Zwischen den Zeilen mit Cr7z

Anlässlich des Releases seines neuen Albums ,,Sieben Weltmeere“ hat Cr7z ein paar Fragen für BACKSPIN beantwortet. Der in Rosenheim geborene Christoph Hess spricht u.a. über das Konzept hinter seinem neuesten Werk, wie es zur Zusammenarbeit mit Xavier Naidoo kam und gibt Einblicke in den Produktionsprozess. Darüber hinaus hat Cr7z jeweils einen kurzen Kommentar zu den insgesamt 13 Tracks auf ,,Sieben Weltmeere“ abgegeben.

Was für eine Idee steckt hinter deinem Album „Sieben Weltmeere“?
Grundsätzlich kann ich dazu sagen, dass das Element „Wasser“ für mich eine sehr große Bedeutung hat. In der Symbolik verschiedenster Kulturen steht es beispielsweise für Emotionen. Man kann sich fast überall Wissen darüber aneignen und ich bitte darum, dies bei Interesse auch zu tun, denn das Ganze nun ausführlich zu erläutern würde schier den Rahmen des Interviews sprengen. Wer meine Musik schon etwas länger verfolgt weiss, dass ich ein extrem gefühlsbeladener Mensch bin und ebenso die „Sieben“ im Namen trage, weshalb sich der Titel u.a. dafür angeboten hat. Wer noch mehr Insiderwissen über mein bisheriges Schaffen besitzt merkt, dass ich immer kleine Verlinkungen zu meinen anderen Releases und herstelle. Zum Beispiel endete die letzte Solo-Veröffentlichung „Hydra“ mit dem Titel „Sprung in das Blaue“. Auch gab es in der Zwischenzeit ein Kollabo-Album mit Absztrakkt mit dem Titel „Waage & Fische“. Da mein Tierkreiszeichen Fische ist, besteht auch hier wieder eine weitere Verbindung zum neuen Album. Wer noch aufgeweckter ist sieht, dass mein Debüt-Album „An7ma“ auf dem Cover den Weltraum im Hintergrund darstellt. Diesmal hab ich sozusagen den Inhalt hinab zur Erde gebracht, welche ja auch unter dem Synonym „Blauer Planet“ bekannt ist. Das Cover zeigt mich mit dem Rücken zum Betrachter in der Mitte zweier unterschiedlicher Wellen, die quasi die Gegensätze demonstrieren, die ich dirigiere. Was zum Beispiel wieder rückwärtig auf die Sonne & Mond Symbolik vom „An7ma“ Cover schließen lässt. Noch mehr Referenzen zum Albumtitel finden sich natürlich auch in den darauf vorhandenen Tracks. In mir geht immer eine Menge vor wenn es um ein weiteres „Baby“ von mir geht, darum ist es jedesmal auch etwas komplex zu erklären, warum genau ich es so genannt habe.

Was gibt es zu den Features zu sagen?
Auf dem Album gibt es zwei Tracks mit Xavier Naidoo und einen mit Raptoar. Durch den glücklichen Umstand das ich mit Savas in Kontakt stehe und bei seiner Bookingagentur Essah Entertainment als Live-Künstler im Roster verzeichnet bin, hat Xavier eine CD mit 49 Tracks plus das An7ma Album von mir im Backstage-Bereich der XAVAS Tour in Berlin erhalten. Bereits eine Woche später hat er sich über dezente Umwege mit mir in Kontakt gesetzt. Auch hat er mitbekommen, dass ich an einem neuen Album arbeite und mir dafür ein Feature angeboten. Daraufhin habe ich erstmal meine gesamte bisherige Arbeit am Album verworfen und direkt am nächsten Wochenende sieben Tracks in Rohfassung für speziell diese Sache geschrieben und aufgenommen, welche ich ihm hab zukommen lassen. Wir haben uns dann ein paar Monate später in Mannheim das erste Mal persönlich getroffen und alles weitere besprochen. Durch meinen und natürlich ganz besonders seinen vollen Terminkalender hat es dann noch circa ein Jahr gedauert, bis wir uns schließlich zusammen bei Naidoo-Records ein Wochenende genommen haben um gemeinsam zu recorden. An diesem Wochenende erfüllte sich ein Lebenstraum für mich und ich bin überglücklich das sich das alles so ergeben hat. Was das zweite Feature mit Raptoar betrifft muss ich sagen, dass er einer der wenigen Rapper ist, von dem ich seit über 4 Jahren das erste und einzige Solo-Album auf meinem Mp3-Player habe und es einfach nicht tothören kann. Mir gefällt seine Technik und sein Stimmeinsatz, ebenso die Inhalte. Durch einen Zufall war ich in Salzburg zu einem Event gebookt an dem auch er einen Auftritt hatte. Bis dato wusste ich nichtmal, dass er überhaupt noch Musik macht. Euphorisch wie ich in solchen Momenten bin hab ich ihn gefragt, ob er Lust hätte gleich mit auf dem neuen Album von mir zu sein. Ursprünglich hatte ich mir eigentlich nur Xavier als Feature darauf gewünscht, wieder bezogen auf das Lebenstraum Thema. Im Hinterkopf habe ich dann allerdings einen gewissen Kontrast zum Gesangsfeature mit Xavier gesehen, welcher Raptoars rohe Art zu spitten gut herstellen konnte und ich wollte ihm damit auch neuen Antrieb geben wieder neuen Stuff zu machen. Er schreibt vielleicht auch deshalb im Moment an einem neuen, zweiten Solo-Album, auf das ich mich sehr freue.

