Wie wurde Animus zum Bozz?

Vor einiger Zeit wurde Animus auf Azads Label Bozz Music gesignt. Grund genug um einen Blick auf seinen Werdegang zu werfen und die verschiedenen Karrierestationen zu beleuchten. Hatte der Sohn persischer Einwanderer schon immer Muskelberge und diesen ausgewachsenen Bart? Er selbst bezeichnet sich als Musiker mit tiefer Leidenschaft für Rapmusik, doch man konnte in den letzten Jahren durchaus den Eindruck gewinnen, dass die Straßenschiene immer größeren Einfluss auf die Person Mousa Amouei und seine Musik nahm. Doch inwieweit ist das richtig? Wir blicken zurück.

Wie kam man um die 2000er Jahre zum Rap? Klar, durch Viva. Als das Internet noch in den Kinderschuhen steckte und die Szene in Deutschland überschaubarer war, gab es für viele Jugendliche, Viva und MTV sei Dank, die ersten Berührungen mit Rap über das Fernsehen. Heute kaum vorstellbar.
So hörte auch ein junger Heidelberger, der sich später Animus (lateinisch für Denkkraft) nennen sollte, in jungen Jahren zum ersten Mal Rap. Nämlich Curse, der seinerzeit mit Wahre Liebe aus dem Album „Feuerwasser“ auf Viva lief. Der junge Animus konnte sich in den Lyrics wiederfinden. „Das war für mich eine Initialzündung, dass Musik ein Ventil sein könnte meine Gefühle auszudrücken“ . Romantiker würden es einen Hip-Hop Moment nennen.

Animus erste Begegnung mit Kool Savas

Und so fing er mit 13 Jahren zu texten an, wobei er schnell die ersten Schritte aus dem Kinderzimmer hinaus wagte und großen Tatendrang bewies, als er dem ersten Rapper in seiner Karriere einen Hausbesuch abstattet – es sollte nicht der letzte bleiben.
Im Alter von 16 Jahren, noch ganz ohne Bart, Muskeln und Kamera, fuhr er mit einem Kumpel zu Kool Savas, der zu der Zeit in Heidelberg wohnte, um den King of Rap eine Demo CD in den Briefkasten zu werfen: „Als 16 Jährige Pisser haben wir herausgefunden wo er wohnt…Ich wollte ihm meine Demo CD in den Briefkasten werfen…als mein Kumpel einfach geklinget hat“. Savas kam sogar herunter und nahm die CD entgegen. So beschreibt Animus das legendäre erste Treffen der beiden und ganz offensichtlich machte das Eindruck, denn einige Tage später rief Kool Savas an, um ihm einen Feature Spot auf dem Optik Mixtape „Ear to the Street Volume 2″ anzubieten.
Und so schaffte es Animus schon in jungen Jahren auf ein Mixtape von King Kool Savas höchstpersönlich. Das nächste Aufeinandertreffen der beiden war 2005 bei Feuer über Deutschland, als Animus ein Battle gegen Gier bestritt, welches nicht besonders erfolgreich verlief. Zumindest meldete sich laut Animus, Kool Savas danach nie mehr.

„Der Kugel-Schreiber“

Das erste offizielle Release über ein Label erschien mit dem Mixtape „Der Kugel Schreiber“ im Jahr 2007 bei 667 Records. Niemand geringeres als Casper, der damals bei 667 gesignt war, soll dafür den Kontakt hergestellt haben. Unter anderem Features mit Tua sorgten dafür, dass es prompt zum Mixtape des Monats in der 100. Juice- Ausgabe gewählt wurde.
Auch Moses Pelham war offensichtlich so davon angetan, dass er einen Vertrag für den zweiten Teil von „Der Kugel Schreiber“ anbot und das Mixtape dann 2008 über sein Label 3P veröffentlichte.
Es hätte der Grundstein für eine erfolgreiche Zusammenarbeit sein können, doch es kam anders. Nach nur einem Release verließ Animus das Label wieder. „Das Sabrina Setlur Album ist leider krass gefloppt…Moses meinte dann zu mir, er kann jetzt keinen Newcomer aufbauen, er hat da keinen Kopf für“. Also lag es nicht an persönlichen Differenzen zwischen den beiden, sondern an fehlenden Kapazitäten seitens 3P.

