Liquit Walker: „Etwas ganz Besonderes im Jahr 2017: Gute Musik.“

liquit walker

Angefangen mit Freestyle-Raps, machte Liquit Walker seine ersten Schritte bei „Feuer über Deutschland“. Eine lange Zeit blieb Liquit dem Battlerap treu, 2010 konnte man ihn auch bei „Rap Am Mittwoch“ bewundern. Nach einer Nebenrolle in Sidos „Blutzbrüdaz“ Film folgte 2013 endlich das langersehnte Debütalbum „Unter Wölfen“ über das Frankfurter Label Freunde von Niemand. 2015 erschien sein bis dato letztes Werk, die „Mowgli“ EP, die über Auf!Keinen!Fall! sein Release feierte. Auf der faulen Haut saß Liquit in den vergangenen zwei Jahren aber keineswegs, am 15. September erscheint Album Nummer Zwei „Trümmerkönig„. Was das Album alles zu bieten hat, erfahrt ihr im BACKSPIN Interview mit dem Berliner Rapper.

Wie kam der Titel zustande, welche Bedeutung hat er?

Der Titel steht für die Fähigkeit, in einer kaputten Welt zu schlechten Zeiten in hässlichen Umständen den Kopf hochhalten zu können. Und sich nicht abzuwenden.

Was ist die Grundaussage der Platte?

„Lass den Staub vergehen, weiss nicht viel über Siege, doch alles über nach Niederlagen aufzustehen.“

 Welche Themen werden auf dem Album behandelt, wovon erzählst du konkret?

Es werden Graustufen zwischen Sieg und Niederlage, Aufstieg und Fall sowie Glück und Unglück abgehandelt. Jeder Song hat dabei Bezug zu mir als Mensch beziehungsweise hat mit direkten Einflüssen aus meinem Leben zu tun.

 Wer zeigt sich das für das Cover verantwortlich? Wie ist die Idee dazu entstanden? Welche Bedeutung hat es?

Die Idee zum Cover hatte ich nach einem Gespräch mit meinem Freund Tan vom Burgeramt. Ich hab es dann mit SirQLate (Antihelden/Die Urbane) ausgearbeitet. Mein Lieblingsfotograf Daniel Schneider aus Cottbus hat dann das Foto gemacht und die Komposition designt. Das restliche Artwork kam dann von MicadoDesign aus Berlin. Auf dem Bild sehen wir ein Kind (übrigens mein Patenkind), das quasi von klein an mit einer kaputten Welt konfrontiert wird und irgendwie schaffen muss, über die Trümmer zu herrschen. 

Wer war für die Produktion des Albums verantwortlich?  Wieso hast du dich genau für diesen/ diese Produzenten entschieden? 

Das Album inklusive Bonustracks wurde bis auf zwei Beats von Jumpa und BadParis produziert. Jumpa ist inzwischen mein kleiner Bruder, wir arbeiten seit fünf Jahren und es ist das dritte Release, an dem er maßgeblich beteiligt ist. BadParis habe ich über meinen Verlag kennengelernt und es hat umgehend funktioniert. Als dann aus reinem Interesse eine Session zu dritt entstanden ist, habe ich sofort gemerkt, dass die beiden als Produzententeam eine Achse der Supermächte bilden. Musikalisch und menschlich war alles dermaßen perfekt, dass wir das komplette Album zusammen im Studio produziert haben. Niemand hat hier „einen Beat geschickt“.

In welchem Studio ist das Album entstanden und wieso? Gibt es einen besonderen Grund für den Ort? 

Ja mein Studio wie gesagt. Ich hatte vorher mit Jumpa eine Woche kreative Vorbereitung in Stralsund bei meinem alten Freund SP Soul, danach ist alles im Studio bei mir entstanden.

Wieso hast du dich für Haudegen als Feature entschieden? Wie ist das Feature zustande gekommen?

Haudegen und natürlich besonders Hagen sind jahrelange Freunde von mir. Wir reden viel über Musik, inspirieren uns gegenseitig und beim Titelsong „Trümmerkönig“ hat es einfach wie Arsch auf Eimer gepasst (lacht).

Was hat dich für dieses Album in welcher Weise inspiriert, was Sound und Inhalt betrifft?

Ich gebe gerne ein bestimmtes Feeling vor. So kitschig das klingt – das Leben inspiriert mich. Mit all seinen Höhen und Tiefen. Deswegen wirst du bei mir auch kein Autotune darüber hören, mit welchem kolumbianischen Drogenboss ich mich vergleiche oder wieviele Audemar Piguets in wie vielen Louis Taschen in meinen Lamborghini Aventadors liegen. 

