Joey Bargeld: „Ich bin kein Rapper“

Foto: °awhodat°

Er will Bargeld, sie will Bargeld – cash cash cash.
Wir wollten auch Bargeld und haben das Release seiner ersten EP, die den passenden Titel „1“ trägt, genutzt, um uns mit dem KitschKrieg-Künstler Joey Bargeld in Berlin-Kreuzberg zum Interview zu verabreden. Der Hamburger und sein KitschKrieg-Team erzählten uns von der soeben eingeläuteten EP-Trilogie und davon, wie sie das Deluxeboxen-Game im Deutschrap revolutionieren.
Weiter sprachen wir über das Selbstverständnis von Joey als (kein) Rapper, darüber, quasi aus Versehen ein Album zu erschaffen und über die Wahrheit bezüglich deutscher Rapper und der Charts.

Zwischen den Zeilen mit Joey Bargeld zur „1“ EP

Die EP trägt den Titel „1“ – Wieso?

KitschKrieg: Weil es die erste ist. Insgesamt werden drei EPs erscheinen, die die Titel „1“, „1.1“ und „1.1.1.“ tragen. Internetbeschriftung irgendwie.

Wie kann man den roten Faden beschreiben, der sich durch diese Trilogie zieht?

Joey Bargeld: Die Idee dahinter war, dass man drei Mal fett Promo machen kann. Okay, Scherz. Tatsächlich ist es aber so, dass wir mit diesen drei Veröffentlichungen schon mehr Reichweite erhalten und man freier ist in dem was man machen kann.
Der rote Faden ist meine musikalische Entwicklung. Die erste EP enthält zum Beispiel mit die ersten Songs von mir. Die dritte EP beinhaltet dann die neueren Songs und bewegt sich weg vom Trap.

Konzentrieren wir uns vorerst auf die EP „1“. Welche Thematiken werden konkret behandelt, kannst du da Beispielsongs nennen?

Joey Bargeld: Mit „Bargeld“ ist der erste Song auf der EP ein klassischer Opener. Ich will Bargeld, du willst Bargeld. Niemand möchte gern arm sein. Es ist auch nicht so, dass ich Bargeld bin. Sage ich zum Beispiel „Bargeld will Urlaub“ steht Bargeld an dieser Stelle als eigene Person.
Weiter wird natürlich die Thematik Drogen aufgegriffen mit den Songs “Trap Haus” und “THC” feat. Trettmann. Die Thematik wird diesmal eher aus einer reflektierteren Sicht aufgegriffen, weil ich es zwar nicht nur als negativ, aber schon als problematisch erachte, wenn man sich im Drogenkonsum verliert. Und abschliessend gibt es mit “Bounce” den Tanzsong, der in guten Clubs und DJ Sets hoffentlich seinen Platz finden wird. Mag ich sehr mit dem Footwork Part hintenraus.

Wer war für die Produktion der „1“ EP verantwortlich?

Joey Bargeld: KitschKrieg natürlich.

KitschKrieg: Wir haben alle drei EPS produziert. Auch die Bildsprache und die gesamte Ästhetik ist die bisher von uns bekannte und von °awhodat° etablierte und geliebte. Man kann es so betrachten, dass sich zwei Künstler für einen bestimmten Zeitraum zusammengetan haben.

Joey Bargeld: Eben. Ein Kollabo Projekt zwischen Joey Bargeld und Kitschkrieg, wie der Titel auch schon vermuten lässt.

Wessen Feedback ist dir während der Produktion besonders wichtig?

Joey Bargeld: Fizzle vertrau ich blind. Ansonsten ist mir Feedback nur wichtig, wenn es gut ist (lacht). Ansonsten gibt es noch Jimmy James, das ist ein Kollege meines Bruders, der auch Musik macht. Darko, meinem Produzenten aus Hamburg, zeige ich auch Entwürfe, das war’s eigentlich. Engeren Freunden zeige ich ab und an auch mal was.

Wie fiel das erste Feedback aus?