„Der Kugel Schreiber“ sollte zur Trilogie werden, doch es folgte zunächst über MySpace das Mixtape „Die Ruhe vor dem Sturm“.
Ein Jahr später war es dann soweit und der dritte Teil von „Der Kugel Schreiber“ erschien, mit namenhaften Features wie Kollegah, Curse oder Eko.
Danach wurde es etwas ruhiger und außer einzelne Videoveröffentlichungen  und das kostenlose Mixtape „Die Stimme der Stummen“ passierte nicht viel um den immer noch jungen Heidelberger.

High Heels, Glamour, Beef – Animus‘ Zeit in Berlin

2012 erschien dann noch das Mixtape „E.G.G.U.S“, welches digital veröffentlicht wurde, kurz danach sollte sich ein neuer gewaltiger Karriereschritt anbahnen.
Niemand geringeres als Fler bot Animus mit Gastauftritten auf seinen Alben „Hinter blauen Augen“ und „Blaues Blut“ eine Plattform um sich einem größeren Publikum zu präsentieren.
Kurz danach folgte der Labeldeal, sowie das „Maskulin Mixtape Vol. 3″, auf dem Animus gleich mit fünf Solotracks und weiteren Features vertreten war.
Ob es am Einfluss von Fler lag oder wirklich seiner Persönlichkeit entsprach bleibt Animus‘ Geheimnis, doch musikalisch lag der Fokus nun auf Gucci Brillen, austrainierten Muskeln und dem Glamour Lifestyle. Er selbst sagte mal sinngemäß, dass er die Marken schon immer getragen hätte, das aber nie thematisiert habe. Jetzt aber wolle er zeigen, dass er es geschafft habe und stolz darauf ist, sich all die Dinge leisten zu können. Allerdings sollte auch hier das Glück nur von kurzer Dauer sein. Es entstand zwar noch der „Maskulin Sampler Vol. 4″, auf dem Animus vertreten war, doch die Situation zwischen den beiden eskalierte soweit, dass Animus 40.000 Euro von Fler vor Gericht einforderte, ein Disstrack in Flizzys Richtung veröffentlichte und viele weitere Beleidigungen in zahlreichen Interviews, Facebookposts und Tweets ausgetauscht wurden. Zu einer Zeit in der gefühlt ganz Deutschrap, jeder Einprozenter Motorrad Club und jede Großfamilie auf Fler einprügelte stand Animus öffentlich in erster Reihe und egal wie man das beurteilen möchte oder wer im Recht war, so war die augenscheinliche Wandlung von dem Lyrics verliebten „Hip-Hop Hustler“ zu einem „Straßenrapper“, der sich immer öfters mit einem „Motorradclub“ zeigte, weiter fortgeschritten.

Kurz nach der Trennung von Maskulin, dem öffentlichen und in zahlreichen Interviews besprochenen Streit, releaste Animus am 18.04.2014 „Beastmode“ über das Independent Label Made Music. Wie Animus berichtete, sei das Album innerhalb von einem Monat geschrieben und aufgenommen worden. Trotz der großen Aufmerksamkeit durch den Streit mit Fler chartete „Beastmode“ nur auf Position 93.

