Wir wollen die Untergrund-Playlist zurück! – Hohe Fünf mit Rooq

Rooq

Aufgrund der Y-Kollektiv Reportage um den mysteriösen Hacker Kai und Klick-Käufe in der deutschen Rapszene, startete DJ Eule, Produzent und Tour-DJ von Cr7z, eine interessante Diskussion auf Instagram. Er beschrieb die schwierige Lage von Untergrund-Rappern, im digitalen Zeitalter gehört zu werden. Je häufiger ein Song abgespielt wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass dieser auch in einer der großen Playlisten landet. Laut DJ Eule haben es Künstler gerade am Anfang ihrer Karriere schwer, Plays auf ihre Musik zu generieren und landen deswegen auch in keiner der Playlists. Lakmann kommentierte daraufhin den Post von DJ Eule und äußerte sich noch drastischer. Er schrieb: „Iz Game Over für uns kleinen Underground Fische.“ Darum fordert Lakmann, dass Untergrund-Rapper alle Streaming Dienste besser verlassen sollten. 

Rooq hingegen sagt den großen Playlisten den Kampf an. Er fordert, dass die „Deutschrap Untergrund“-Playlist wieder zurückkommen muss. Die Playlist wurde von Spotify gelöscht und ist nicht mehr verfügbar. Eine Begründung dafür blieb aus. Darum startete Rooq eine Petition um die „Deutschrap Untergrund“-Playlist zurückzufordern! Wir haben ihm dazu fünf Fragen gestellt. 

 

 
 
 
 
 
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Dass Streamingzahlen, YouTube Plays, Likes etc. manipuliert werden, ist für mich keine Überraschung. Es wird schon immer betrogen und gelogen wo es möglich ist, ob in der Politik, im Sport oder in der Musikindustrie. Leider ist es im digitalen Zeitalter für junge Künstler, die gerade am Anfang ihrer „Karriere“ stehen, ein sehr großes Problem, denn ohne das man jetzt seine Songs in diversen Playlist´s unterbekommt, ist es so gut wie unmöglich sich eine größere Fanbase aufzubauen. Mit diesem Thema beschäftige ich mich schon eine ganze Weile, da ich selber ein Label betreibe und natürlich auch möchte, dass meine Künstler, in für ihr Genre sehr relevanten Playlists stattfinden. Allerdings verblassen Künstler, neben Plays in Millionenhöhe, da diese Playlists von einem Algorithmus gesteuert werden. Sprich wenn keine Saves, viele Skips und wenig Plays generiert werden, fliegt der Songs raus. Das wirkt sich sowohl auf die Umsätze von den kleinen Labels / Künstlern aus – und natürlich auf die Motivation. Diese Entwicklung wird dafür sorgen, dass einige sehr talentiere Menschen, niemals die Möglichkeit haben werden, von ihrer Kunst leben zu können oder vielleicht sogar das Vertrauen in ihre Kunst verlieren und gänzlich aufhören. Dem könnten die „Medien“ entgegenwirken, in dem sie kleine Künstler persönlich mehr pushen aber auch die sind von einem gewissen Umsatzdruck dazu gezwungen, Klick-starke Beiträge à la Bildzeitung zu erstellen, damit die Werbeeinnahmen gut laufen. Es ist sozusagen ein Teufelskreis in dem wir uns befinden. Die Labels / Künstler, können nur darauf hoffen, dass uns diese Streamingportale und Medien eine Fläche bieten, auf der wir stattfinden können. Sehr wichtig ist: Als Fans habt ihr die Möglichkeit eure Lieblingskünstler zu supporten, in dem ihr eigene Playlist´s erstellt, dem Künstler folgt, Songs liked, teilt, Videos kommentiert und eure Einkäufe bewertet (ob bei Insta, Facebook, YouTube, Amazon, iTunes etc.) denn ALLES wird heute von diversen Algorithmen gelenkt und desto mehr da passiert, desto größer wird die Reichweite eures Künstlers. Ähnlich wie beim Wählen; guckt das eure Stimme nicht verloren geht 😉 Wie steht ihr dazu? #KeepitReal

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Wieso war es für dich keine Überraschung, dass bei Streamingzahlen betrogen werden könnte?