Joey Bargeld: Bisher war alles super. Es kommt wirklich selten vor, dass jemand schreibt: „Ey, es ist voll scheiße, was du machst“. Die, die sich bisher geäußert haben, waren positiv überrascht.

Gab es während der Entstehung der EPs größere Schwierigkeiten, die ihr überwinden musstet?

Joey Bargeld: Die Arbeit an sich kam mir relativ leicht vor. Ich glaube, ich habe mal einen Termin mies verpennt.

KitschKrieg: Die Arbeit mit Joey war sehr unkompliziert. Am Anfang stand die Idee, eine EP zu machen. Dann lief das so einfach, dass wir plötzlich ein Album gemacht haben. Nachher fiel dann die Entscheidung, das Album auf drei EPs aufzuteilen. Manchmal kommen Dinge zum richtigen Zeitpunkt zusammen und dann ist es einfach, Kunst zu schaffen. Alles war einfacher als erwartet. Einfach schön.

Vorhin hieß es, ihr hättet euch für die drei EPs entschieden, um mehr Reichweite zu generieren. Was hätte dagegen gesprochen, das Projekt schlichtweg als Album zu veröffentlichen und entsprechend zu bewerben?

KitschKrieg: Der Unterschied liegt in der Erwartungshaltung. Wenn du als ein neuer Künstler wie Joey und dort, wo KitschKrieg gerade steht, ein Album veröffentlichst, ist die Erwartungshaltung eine relativ hohe und komische. Wir kümmern uns gern darum, wie unsere Produkte verpackt und präsentiert werden und in diesem Fall war es schwierig mit dem “Projekt” Album. Irgendwann kam die Idee mit den drei EPs und ab dem Zeitpunkt war es total einfach, alle hatten Ideen und es hat wieder Sinn gemacht.

Ein Album ist immer so groß. Das war einfach nicht der richtige Zeitpunkt.

Mit unseren anderen Künstlern haben wir auch zunächst einzelne Tracks und EPs veröffentlicht.

Welche ist deine Lieblingsline der „1“ EP?

Joey Bargeld: Es gibt so viele.

KitschKrieg: Darf ich? Meine ist: „Bargeld braucht Urlaub“ (lachen). Es wechselt, aber die ist schon extrem gut.

Joey Bargeld: Ja, die nehmen wir. Eigentlich sind alle Lines meine Lieblingslines. Von Anfang bis Ende ist alles nur geil.

Verstehst du dich selbst eigentlich als Rapper?

Joey Bargeld: Ich finde, rappen muss man können. Das ist eine Kunstform und gibt Leute wie DCVDNS, Kool Savas, Olli Banjo oder Samy Deluxe. Da würde ich mich nicht zuzählen, das kann ich einfach nicht. Ich habe auch viel weniger Text in meiner Musik, ich habe kaum mal 16 Bars in einem Part, 12 sind bei mir das höchste der Gefühle. Außer bei Leuten wie DCVDNS mag ich lange Parts gar nicht so gerne. Ich mag das Wort crossover zwar nicht, aber meine Musik hat Einflüsse aus allen verschiedenen Richtungen.

Also sollten wir aufhören, dich als Rapper zu bezeichnen?

Joey Bargeld: Es braucht ein neues Wort, vielleicht findest du ja eins.

Wie wär’s, dich schlichtweg als Künstler oder Musiker zu betiteln?

Joey Bargeld: Ich mag das Wort “Singer” ganz gern von Trettmann.

Zwar reden wir hier noch von keinem Album, sollte aber in Zukunft mal eine Album von dir erscheinen: Welche Rolle spielen für dich die Charts?

Joey Bargeld: Je mehr, desto besser. Ich nehme alles mit.

Interessant, dass du das sagst, weil viele Künstler heutzutage behaupten, ihre Chartplatzierung sei ihnen egal.

Joey Bargeld: Bevor ich auf Platz #18 oder so charte, lieber gar nicht.

KitschKrieg: Ich glaube, dass es jeden Künstler freut, wenn er chartet.

Mir kann kein Künstler erzählen, dass er nicht gern populäre Musik macht.