Wie viel Zeit hat die Produktion in Anspruch genommen? Inwiefern wirkt sich die Arbeitsweise auf den Produktionsprozess aus?

Ich habe etwa über drei Monate Skizzen und Gerüste gesammelt. Dann haben wir nochmal drei Monate Beats produziert und die Ideen auf halbe Demos ausgearbeitet. Die Platte habe ich dann am Ende innerhalb von zwei Wochen zu Ende geschrieben und aufgenommen.

Wessen Meinung ist dir während eines Albumprozesses wichtig und wieso?

Eigentlich interessieren mich hier nur die Leute, die an der Platte beteiligt sind. Es gab aber hier einen Song, den ich nach der Aufnahme der Demo Vega zugeschickt habe, weil mir seine Meinung wichtig war.

Auf welchem Label wird die Platte releast?

Die Platte erscheint über mein eigenes Label Dikka Berlin.

Gab es Schwierigkeiten im Produktionsprozess und wenn ja, welche? 

Im Produktionsprozess eigentlich keine soweit. Der ganze Business- und Industriekram drumherum ist der eigentliche Mindfuck.

Existiert ein Song, der besonders viel Arbeit gebraucht hat und wenn ja, wieso konkret?

Tatsächlich habe ich an dem letzten Song, der als Erster rauskam („Tausende Meilen“) am längsten gearbeitet, weil ich immer unzufrieden mit der Hook war. Shoutout an meinen Freund Takt32, der hier bestimmt 32 Mal mit mir im Studio war und mit mir an der Hook gearbeitet hat (lacht).

Gibt es eine spannende oder witzige Anekdote, die du rund um den Produktionsprozess zum besten geben kannst?

Einmal habe ich mit meinem Engineer Felix nachts um zwei oder drei recordet. Das war für den Track „Dämon“. Der hat sehr viel Bass und wir haben vergessen den Subwoofer runterzufahren. Auf jeden Fall klopft es irgendwann an der Studiotür und die Cops sind da. Man kann aus der Booth direkt zur Tür rübergucken. Ich war gerade mega in meinem Film und hab den Song todes gefühlt, also steh ich da und sag durchs Mic in der Booth: „Dikka die Cops sollen nicht meinen Vibe killen, sag denen die könne ja wohl mal noch einen Take chillen!“  Die waren dann auch mit der Situation ein wenig unvertraut und haben eiskalt zugeguckt wie ich den Part gespuckt habe. Danach kam dann der Hinweis, wir mögen doch bitte ein wenig leiser machen. Shoutout an die Polizei Berlin!

Welcher ist dein persönlicher Lieblingssong auf der Platte und was macht ihn zu diesem?

„Worte im Wind“. Es ist einfach ein richtig guter Rapsong mit geilem Drive, guten Lines und perfekter Stimmung.

Welche ist die beste Line auf der Platte?

„Aus falschen Blicken werden Worte und dann falsche Sätze / Es is einfach – halt dein Wort oder halt die Fresse.“

Wie unterscheidet sich das Album von seinem Vorgänger? 

Zuerst ist es der rote Faden im Sound und der inhaltliche Zusammenhang. Die Stärke der Platte besteht darin, dass sie sehr modern klingt, ohne irgendwelchen Trends zu folgen. Daher kann das Album auch problemlos in ein paar Jahren noch gehört werden. Könnte aber daran liegen, dass keine belanglosen Inhalte auf der Platte sind (lacht).

Welche Ideen hat dir diese Platte für zukünftige Releases geliefert? Welche Wünsche hast du jetzt für anstehende Releases?

Ich fahre weiterhin meine eigene Schiene.

Welche Relevanz haben die Charts für dich? Welche Erwartungen hast du an die Chartplatzierung dieser Platte?

Ich freue mich über gute Platzierungen, bin aber weder auf das Prestige von Top 10 angewiesen noch hab irgendwelchen Druck von Labels.

Warum sollten Fans genau dieses Album unbedingt kaufen? Womit kann die Platte überzeugen?

Etwas ganz Besonderes im Jahr 2017: Gute Musik.

Was wird den Hörer an der Platte überraschen? Womit rechnet man zunächst nicht?

Mit dem Spagat aus „Das ist neu und fresh!“ und „Klingt voll nach Liquit Walker“.

Wie geht es nach Release für dich weiter? Welche Projekte sind geplant? 

Ich habe das nächste Projekt zu 65% fertig und schon Gerüste für das dritte Album. Zudem werde ich einfach mal wieder ein paar internationale Kollabos raushauen wie zum Beispiel mit Snak the Ripper und St1m

Wirst du mit dem Album auf Tour gehen? Ab wann? Mit wem? Was wird einen auf Tour erwarten?

Abwarten.

Trümmerkönig“ hier kaufen!

 

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