie Kno beispielsweise verwendet. Meist schwingt eine gewisse Leichtigkeit, wie auf dem jazzigen „February“, mit, die eher entspannend als bedrückend wirkt. „The Healing Process“ treibt diese Vorgehensweise auf die Spitze, trotz halsbrecherischem Flow-Tempo seitens Elzhi. Zwar wird man auf „Lead Poison“ keine Banger finden, der ein oder andere energischere Track ist aber auch anzutreffen. So sorgt „Cloud“ für ein gewisses BoomBap-Feeling, während „Weedipedia“ fast schon amüsant wirkt: Elzhi erzählt darin die wahre Geschichte, wie er beim Kiffen von der Polizei erwischt wird. Und wenn wir gerade beim Storytelling sind: „She Sucks“ ist mit seiner albtraumhaften Vampir-Geschichte (ja, ihr habt richtig gelesen) ein angenehmer Ausreißer des Albums. Ansonsten bleibt Elzhi seiner biographischen Storyline treu und hofft womöglich, trotz seiner langen Abstinenz, weiter Gehör im Rap-Biz zu bekommen. So suggeriert es zumindest das clevere „Hello!!!“ und untermauert sogleich die lyrischen Fähigkeiten des Detroit-MCs.

So bleibt als Fazit, ungeachtet all des Chaos um das Album: Verdient hätte sich Elzhi die gewünschte Aufmerksamkeit auch mit seinem Sophomore. Mit „Lead Poison“ macht er da weiter, wo er mit „Elmatic“ aufgehört hat. Er entführt den Hörer in seine Gedankenwelt und legt Teile seines Lebens offen. Glücklicherweise versteht es Elzhi, diese Erlebnisse auf geschickte Weise zu verpacken, so dass man an vielen Stellen das Gefühl hat, mehr als nur einen simplen Lebenslauf geliefert zu bekommen. „Lead Poison“ erschließt sich auch aufgrund fehlender Hits dem Hörer zwar erst nach mehreren Durchgängen. Hat man sich aber erst einmal darauf eingelassen, wird einen das Album so schnell nicht wieder loslassen. Mit diesem Ergebnis sollten seine Fans jedenfalls wieder besänftigt sein.

 

Elzhi
VÖ Datum: 01. April 2016
Verkaufsrang in Mp3 Downloads: 623
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Daniel hat seine Ausbildung im Büro der Schädlingsbekämpfung gemacht und anschließend Informationswissenschaft studiert. Nach einem kurzen Zwischenstopp bei Rap4Fame ist er bei der Backspin gelandet und hilft seit 2011 als freier Mitarbeiter aus.

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