Ein Jahr später erschien über Distri „Purpur“, ein durchaus überraschendes Album, weil es sehr ruhig und nachdenklich daher kam. Doch auch hier blieb der kommerzielle Erfolg weitesgehend aus. Im Gegenteil – er erntete viel Spott für die persönlicheren Songs. Vielleicht auch weil große Namen wie Bushido ihren Spaß daran hatten, Animus immer wieder negativ zu erwähnen. Sicher nicht die einfachste Phase in seiner Karriere. Er selbst sah es zu dieser Zeit als seine Pflicht an, diese verletzliche Seite von sich zu zeigen, da sie ihn als Künstler und Mensch ausmache. In einem Interview sagte er dazu: „Jeder Song stellt einen Teil meiner Seele und meiner Gefühlswelt dar“. Allerdings sagte er auch,  dass er die Songs heute nicht mehr so machen würde.

2016 dann wieder härtere Töne, die Muskelpakete schienen noch austrainierter, der Bart noch länger und bedrohlicher. Die Transformation vom nachdenklichen Typen aus „Purpur“ hin zum gnadenlosen Kämpfer auf Beastmode 2″ war optisch und musikalisch vollends vollzogen.
Vorausgegangene, mit der Kamera begleitete Hausbesuche bei Fler und die vielen Trainingsvideos sollten doch eigentlich für genug Aufmerksamkeit gesorgt haben, sodass niemand mehr einen Zweifel am „Beastmode“ haben dürfte.
Das Album chartete auf einem beachtlichen Platz 26 und wurde bis dahin zum größten Solo-Erfolg in Animus Karriere.

In Interviews bemängelte er die Entwicklung des Rap, es gehe nur noch um die Kilogramm die man auf der Hantelbank drückt, um die Jordans die man trägt und nicht mehr um die Lyrics oder Skills von einem Rapper. „Niemand kommt zu mir und fragt, wie meinst du die oder die Line“? Trotzdem veröffentlichte Animus Videos beim Trainieren oder rappte über seine Muskeln. Es könnte der Eindruck entstehen, dass man die Geister die man selbst rief oder derer man sich bedient, im nächsten Atemzug bemängelt werden.
Nach der Zeit in Berlin und dem Beef  mit Fler, sah man Mousa Amouei öfter in Manuellsens Dunstkreis, ehe es öffentlich wieder ruhiger um ihn wurde.
Nun also der Deal bei Bozz Musik, das Release von „Beastmode 3″  und vier veröffentlichte Singles auf Azads Youtube Channel. Die Singles wurden allesamt von Gorex produziert und ließen erahnen mit welchen Themen sich das Album beschäftigt. Während die ersten beiden Singles „Borderland“ und „Zwei Schüsse“ noch eher düster daherkommen und typische Straßenhymnen sind, waren die letzten beiden Singles mit „Der stärkste Mensch“ und „Mein Leben für Deins“ zwei Liebeslieder, jeweils eins für Mama und Frau. Das zeigt, dass Animus auch in Zukunft zwei Sparten bedienen möchte. Zum einen, radiotaugliche Hits, mit Motrip Hooks, zum anderen aber harte Straßenmusik. Wie die Fans das annehmen, wird sich bald zeigen. Sein Labelboss Azad hat bewiesen, dass man grundsätzlich beides machen kann. Nachdenkliche Musik und Musik für die Straße. Es bleibt abzuwarten, ob Animus einen ähnlichen Weg gehen kann und vor allem ob er nach seinem bewegten Werdegang, nun sein musikalisches und persönliches Zuhause bei Bozz Music gefunden hat.

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Orginaler Pottboi! Ich liebe das 45er Areal, doch hass‘ mich nicht. Ich komm‘ vorerst nicht zurück zu dir.

2 Comments

  1. Monika Hosseinifard

    21. Oktober 2018 at 15:53

    Salam khahesh mikonam ba man tamas begirin man madare 4 ta bache hastam dar morede peasarm bayad ba shoma harf bezanam khahesh mikonam be man komak konid

  2. strengdichetwasmehran

    8. Februar 2018 at 13:37

    lol Der Oli löscht Beiträge um sein Defizit zu kaschieren. Dickeres Fell, Oli, dickeres Fell.

Erzähl Digger, erzähl

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