Solch eine Aussage ist eine Absicherung für den Fall, dass es nicht klappt. Wenn ein Künstler dann doch in den Top 10 chartet, gibt es überall die Meldungen.

Lasst uns mal über die Box reden. Im Vorfeld habt ihr mir verraten, dass es genau eine Box zu den EPs geben wird.

KitschKrieg: Es wird genau eine Box geben, die bei eBay versteigert wird. Wenn Bargeld dann in drei Jahren Weltstar ist, bist du Millionär. Das Angebot wird sieben Tage laufen.

Wie hoch schätzt ihr das Höchstgebot?

Joey Bargeld: Alles über 50€ würde mich freuen.

KitschKrieg: Die Box ist ein Einzelstück und es gibt eben Fans. Mich würde nicht wundern, wenn da ein paar Hundert Euro bei rauskommen. Wobei ich das auch verstehen kann: Hätte ich Geld und wäre derber Fan, würde ich’s mir vielleicht auch kaufen. Evtl. kaufe ich die einfach, denn ich bin ja Fan.

Was ist denn enthalten in der einzigen Box?

Joey Bargeld: Als erstes ein exklusives Joey Bargeld x KitschKrieg T-Shirt, von dem auf der Welt nur zwei Stück existieren – eins hat der Künstler selbst und eins der Käufer. Weiter ist ein original °awhodat° Fotoprint enthalten, der auf Wünsch des Käufers noch signiert wird. Die EP “1” auf CD, auch das natürlich die einzige CD weltweit, bisschen so wie beim Wu-Tang Clan, nur schöner natürlich. Abschliessend gibt es ein Candle Light Dinner mit mir, was du bezahlen musst und ich such noch bis Mittwoch weiter nach Produkten, die Sinn machen. Auf jeden Fall sind das alles Dinge, die nur einmal existieren. Die Sachen sollen geil für den Fan sein und keine Scherz Box sein.

Joey, wie würdest du deine Zielgruppe definieren? Wie ist ein klassischer Joey Bargeld Fan?

Joey Bargeld: Ich weiß gar nicht mehr, wer das gesagt hat. Aber neulich meinte ein Freund von mir, meine Zielgruppe läge bei 13-18 Jahren. Da war ich ein bisschen geschockt und hoffe, dass ich doch ein etwas älteres Publikum anspreche. Ich sage immer 18-35, das ist eine gern genommene Zielgruppe. Eigentlich aber auch jeder, der Musik hört. Bestenfalls alle abgreifen. Die Deutschrap-Szene ist für mich eh ein rotes Tuch.

Warum ist die Deutschrap Szene für dich ein rotes Tuch?

Joey Bargeld: Es gibt zu viel Beef. Auch, wenn es viel PR ist, mag ich das nicht.

Theoretisch würde ich an dieser Stelle über kommende Projekte sprechen wollen. Die kommenden Projekte sind ja nun aber die „1.1“ und die „1.1.1“ EP.

Joey Bargeld: Genau, das wird jetzt alles rund um’s splash! passieren und dann geht’s nahtlos weiter. Ansonsten habe ich in Hamburg gerade das Album angefangen, das hoffentlich im Winter veröffentlicht werden kann. Das wäre für mich persönlich der perfekte Abschluss. Dann kann ich nächstes Jahr ganz frisch an neue Projekte gehen.

KitschKrieg: Ab Oktober geht’s auf Tour als Support von Trettmann in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Lass uns abschließend über die Tracklist der „1“ EP sprechen.

1. Bargeld

Joey Bargeld: Cash Cash Cash Cash Cash Cash Cash.

2. Trap Haus

Joey Bargeld: Hol mich hier raus.

3. THC feat. Trettmann

Joey Bargeld: Bester Mann. Cooles Feature.

4. Bounce

Joey Bargeld: Sowas habt ihr nie gesehen, sowas machen HipHopper.

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Ist mittlerweile seit 3 Jahren bei BACKSPIN und hat die Leitung der Online-Redaktion inne. All ihre Fans sind maskuline Jungs, jaja.

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