Wie lief die Produktion ab?
Wie ich eben schon erwähnt habe, hatte ich bereits gewisse Ideen, Beats und Texte für das Album gesammelt, sie allerdings im Jahre 2014 dann wieder komplett verworfen. Hinzu wurde meine kreative Phase von mir eine zeitlang auf Eis gelegt, da es Ende 2013 bis Ende 2014 so richtig für mich mit den Auftritten bei Essah Entertainment losging. Ich hatte über eine sehr lange Zeit keine nennenswerte Bühnenerfahrung mehr und da ich mich von Savas mit dieser Möglichkeit so gesegnet fühle, habe ich natürlich erstmal einen Großteil meiner Energie darauf verwendet, ihn und das Team, stellvertretend für Essah nicht zu enttäuschen. Dies ist mir gottseidank auch gelungen und ich habe bis heute eine tadelose Bilanz was mein Erscheinen und Abliefern bei Live Auftritten betrifft. Dadurch hat sich für mich auch die Tür für eine eigene erste Solo-Tour geöffnet, welche wie das Album „Sieben Weltmeere“ heisst und am 24.11.15 beginnt. Auch wurde die Albumproduktion durch den Entstehungsprozess vom für mich zunächst vorrangigen Waage & Fische Kollabo Album mit Absztrakkt eingedämmt. Es kamen noch ein paar andere Faktoren hinzu aber ich möchte jetzt nicht weiter ausschweifen. Fakt ist, dass ich im Endeffekt erst richtig zur Zeit des Vorverkaufs von W&F begonnen habe, die Albumtracks zu schreiben und zu recorden. Mit den Bausteinen die ich mir im Laufe der letzten zwei Jahre zurecht gelegt hatte kann man sagen, dass ich im Prinzip das komplette Album in zwei Monaten neu aufgezogen und abgeschlossen habe. Klanglich kann man dennoch darauf einen wesentlich reiferen und runderen Sound als auf AN7MA erwarten. Was natürlich nicht zuletzt am großartigen Einsatz aller beteiligten Personen, insbesondere DJ s.R, welcher für das Mastering verantwortlich ist, liegt. Ich selbst habe kein Problem damit, stets neue Ideen zu haben, Inhalte und Flows zu kreiren und mich persönlich weiterzuentwickeln, da ich das ja schon die letzten 18 Jahre mache und mir das in Fleisch und Blut übergegangen ist. Ich schreibe bereits schon wieder an Tracks für neue Projekte.

Was erwartet den Hörer inhaltlich auf „Sieben Weltmeere“?
Ich möchte am liebsten alle Menschen ansprechen und nicht nur einen bestimmten Personenkreis. Ausserdem habe ich mittlerweile das Gottvertrauen entwickelt, dass meine Musik sicherlich bei den Menschen die sie gerne hören werden, früher oder später ankommen wird. Inhaltlich und musikalisch ist das natürlich nicht für jeden etwas, das ist vollkommen verständlich, dennoch habe ich im Laufe der Zeit beobachtet, dass die Musik von alt und jung gehört wird. Mir wird öfter von meinen Hörern von einer bestimmten Magie berichtet, die nicht wirklich zu beschreiben ist. Sie hilft anscheinend auch sehr vielen Menschen in sehr ungünstigen bis schier ausweglosen Lebenslagen, was mich ganz besonders erfreut, da ich selbst lange Zeit in einer Art Höllenspirale gefangen war und mir im Klaren darüber bin, was für eine Macht die Musik im Allgemeinen in sich trägt. Von daher finde ich es auch sehr schade und bedenklich, wie sie über die Zeit zu einem Marketing-Tool verunstaltet wurde, welches nur dafür geschaffen ist möglichst viel Profit zu generieren. Die Kehrseite der Medialle ist dann natürlich die vorranschreitende geistliche- und darauf folgende emotionale Abstumpfung der Konsumenten. Das findet man selbstverständlich keineswegs nur in der Musikindustrie, sondern in so ziemlich jedem Bereich in dem es vorranging um Kohle geht. Also eigentlich weltweit. Übrigens eine weitere, wenn auch traurige Inspirationsquelle für neue Textinhalte meinerseits. Fehlerfrei bin ich freilich auch nicht. Meine inneren Konflikte spielen eine große Rolle in meinen Liedern und ich halte mir durch diese auch selbst einen Spiegel vor Augen. All dies findet man auf „Sieben Weltmeere“ wieder, sowie natürlich die typischen Rap-Elemente wie Ketten- und Kreuzreime, Flowvariationen etc.

