Nepumuk und Sir Serch: „Wir arbeiten seit circa 25 Jahren an dem Album“

Nepumuk

Ein neues Sichtexot Release steht vor der Tür. Diesmal von den Ehrenwerten Rappern Nepumuk und Sir Serch. Die beiden veröffentlichten heute ihr gemeinsames Album „La Boheme“ und überbringen damit, auf 14 Tracks, dem Hörer einen Jazzigen Vibe, voll mit Liebe. Wer sich etwas mit dem Sichtexot Label befasst hat, dem sollte der Name Nupumuk ein Begriff sein. Kennen tut man ihn vorallem als Teil der Gruppe Luk&Fil, zusammen mit Rapper Negroman und unter seinem Produzentennamen Knowsume. Als Knowsum veröffentlichte er schon die ein oder andere Instrumental LP und auch zusammen mit dem Negroman, erblickten bis dato drei LPs das Licht der Welt. Als ob das schon alles wär, gibt es zudem noch sein Soloalben „Genozid in A-Moll“ und das Kollaboalbum „Dummer Lump“ mit Tufu. Auch Sir Serch ist kein unbeschriebenes Blatt mehr. Drei Soloalben und mehrere EPs zeichnen den Weg des Rappers. Mit „La Boheme“ leutet er nun seine Rückkehr, aus dem Dschungel des deutschen Untergrundes ein. Die LP ist limitiert auf 500 Stück. Wer also ein Teil der Avantgarde sein möchte, sollte schnell zuschlagen. BACKSPIN hat mit den beiden über ihre neue Platte gesprochen.  Nepumuk

Wie kam der Titel zustande und welche Bedeutung hat er?

Nepumuk: Sir Serch hat sich den Titel ausgedacht, ich fand ihn cool und bin mit drauf eingestiegen.
Sir Serch: Ich hörte damals ziemlich viel Charles Aznavour, weil meine Frau Französin ist und ihn mir wärmstens ans Herz legte. Ich hatte schon ein paar Tracks mit Nepumuk im Kasten und suchte nach einem Namen. Da hörte ich das erstemal das Lied „La Boheme“ von Aznavour. Darin umschreibt er grob die Handlung des gleichnamigen Buches von Henri Murger. Mich hat das so umgehauen. Lest mal die Übersetzung des Textes, es ist einfach nur krass. Ich sage krass, weil das total unsere Lebenssituation als Künstler wiederspiegelt; Immer pleite, immer am philosophieren, immer einen Schritt vorm Fame.

Was ist die Grundaussage der Platte und welchen roten Faden verfolgt sie?

Nepumuk: Beats und Texte im Zeichen der postpostpostmodernen Bohème.
Sir Serch: Der Rote Faden sind die Beats von Knowsum und der Jazz. Der Sound ist halt der Rote Faden. Boomjazzbap… Sowas.

Welche Themen werden auf dem Album behandelt, wovon erzählt ihr konkret?

Nepumuk: Das Album handelt von Unnannehmlichkeiten des Zwischenmenschlichen im ästhetischen Kapitalismus.

Wer zeigt sich für das Cover verantwortlich und wie ist die Idee dazu entstanden? Welche Bedeutung hat es?Nepumuk

Nepumuk: V.raeter hat sich glücklicherweise für die Gestaltung dessen bereit erklärt. Mir gefiel es in schwarz-weiß besser, allerdings erfüllt es seinen Zweck und stellt einen weiteren Verweis zur Bohème dar, die Kaffee und seine Zubereitung zelebrierte.

Was ist in der Deluxebox enthalten?

Nepumuk: Es gibt ein T-Shirt im Bundle mit dem Album zu kaufen.

Wer war für die Produktion des Albums verantwortlich?

Nepumuk: Produziert wurde alles von Knowsum, er macht gute Beats ey.

Wo/ In welchem Studio ist das Album entstanden und wieso? Gibt es einen besonderen Grund für den Ort? 

Nepumuk: Mainz/Offenbach und Berlin
Sir Serch: Entstanden ist es in meiner Besenkammer. Da steht mein Mikro. Das meiste hat jeder für sich eingerappt. Wenn wir uns getroffen haben, haben wir nur gesoffen und andere Dinge besprochen. Kopfjazz.

Gibt es Features? Wieso habt ihr euch für genau diese Features jeweils entschieden?

Nepumuk: Das einzige Feature ist der Negroman von Luk&Fil. Ein Wortgenie vor dem Herren

Wer oder Was hat euch für dieses Album in welcher Weise inspiriert, was Sound und Inhalt betrifft?

Nepumuk: Der Alltag ebenso wie besondere Tage.
Sir Serch: Inspiration waren die Knowsum Beats und Nepumuks Strophen. Der Zustand dieser Welt, Kaffee, veganes Essen, französische Filme und „La Boheme“ von Aki Kaurismäki.

Wie viel Zeit hat die Produktion in Anspruch genommen? Inwiefern wirkt sich die Arbeitsweise auf den Produktionsprozess aus?

Nepumuk: Wir arbeiten seit circa 25 Jahren an dem Album.
Sir Serch: Der Produktionsprozess war ziemlich lang, da wir uns auf die Distanz, Offenbach-Berlin selten treffen konnten und auch so ziemlich busy waren. Im Ganzen hat es fast zwei Jahre gedauert und Anton von Sichtexot hat uns auch am Ende gut in den Arsch getreten, es fertig zu machen. Wir wussten irgendwie lange nicht was das eigentlich wird. Ob wir nur irgendwelche Tracks machen, eine EP oder ein Album. Aber der Workflow, wenn wir dann was gemacht haben, war immer sehr krass. Wir haben selten lange für einen Track gebraucht. Das ging immer: Nepumuk schickt Verse, zwei Stunden später schick ich was zurück, wir feiern ab und machen den Refrain. Es ist aus so einem Ausprobieren beziehungsweise Session Gedanken entstanden. Ich hab mich irgendwie von dem Style, den die Jungs haben, anstecken lassen und rumprobiert, was man so alles erzählen kann wenn der Beat geil ist.

