Wie war das noch mal, Bodo Falk und Frank Petering, als ihr die BACKSPIN gegründet habt? (aus BACKSPIN #118)

Wann habt ihr eigentlich gemerkt, dass da Businessmäßig was drin sein könnte?

Bodo: Für mich war immer klar, dass das professionell laufen könnte.

Frank: Wir haben relativ schnell gemerkt, dass der Bedarf da ist. Wir hatten es schnell abverkauft. Einen Businessplan hatten wir allerdings nicht. Aber das Feedback war derbe. Und dann merkten wir, dass es auch Leute gibt, die in dem Heft Anzeigen schalten würden.

Ab Mitte der 1990er-Jahre gab es in Deutschland immer mehr Rap-Konzerte auch mit deutschen Acts. War die BACKSPIN eigentlich ein deutsches Thema?

Bodo: Ich konnte mit Deutschrap eigentlich immer wenig anfangen. Klar ist man rumgezogen mit Torch, den Heidelbergern oder Main Concept. Aber Deutschrap war für mich so ein Jam- Ding, gehört haben wir alle Ami- oder UK-Rap.

Frank: Ich habe dann mit der Zeit auch angefangen, deutsche Sachen zu hören, aber am Anfang waren wir international.

Von heute aus gesehen: War die BACKSPIN eher noch Fanzine oder schon ein Magazin?

Frank: Sie war ein Magazin. Für ein Fanzine waren wir schon einen Schritt weiter als die damaligen Fanzines. Heute wäre es natürlich ein Fanzine. Aber damals haben wir vielleicht einen neuen Standard gesetzt. Mit unseren Farbseiten und den Layouts, die für damalige Verhältnisse, denke ich, ganz gut waren, haben wir die Latte schon ein wenig nach oben gelegt.

Wie stieg die Auflage?

Frank: Anfangs haben wir alles im Eigenvertrieb gemacht. Da waren es so drei, vier, fünf bis sieben, bis zu acht und neun (Tausend, Anm. d. Red). Um die zehnte Ausgabe sind wir dann in den Pressevertrieb gegangen, zum Grosso und dann in den Bahnhofs- und Flughafenvertrieb. Die Remissionsquote (nicht verkaufte Hefte, Anm. d. Red.) war traumhaft, sodass die vom Vertrieb gesagt haben: „Das kennen wir so nicht.“

Mit Heft #10 sind wir schon im Jahr 1998 …

Bodo: Da hatten wir auch schon Angestellte.

Frank: Die erste Angestellte war Solly. Die hat damals noch in meiner Wohnung im Arbeitszimmer mit gesessen und Anzeigenakquise gemacht. Außerdem hatten wir noch freie Leute, die für uns geschrieben haben. Viel haben wir natürlich auch selbst gemacht. Da hatte ich schon eine eigene Wohnung, gestartet waren wir damals in der Wohnung meiner Mutter. Bodo wohnte da noch bei Pit (späterer Gründer von Cleptomanicx, Anm. d. Red.)

Bodo: … und unser Lager hatten wir irgendwie über Jozo (Betreiber von Da Source, Anm. d. Red.) bekommen.

Frank: Und irgendwann hieß es dann: Wir mieten uns ein Büro. Das hatte so 70 Quadratmeter.

Mit einem Büro und einer Angestellten wuchs auch die Verantwortung. Dazu die steigende Au age. Wie fühlte sich das für euch an?

Frank: Die Verantwortung wurde um einiges höher, ja. Mit unserem Büro wurde alles mit großen Schritten schneller. Dazu bekamen wir immer mehr Werbung. Es gab sogar mal den Moment, in dem wir sagten: keine weiteren Anzeigen mehr, wir sind dicht! Unvorstellbar eigentlich.

Bodo: Da war Printwerbung das Ding. Was anderes gab es nicht. Zielgruppentechnisch waren wir da natürlich genau richtig. Und irgendwann kam dann die große Blase.

 

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