YG – „Still Brazy“

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Mit Songs wie „My Nigga“ oder „Act Right“ hat YG in den letzten Jahren international für ordentliche Banger-Tracks in den Clubs gesorgt. Er arbeitete mit Größen wie DJ Mustard, Nicki Minaj, Drake und Tyga zusammen, um nur ein paar Kollaborationen zu nennen, und hat sich innerhalb kurzer Zeit einen recht respektablen Namen in der US-Hip-Hop-Szene gemacht. Scheinbar war es ihm daher ein besonderes Bedürfnis, mit seinem zweiten Album „Still Brazy“ zu versichern, dass er trotz des ganzen Fames immer noch Straße ist.

„Doing things that my momma said I shouldn’t be,
so don’t come to LA, Nobody fucking with me“ 
(„Don’t Come to LA“, feat. AD, Sad Boy & Bricc Baby)

 Wenn ich aber die kürzliche Schießerei beim Videodreh zu „Thug“ mit dem Kollegen AD denke, oder an das Drive-by-Shooting vor seinem Tonstudio im vergangenen Jahr, bei dem er angeschossen wurde, aber später bei der Polizei die Aussage verweigerte, bleiben mir eigentlich keine Zweifel daran, dass YG verdammt realen Gangster Rap macht und seine Musik für seine Erlebnisse sprechen lässt.

So behandelt sein Track „Who Shot Me“ eben genau diesen Vorfall vom Juni 2015, nach dem er angeschossen eine Nacht im Krankenhaus verbrachte. Zwar macht er hier klar, dass er sich von niemandem aufhalten lässt, thematisiert aber auch seine Ängste und seine Ratlosigkeit in dieser Sache. Oder er stellt sich in „I got a question“ zusammen mit Lil Wayne die Frage, wann ihn sein Umfeld endlich aufhört zu stressen und ständig von ihm profitieren zu wollen. Er setzt sich in „Police Get Away Wit Murder“ mit Polizeigewalt in den Staaten auseinander und liefert gemeinsam mit Nipsey Hussle und dem Track „FDT“ eine Anti-Donald-Trump-Hymne, wie sie fast besser nicht sein könnte.

 Ich halte „Still Brazy“ für ein sehr persönliches Album, das in viele Bereiche dippt, die den Rapper aktuell beschäftigen. Die groovigen Beats bewegen sich irgendwo zwischen Old School und New School Ganster Rap; sie erinnern oft an Dr. Dre, Nate Dogg oder Snoop Dogg und eignen sich, wie von YG gewohnt, bestens für den Club, aber ebenso gut für eine entspannte Session auf dem Sofa.

Zwar gibt es wenige Songs, die überraschen oder besonders heraus stechen und auch YGs Rap-Skills sind meiner Meinung nach eher reduziert, aber am Ende ist das Album ein rundes Ding, das einen weiteren Gegenentwurf zu der aktuellen Trap-Welle liefert, für das man sich Zeit nehmen sollte, es sich von Anfang bis Ende anzuhören.

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