Wie war das nochmal? K.I.Z (aus BACKSPIN Mag #117)

Was hat euch damals angetrieben? Ging es euch um Fame und Erfolg?
Tarek:
Anfänglich war es mir eher wichtig, dass die Leute, die ich damals als coole Rapper gesehen habe, meinen Namen kennen und wissen, was ich kann. Damals, als ich zwölf war, wollte ich unbedingt wissen, was diese Hip-Hop-Szene ist und wie man da reinkommt. Und wenn du dann irgendwann drin bist, denkst du dir: Oh mein Gott, Alter. Die sind ja alle voll hängen geblieben. Wahrscheinlich ist man es selbst auch, aber dann denkt man sich: Oh Gott, warum war mir das so wichtig? Aber es macht auch Spaß. Geld und Fame stehen da eher hinten an.

Maxim: Bei mir war das Gefühl eher so, dass ich wollte, dass die Leute mich hassen. Das war dann auch eine Art Abgrenzungsmusik, ein Bedürfnis, den Leuten zu zeigen, dass man sie nicht leiden kann.

Zu Zeiten des Kettensägen-Massakers und des „Böhse Enkelz“-Tapes gab es in der BACKSPIN- Redaktion einige, die das gefeiert und einige, die es gehasst haben. Diese beiden Reaktionen erntet ihr wahrscheinlich häufiger, oder?

Tarek: Ja, und das ist gut so. Wenn Musik nur Achselzucken hervorruft und einen kalt lässt, ist das für mich ein Zeichen dafür, dass sie Dreck ist.

Legt ihr es darauf an, so zu polarisieren?

Maxim: Das war halt einfach unser Humor, den wir im Freundeskreis und unserem Umfeld hatten und geil fanden.
Tarek: Das war damals so eine verkrampfte Zeit. Alles, was ein bisschen aus der Reihe getanzt ist und etwas Humor hatte, hat ja direkt schockiert. Das war jetzt nicht kalkuliert oder so, das war einfach sehr simpel. Es war eben raptechnisch eine sehr ernste Zeit.

Gab es bei euch, zum Beispiel in dem Moment, als ihr euren Major-Deal unterschrieben habt, die Erkenntnis, Musik auch als Job zu sehen?

Tarek: Das klingt irgendwie eklig.

Ja. Dennoch: Gab es dazu Überlegungen?

Tarek: Natürlich hast du dann einen Moment, in dem du merkst, dass du viele Fans hast. Und denen möchte man natürlich gute Musik liefern. Das Wichtigste aber ist, dass man selbst mit seiner Musik zufrieden ist. Dann sind es die Fans meist auch, und daraus ergibt sich dann dieses Business-mäßige. Aber das stand nicht im Vordergrund.
Nico: Bei mir gab es da irgendwie solche Momente, in denen man sich dachte: Okay, jetzt gehe ich gar nicht mehr arbeiten. Danach war’s so: Okay, jetzt verdienen wir sogar Geld damit. Aber es war nie so, dass wir uns deswegen gedacht haben, dass wir jetzt mehr Zeit investieren sollten als vorher. Das war ein relativ fließender Übergang.
Maxim: Das war schon geil, als man gemerkt hat: Okay, ich muss jetzt nicht mehr arbeiten. Ich kann jetzt noch mehr Zeit mit der Musik verbringen. Und dass irgendeine Sache, die dir Spaß macht, ab irgendeinem Punkt auch eine Arbeit sein kann, widerspricht der Spaß-Theorie für mich auch nicht.
DJ Craft: Für mich persönlich war es am Anfang, als wir bei Royal Bunker unterschrieben haben, noch eine Ausprobierphase. Man wusste noch nicht, in welche Richtung es gehen wird, ob es auf dem Level bleibt oder größer werden kann. Aber als Beat Gottwald unser Manager wurde und wir den Vertrag bei Universal unterschrieben und „Hahnenkampf“ rauskam und das alles auch viel mehr Zeit in Anspruch genommen hat und es wirklich ein Fulltime-Job wurde, da hat sich bei mir schon das Gefühl breitgemacht: Okay, jetzt wird es ernst. Und wenn man jetzt alles richtig macht, am Ball bleibt und gut abliefert, kann man da oben mitspielen.

 

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