Wie war das noch mal, Bodo Falk und Frank Petering, als ihr die BACKSPIN gegründet habt? (aus BACKSPIN #118)

Eine BACKSPIN-Website hat es auch schon recht früh gegeben …

Frank: Das war noch in den Kinderschuhen. Für die Zeit war die aber wahrscheinlich ganz gut

Um mal einen größeren Schritt in der Zeit nach vorne zu gehen: Ende der 2000er-Jahre musstet ihr die Notbremse ziehen. Was war da los?

Bodo: Daran kann ich mich sehr gut erinnern, da haben wir quasi unser Büro aufgegeben. Das war dieses riesige Büro in der Hafencity …

Bodo: Ja, das war ziemlich groß und schön. Jedenfalls hatte ich damals unseren größten Anzeigenkunden in Köln besucht, der war immer mit vier bis fünf Seiten pro Ausgabe dabei. Und der sagte uns dann, dass wir raus wären. Wahrscheinlich hatten die auch einfach kein Geld mehr. Kurz darauf verloren wir auch unseren zweitgrößten Kunden. Das waren zwei wirklich tiefe Einschnitte.

Frank: Ich bin dann auch wieder in die Anzeigenakquise mit eingestiegen und merkte, dass die Leute kein Geld mehr haben. Oft hieß es: „Bei der nächsten Ausgabe wieder.“ Davon kannst du aber nicht leben. Da mussten wir einen Schluss- strich ziehen. Wir konnten nicht einmal mehr die Druckkosten decken.

Bodo hatte eben schon erzählt, wie ihm die Leidenschaft abhanden gekommen war. Trotzdem: Wie schwer fiel euch diese Entscheidung, den Schlussstrich zu ziehen?

Bodo: Mich hat das Geld bedrückt, das mir da im Nacken saß. Das Heft war mir da nicht egal, aber es ging da mehr um: „Was machen wir, wie geht es weiter, wie kommen wir da raus?“ Auch mit den Leuten, die wir hatten. Wir waren zehn Jahre mit Leuten in einem Verhältnis, das verdammt eng war. Ich fand es schrecklich, den Leuten ein- zugestehen, dass das nicht weitergeht. Wir haben dann noch einen harten Kern mitgenommen, aber jedes Quartal musste wieder einer gehen. Das war ein beschissenes Gefühl. Das mit dem Heft war da erst einmal unwichtig.

Frank: Das hat schon wehgetan, aber schlimmer waren die Probleme, die danach kamen. Dass du den Leuten gegenüber eine Verantwortung hast, der du nicht gerecht werden kannst. Irgendwann war es aber auch okay. Ich kann jetzt, nach vielen Jahren, sagen, dass das alles irgendwo okay ist. Ich weine dem nicht hinterher. Ich bin stolz darauf, was wir gemacht haben. Wir hatten eine derbe Rock’n’Roll-Zeit, das war was Besonderes. Ihr führt das ja auch sehr gut weiter, das freut uns auch sehr, dass der Name erhalten bleibt. Ich bin aber nicht traurig, dass ich es nicht mehr mache. Für mich wäre es nichts mehr, ein Magazin zu machen. Das hat seine Zeit gehabt, mit Höhen und Tiefen und das ist okay.

BACKSPIN war 15 Jahre ein fester Bestandteil eures Lebens. 1994 bis 2009 …

Bodo: BACKSPIN hat für mich immer mehr be- deutet als das Magazin. Für mich ist es Frank. Wir beide. Viele kamen und gingen, aber wir sind immer noch da. Seit 1994 sind wir am Start. Wir sind sehr oft nicht gleicher Meinung, raufen uns aber immer zusammen. Das ist für mich viel wichtiger, als ob da ein Magazin gedruckt wird. Jörn, Gizmo, Brian und Dennis … Das waren geile Zeiten. Die Menschen, die dahinter standen. Da kann ich noch zig andere aufzählen. Aber diese vier Leute, Thomas vom Battle of the Year nicht zu vergessen – das sind so Sachen, die hängen bleiben. Wir haben jetzt auch fünf, sechs Jahre dafür gearbeitet, dass wir den Mist, den wir verzapft haben, wieder hinkriegen

Wie intensiv habt ihr verfolgt, wie wir das weitergemacht haben? Wir haben die Aussage ja stark reduzieren müssen, denn die Leute sind immer weniger bereit, Geld für ein Hip-Hop-Magazin auszugeben. Das ist auch der Grund, warum wir nach dieser Ausgabe #118 erst einmal auf Pause drücken werden. Aber wie habt ihr das so betrachtet, wie das weitergegangen ist?

Bodo: Ich muss ehrlich sagen, ich habe kein Magazin mehr gelesen. Vielleicht habe ich mal eins angeblättert. Das war das gleiche Feeling, wie das, was ich ein, zwei Jahre zuvor hatte: Es hat mich einfach nicht mehr interessiert. Ich fand, dass es super aussah, geiles Layout und so. Ich habe es immer wieder versucht, musste aber nach ein, zwei Zeilen abbrechen. Das Einzige, was mich noch interessiert, ist Breakdance. So ein Jugendhaus flasht mich auch immer noch, wenn sich Leute für nichts auf dem Boden herumwälzen, Graffiti sprühen oder auch auf eine Rap-Bühne gehen.

Frank: Also ich kann auch nicht sagen, dass ich noch groß gelesen habe. Das Heft schaue ich mir manchmal im Blättermodus an. Auch die Internetseite und BACKSPIN TV schaue ich. Sicherlich keine 1.000 Sendungen, aber ich klicke mich da so ein bisschen durch. Und ich muss dir sagen: „Hut ab!“ Ich weiß, dass ihr damit nicht reich werdet, aber was ihr da stemmt … Ich weiß auch, dass ihr da gute Jungs habt, die sich da was bei denken, dass Gizmo und Goran da teilweise noch am Drücker sind.

Ihr habt euren Frieden gefunden?

Frank: Ja, mit dem Magazin auf jeden Fall. Die Alternative war, dass BACKSPIN stirbt. Ihr kamt auf die Idee, es weiterzumachen und das war für uns super. Es ist schön zu sehen, was daraus wird. Es hat einmal angefangen mit: „Lass ein Magazin machen, ich kaufe einen Computer.“ Heute ist das daraus geworden, das ist super.B

Interview: Niko Hüls & Aron Morhoff| Fotos: Privat

Zu weiteren Artikeln aus BACKSPIN Mag #118  u.a mit Frost 187, Blumentopf und Ali As geht es hier

The following two tabs change content below.

Seiten: 1 2 3 4 5

Razer

1 Comment

Erzähl Digger, erzähl

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.