Wessen Meinung ist euch während eines Albumprozesses wichtig und wieso?

Nepumuk: Nur die eigene und die der Homies, wobei ich ungern Sachen zeige bevor sie fertig sind.
Sir Serch: Keine.

Auf welchem Label wird die Platte releast und wieso?

Nepumuk: Sichtexot

Gab es Schwierigkeiten im Produktionsprozess und wenn ja, welche? Welche Ursachen lagen diesen zugrunde? 

Nepumuk: Knowsum ist dem Müßiggang verfallen, weshalb sich manche Prozesse, wie beispielsweise das Mischen, in die Länge zogen, was allerdings der Qualität keinen Abspruch tut.
Sir Serch: Wir hatten hier und da mal ein paar Probleme, die auf die räumliche Distanz zurück zu führen sind. Ich konnte beim Mastern der Songs nicht dabei sitzen und immer mein “Ok“ geben und so musste wegen mir ein Song vier mal neu gemastert werden. Glaube ich.

Existiert ein Song, der besonders viel Arbeit gebraucht hat und wenn ja, wieso konkret?

Nepumuk: Nein

Gibt es eine spannende/ witzige Anekdote, die ihr rund um den Produktionsprozess zum Besten geben könnt?

Nepumuk: Sir Serch und der Nepumuk glauben generell an den Menschen. Dieser stets freundschaftlich, sportlich geführte Disput wird auf dem Track  ”Jäzzköpfe” angeschnitten.
Sir Serch: Wir haben an zwei Tagen, drei Videos gemacht und eine EP auf Bandcamp veröffentlicht. Das war recht Funky. Ich und Nepumuk sagen nochmal Danke an alle die bei den Videos geholfen haben.

Welcher ist euer persönlicher Lieblingssong auf der Platte und was macht ihn zu diesem?

Nepumuk: „Der Abgrund”
Sir Serch: „Schwanzvergleich“, wegen Nepumuks Engelsgesang.

Welche ist die beste Line auf der Platte?

Nepumuk: „Wir sind Einzelschicksale, die im Vorzimmer zum Fegefeuer sich gegenseitig beim Warten zusehen, wie willst du da über jemand anderem stehen?” – Sir Serch Schwanzvergleich”

Wie unterscheidet sich das Album von seinem Vorgänger, beziehungsweise, was hebt das Album aus der Masse an HipHop-Releases hervor?

Nepumuk: Mit Liebe gemacht.
Sir Serch: Wir nehmen nichts zu ernst. Diesen jazzigen Vibe vermisse ich gerade ziemlich bei den Rappern. Immer dieses Geheule mit Computerstimme. Ich fühl da nichts. Das mag ja manchmal neu klingen, aber wirklich vieles touched mich nicht. Wenn es euch auch so geht, dann hört unser Album und fühlt euch als Teil der Avantgarde. Willkommen im erlesenen Kreis der 100 Prozent Arrabica Trinker.

Welche Ideen hat euch diese Platte für zukünftige Releases geliefert und welche Wünsche habt ihr jetzt für anstehende Releases?

Nepumuk: Keine.
Sir Serch: Ach, wir schauen einfach.

Welche Relevanz haben die Charts für euch und wenn ja, welche Erwartungen habt ihr an die Chartplatzierung der Platte?

Nepumuk: Hoffentlich landen wir mit der Platte in den Charts.
Sir Serch: Keine Erwartungen. Ich mache Musik weil es mir Freude macht.

Warum sollten Fans genau dieses Album unbedingt kaufen? Womit kann die Platte überzeugen?

Nepumuk: Wegen den sich auf der Platte befindenden Songs.
Sir Serch: Wie gesagt, mit diesem Album wirst du Teil der Avantgarde. Ohne das Album nicht.

Was wird den Hörer an der Platte überraschen und womit rechnet man zunächst nicht?

Nepumuk: Werbung.
Sir Serch: Ich Spoiler hier doch nicht unsere ganzen Überraschungen.

Wie geht es nach Release für euch weiter? Welche Projekte sind geplant? 

Nepumuk: Eventuelle eine kleine Tour.
Sir Serch: Mein Solo-Album ist fertig. Es wird „Hasenblues“ heißen. Das kommt dann irgendwann.

Track by Track

1. Intro

Von Tybald von Viskhose eingesprochen. Ach, eine Stimme wie Seide.

2. La Boheme

Doubletime auf Jazz, das kann sonst nur Kollegah.

3. Substanz

Gutes Ding, ich mag den Refrain.

4. Abgrund

Ein typischer lustiger Serch Song.

5. Venividificki

Ich liebe dieses Doom-Feeling.

6. Kultur

7. Zellteilung

8. Sodomie

Der Rapper mit dem Penis, mein Signatur-Move.

9. Lego

Beide Verses Top. Negroman ist lyrisch echt ein richtig guter.

10. Hingucken

Ein geiler Beat, deswegen läuft der auch so lange. da hab  ich drauf bestanden.

11. Ego

Meine Spiri-Offenbarung, Es ist wahr, ich lese Eckhard Tolle.

12. Jäzzköpfe

Man beachte den Split-Beat. Knowsum ist ein wahres Genie

13. Wer früher…

 Gute Aussage. War der erste gemeinsame Song, den wir gemacht haben.

14. Outro

Gutes Medikament. Gibts dann in der Deluxebox.

Das Album „La Boheme“ könnt ihr hier bestellen.

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