Xavier Naidoo – „Nicht von dieser Welt 2“ (Review)

Wenn Musiker sich dazu entschließen, eines ihrer Alben fortzusetzen, dann nicht selten, um der stagnierenden Karriere wieder Leben einzuhauchen. Bei Xavier Naidoo, der mit seinem kürzlich erschienenen „Nicht von dieser Welt 2“ an sein Debüt von 1998 anknüpft, kann dies nicht der Fall sein: Jedes seiner fünf Studioalben erreichte Platz 1 der deutschen Albumcharts. Auch Arbeiten mit anderen Künstlern (Söhne Mannheims, Xavas) erfreuten sich großer Beliebtheit. Des Weiteren war und ist er in mehreren erfolgreichen Fernsehshows zu sehen (u.a. „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“).

Doch immer wieder sorgte der Mannheimer Soulsänger mit „verschwörungstheoretischem Geschwurbel“ (süddeutsche.de) für Aufsehen der negativen Sorte.  Kritiker sagen ihm eine rechtsextremistische Gesinnung nach, die in seinen Songtexten zu finden sei. Auch sein Auftritt vor den sogenannten Reichsbürgern, Anhängern einer Organisation, die mit der NPD in Verbindung gebracht wird, sorgte für öffentliche Entrüstung. Dies alles führte vor wenigen Monaten dazu, dass der Norddeutsche Rundfunk sein Vorhaben aufgab, Naidoo als deutschen Kandidaten zum ESC zu schicken.

Genau hier könnte der Grund liegen, warum Xavier Naidoo nun zu seinen musikalischen Wurzeln zurückkehrt:  Vielleicht ist es ein Versuch, die Kontroversen vergessen zu machen, vergangenen Ärger zurückzulassen.

Da passt es wie die Faust aufs Auge, dass Moses Pelham als Produzent, Songwriter und Rap-Feature-Lieferant maßgeblich am neuen Album mitgewirkt hat – er produzierte bereits Naidoos Erstlingsalbum, später entzweite ein Rechtsstreit die beiden Künstler.

Nun, achtzehn Jahre später, also „NVDW 2“. Göttlich tugendhafte Themen wie Glaube, (Nächsten)liebe und Hoffnung ziehen sich als rote Fäden durch das neue Album. Fromm sein und keine Angriffsfläche bieten, scheint das Credo zu lauten. Dessen Umsetzung geschieht mal mehr, mal weniger originell.

Lieder wie „Dem Himmel noch näher“  und „In meinen Armen“ erinnern an frühere Soulnummern Naidoos und bieten Ohrwurmpotenzial, was vor allem Pelhams klanglichem Feingespür zu verdanken ist. Durch seine ungemütliche Thematik sticht „Ich will leben“ unter den anderen Songs hervor. Es geht es um Massentierhaltung und Gewalt gegen Tiere. Ein beklemmender Song, den man als Hörer nicht so schnell vergisst. Stimmlich ist Naidoo in Höchstform, was er auch a cappella in „Amazing Grace“ unter Beweis stellt.

Mit Xavier Naidoos zur Schau gestellten Spiritualität muss man sich anfreunden, um seine Musik zu mögen. Sie ist eines seiner Markenzeichen und schon im Debüt „Nicht von dieser Welt“ kaum zu überhören. Über die Eleganz von Pelhams Kniffen wie dem Einsatz eines Kinderchors lässt sich dagegen streiten. Schade ist auch, dass die Qualität der Liedtexte  bisweilen mangelhaft ausfällt. So ist die exzessive Wiederholung bestimmter Textzeilen ein beliebtes Stilmittel. Häufig sind es Binsenweisheiten und überstrapazierte Floskeln, die sich hier aneinanderreihen – „egal, wie kitschig das klingt“. „Die letzte Chance, die uns geblieben ist, ist Liebe“, verkündet Naidoo in „Renaissance“. „Halleluja“, verleiht der Kinderchor seinen Worten Nachdruck.

Fans werden sicher ihre Freude an „Nicht von dieser Welt 2“ haben. Gelegenheits- und Neuhörer sollten jedoch ein Ohr zudrücken, wenn es stellenweise zu inhaltlichen Schwachstellen kommt.

 

Xavier Naidoo
VÖ Datum: 08. März 2016
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Carlotta ist seit August 2015 Online-Redakteurin der BACKSPIN. Wenn sie nicht gerade News für die Website verfasst, versucht sie sich selbst am Mikrofon.

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