Wie war das noch mal, Bodo Falk und Frank Petering, als ihr die BACKSPIN gegründet habt? (aus BACKSPIN #118)

Und ihr habt das Buch „From Swipe to Storm“ herausgebracht, das noch heute nachgefragt wird. Außerdem kam es zu einer Kooperation mit dem Battle of the Year. Was hatte es damit auf sich?

Frank: Ich bin beim ersten Battle of the Year da- bei gewesen, Thomas Hergenröther kenne ich seit 1990. Die Kooperation begann Anfang der 2000er. Die haben damals einen Medienpartner gesucht. Außerdem haben wir auf den Veranstaltungen Stände gemacht.

Inzwischen hattet ihr auch Konkurrenz bekommen. Die Juice war an den Start gegangen. Und auch die Wicked war da. Hat euch das in euren Überlegungen beeinflusst?

Frank: Klar, Cover-mäßig. Wir haben anfangs nicht daran gedacht, dass ein Rapper draufkommt, der auch ein Album rausbringt. Wir hatten anfangs Sprühdosen und DJs auf dem Cover und Lord Finesse im Unterhemd. Und dann kam die Überlegung: „Was zieht die Leute? Was ist das heiße Thema?“

Bodo: Da ging bei mir die Liebe verloren. Das war mit der erste Schritt, wo es mir egaler wurde. Das war nicht mehr das Gleiche wie acht Jahre zuvor.

Frank: Es war irgendwann so, dass das BACKSPIN-Cover nicht mehr unseren eigenen Geschmack widergespiegelt hat. Es wurde immer mehr Business – arbeiten, Stress haben. Es ist zwar noch das Baby gewesen, aber die Liebe ging ein bisschen verloren.

Bodo: Ich war irgendwann mehr im Laden als im Magazin. Ich bin auch viel mehr rumgereist, Battle of the Year und so. Für mich war die Musik einfach so Blablabla, jeder hat das Gleiche gesagt.

Da brach dann endgültig die Zeit an, in der der Name BACKSPIN alleine nicht mehr so stark gezogen hat. Der Rapper auf dem Cover war wich- tiger geworden …

Bodo: Da haben wir auch einige Ideale über Bord geworfen. Wir haben in den ersten Jahren Werbung für Alkohol und Tabak abgelehnt. Und dann haben wir uns auch diesen Inserenten öffnen wollen.

Warum hat es nie eine Heftbeilage-CD gegeben?

Frank: Das konnten wir finanziell nicht wuppen.

Die hätte euch vielleicht noch mal einen Schritt nach vorne bringen können. Noch heute kommen Leute zu mir und sagen: „Yo, BACKSPIN, bestes Magazin, ihr wart viel näher an Hip-Hop, aber die Juice hatte die CD“ …

Frank: Das ist ein gutes Verkaufsargument. Ich glaube aber, dass die Juice auch einfach bessere Verkaufsmöglichkeiten hatte als wir. Wir hätten da jemanden gebraucht, der das für uns ad- ministriert, mit der GEMA, den Künstlern – die ganze Abwicklung eben. Das hätten wir nicht geschafft.

War die nicht vorhandene Heft-CD für euch im Nachhinein einer der Sargnägel?

Bodo: Das weiß ich nicht. Wir haben einfach den Trend nicht erkannt. Als wir damals ins Straucheln geraten waren, zogen wir gerade in ein größeres Büro. Wären wir einfach in dem alten geblieben, wäre vielleicht gar nichts passiert. Aber wie gesagt, wir hatten das 2001 schon ein- mal, wo Leute sagten: „Ihr müsst den und den entlassen.“ Das taten wir und danach ging es uns ja wieder relativ gut.

Zum Heft #50 gab es einen Logowechsel. Warum?

Frank: Wir haben allgemein gedacht, wir sollten mal was ändern. Wir haben das Format geändert und das Papier. Wir wollten ein moderneres Logo haben, was offener ist. Dafür haben wir uns Punker ins Boot geholt. Der hat den gesamten Heft- Relaunch mitgemacht, in unseren Räumen, das hat total Spaß gemacht. Mit uns zusammen hat er dann das Logo entwickelt und es ist so gewor- den, wie wir das wollten.

Bodo: Ich bin 2001 Vater geworden, da kamen ganz andere Sachen auf mich zu. Im Büro saßen die Jungs teilweise 14, 15 Stunden zusammen. Für mich war das irgendwann nicht mehr lustig. Irgendwann ist es halt Arbeit. Da ist die Leidenschaft mehr und mehr abhanden gekommen.

Frank: Ja, wir waren einfach eine normale Firma. Aber wir haben nie so viel darauf gegeben, dass wir da „nur“ die Chefs waren und einfach nur da- rauf schauen, was so gemacht wird. Wir hätten das wahrscheinlich so machen können, dass wir nur noch die wichtigsten Sachen lenken. Aber das taten wir nicht.

 

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Razer

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