Eine kleine Randnotiz rund um das Album?
Was ich mir vom Album erwarte? Ich fass mich hier mal kurz. Ich wünsche mir, dass es Wellen schlägt und somit meinen Hörerkreis erweitert. Ich freue mich über jeden Support, ganz egal von wem oder woher. Für mich ist es mittlerweile wesentlich mehr als „nur“ Musik.

Von Track zu Track

1. REAN7MATION
Da es mein zweites Solo-Album nach „AN7MA“ ist, schien mir der Titel sinnvoll.
Inhaltlich spreche ich verschiedene Dinge an und der Text hat eine hohe Reimdichte.
Als Synästhetiker liebe ich das „Kalte und Dunkle“ an dem Beat, vergleichbar mit dem Weltraum.

2. ZURÜCK AN DEN ANFANG feat. Xavier Naidoo
Lebenstraum Track. Zum Großteil gesellschafts- und systemkritisch.
Wunderschöne Hook von Xavier und grandioser Beat von Eule.

3. VEREINIGUNG
Wahnsinns Beat von Mikos und als Kind der 80er feier ich natürlich sowas.
Die letzte Line „Auf eine himmlische Vereinigung beider Hemisphären“ bezieht sich für mich auf den Planeten und auf das menschliche Gehirn. Da besteht ein Zusammenhang.

4. BIS AUF DEN GRUND DES OZEANS
Inspiriert von dem Buch „Bis auf den Grund des Ozeans“ von Julia Tavalaro. Unglaublich sanfter und emotionaler Beat mit sicken Cutz von Eule. Zum Großteil handelt der Song von der Spaltung der Menschheit.

5. JETZT ODER NIE feat. Xavier Naidoo
Lebentraum Track Nr. 2. Wieder zum Großteil gesellschafts- und systemkritisch.

6. ÜBER WASSER LAUFEN
Representer Track und eine kleine Abrechnung mit der Musikindustrie.
Sehr verstrickte Textinhalte. Muss man sicherlich öfter hören um ihn zu umreissen.

7. VERANTWORTUNG
Sehr trauriger aber hoffnungsgebender Track über drei unterschiedliche menschliche Schicksale.

8. SCHNELLER ALS DAS LICHT
Wieder ein Representer auf einer Art 80s Beat, diesmal mit hoffnungsvoller Stimmung.

9. EUPHORIE
Der Name ist Programm. Ich war an dem Tag einfach gut drauf. Spiegelt sich auch im Beat wieder und macht Laune.

10. IM SOG
Komplexer Battletrack der treibend nach vorne geht. Verletzungsgefahr für einige Rapper.

11. 360° feat. Raptoar
Mystischer und verschlüsselter Battletrack mit asiatischem Beat. Hab mir darauf den Wunsch mit dem Raptoar Feature erfüllt. Sehr böse das Ding.

12. ICH ERINNER MICH
Sehr persönlicher Inhalt und ein kleiner Einblick in mein Leben. Der Track handelt vom Vorranschreiten der Lebenszeit und wie ich den langsamen Verfall betrachte. Im ersten Verse geht es um die Vergangenheit, im Zweiten um die Gegenwart. Sehr emotionaler Track mit sehr schönen Melodien von Klavier, Gesang & Flöte.

13. AM ENDE WIRD ALLES GUT
Ich berichte hier verschiedenste Dinge die mein Privatleben im Moment ausmachen.
Der Titel des Tracks bezieht sich auf das alles im Ganzen. Finale des Albums und für mich persönlich ein Opener für meine weitere musikalische und private Zukunft.

The following two tabs change content below.

0 Comments

  1. Pingback: Cr7z - "Weit weg" (Audio)

Erzähl Digger, erzähl

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.