Weil immer und überall betrogen wurde und wird. Das war zu den Hochzeiten der CD, Vinyl oder des Downloads nicht anders. Warum sollte es dann jetzt anders sein? Die Frage war nie ob es gemacht werden wurde, sondern nur wer es machen würde und wie er es machen würde.

Wie stehst du zu Streaming-Plattformen wie Spotify, Apple Music und co.?

Ich persönlich bin pro Entwicklung und dementsprechend auch pro Streaming-Plattformen. Die Bezahlung durch diese Plattformen ist verhältnismäßig gesehen zwar ein Witz für die Künstler, Tidal mal ein bisschen ausgenommen, aber die Tatsache, dass der Konsument alle Releases direkt hören kann und eben rein theoretisch auch viel schneller für ihn neue Musik entdecken kann, ist großartig!

Wohin führt uns diese Entwicklung als Kultur?

Die Tatsache, dass wirklich wichtige Playlisten wie die Deutschrap Untergrund Playlist von Spotify einfach so, ohne Erklärung, gelöscht werden, führt uns an einen absolut kritischen Punkt. In den vier großen Deutschrap-Playlisten auf Spotify, finden vorwiegend ein und dieselben Songs und Künstler statt. Natürlich können Hörer auch noch alternative (Rap-) Musik hören. Aber das Entdecken wird schwerer und den Untergrund-Künstlern wird es noch schwerer gemacht, sich überhaupt über Wasser zu halten. Was hier passiert ist eine Gleichschaltung. Wenn man sich als Künstler nicht dem vorherrschenden kommerziellen Musiktrend komplett anpasst, findet man quasi nicht statt. Während eine Handvoll angepasster Künstler inzestuös von Spotify in den Himmel gepusht werden. Das führt uns letztendlich in eine komplette Gleichschaltung. Ich habe keine Ahnung warum niemand zu checken scheint, dass wir hier momentan an einem absolut wichtigen Scheideweg stehen. Alle Medien sollten viel besorgter sein, als sie es sind. Alle Hörer sollten viel besorgter sein, als sie es sind.

Wie lässt sich der von dir besagte Teufelskreis durchbrechen?

Ich weiß, dass diese Frage nicht auf die Playlist abzielt. Ich tue aber mal so, als würde sie genau das tun. Was wir uns wünschen würden, wäre das Spotify die Deutschrap Untergrund Playlist wieder reaktiviert oder uns einen triftigen Grund nennt, warum die Playlist gelöscht bleiben muss. Diese Playlist steht für die Diversität im deutschen Rap. Sie steht dafür das man sich musikalisch nicht anpassen muss, um zumindest eine winzige Chance zu haben mit seiner Musik überleben zu können. Ich weiß nicht, wie viele Abonnenten die Playlist genau hatte. Aber es waren mehrere hunderttausend. Das bedeutet ja offensichtlich, dass es ein Publikum gibt, dass sich für diese Musik interessiert. Warum wird es diesem Publikum absichtlich schwer gemacht, Musik aus dem deutschen Untergrund zu entdecken und den Künstlern absichtlich schwer gemacht, mit der Musik die Hörer zu erreichen?

Was kann man als Privatperson machen, um Musiker, die man mag, zu pushen?

Im Idealfall natürlich CD, Vinyl oder Downloads kaufen, weil diese Medien den Künstlern, im Vergleich zu Streaming-Plattformen natürlich, ein Vielfaches an Gewinn einbringen. Wenn es aber um’s reine Streaming geht: Verbreitet die Musik, die ihr hört und mögt bei Freunden und Bekannten. Musik teilen ist durch Streaming auch um ein Vielfaches einfacher und direkter geworden!

Den Link zur Petition findet ihr hier: https://bit.ly/2Io0BYE

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Ich habe eine kleine Geschichte zu erzählen und die geht so: Rap ist in New York groß geworden. Aber sobald er laufen konnte, fand er den Weg an die West Coast, Wo es ihm viel besser gefiel. Dann lernte er fliegen und West-Berlin war sein Ziel.

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