Wie war das noch mal, Bodo Falk und Frank Petering, als ihr die BACKSPIN gegründet habt? (aus BACKSPIN #118)

Bodo: Die Idee kam, weil ich ja schon bei der „Make It Better“ war (ein Schweizer Hip-Hop- Magazin, Anm. d. Red.). Als ich dann meinen Zivildienst in Hamburg antrat, konnte ich jedoch nicht mehr so oft in der Schweiz sein. So kam der Gedanke, ein eigenes Magazin machen zu wollen. Dann haben wir uns, ich glaube Silvester 1993 oder 1992, getroffen.

Frank: Wir dachten damals kurz darüber nach, die „Make It Better“ zu übernehmen, entschieden uns aber doch, etwas Eigenes zu machen. Bodo hatte die Erfahrung, bei einem Magazin gearbeitet zu haben, er hatte die Kontakte, war viel rumgereist und wusste, wo es verkauft wer- den könnte. Damals bedeutete das: Magazine in den Rucksack, ab in die Bahn und durch die Städte fahren und gewisse Läden oder Jams ansteuern.

Das Internet gab es damals so noch nicht. Wie ist die BACKSPIN überhaupt in der Szene bekannt geworden?

Frank: Wenn etwas neu war, verbreitete sich das wie ein Lauffeuer. Es dauerte nicht lange, da haben wir aus aller Welt Post bekommen. Wir haben das Heft ja auch irgendwann überall vertrieben. Wenn ich in Philadelphia oder New York in einen Laden gegangen bin, stand da die BACKSPIN. Ausgabe 1 zwar noch nicht, aber danach ging das alles sehr schnell. Insgesamt sind wir da aber relativ blauäugig rangegangen. Bodo konnte eben den Part sehr gut abdecken und ich war seit Mitte der 1980er-Jahre in der Graffiti-Szene und hatte Lust, mit dem Computer zu gestalten. Ich komme noch aus der Amiga-Zeit und hatte noch nicht mal einen Rechner oder ein Programm dafür.

Bodo: Die Mutter von Zora (eine Schweizer Writerin und Rapperin, Anm. d. Red.) hatte damals eine Werbeagentur. Ich glaube nicht, dass von uns damals irgendjemand wusste, wie das geht. Frank: Ich habe gesagt: Okay, Grafik übernehme ich und habe mir dann erst einmal CorelDraw 3 gekauft … (beide lachen). Bei Media Markt für 99 Mark. Einen PC hatten wir nicht. Der sollte erst noch kommen, wenn das Geld dafür da wäre … (lacht). Aber wir hatten schon eine Besprechung bei einer Druckerei und einer Druck-Agentur. Wir haben dann ziemlich schnell die erste Ausgabe gemacht, merkten aber auch, dass CorelDraw das gar nicht kann. Wir sind da also komplette Autodidakten. Für das Seitenlayout habe ich mir alles angelesen. So kam ich auf das Programm Pitchmaker. Die erste Ausgabe haben wir dann wirklich bei mir im Kinderzimmer zusammengeschrubbt.

Könnt ihr euch erinnern, wie ihr die Autoren für die erste Ausgabe aufgetan habt?

Frank: Ja, alleine schon durch die Graffiti-Bilder.

Bodo: Wir waren fast das erste Magazin, das mehrere Farbseiten hatte.

Frank: Die farbigen Seiten kamen auch gar nicht von hier, die haben wir in Malaysia machen las- sen. Überhaupt, ein eigener Scanner und so – das war alles noch Zukunftsmusik! Anfangs hatte ich einen PC, das wurde relativ schnell auf Mac umgestellt, mit 15-Zoll-Monitor. Wir hatten eine Festplatte mit 250 MB und einen Arbeitsspeicher von 16 MB. Damals war ich aber echt der König.

Warum war eigentlich eine Spraydose auf dem Cover von Ausgabe 1?

Frank: Wir haben uns keine Gedanken gemacht über eine Coverstory und nahmen einfach eine Spraydose. Eine Geschichte dazu im Heft gab es nicht. Das haben wir erst ab Ausgabe 3 bei Ma- rius gemacht. Wir wollten da die vier Elemente abdecken in den ersten Ausgaben, weil wir uns nicht als Graffitimagazin, sondern als Hip-Hop- Magazin gesehen haben und die vier Elemente irgendwie rotieren lassen wollten.

Bodo: Komischerweise kamen die Rapper erst zum Schluss.

 

Seiten: 1 2 3 4 5

1 Comment

  1. BOMBER/Helge W. Steinmann

    22. November 2018 at 13:01

    Hahaha, ich erinnere mich noch gut. Später war es fast nur noch Rap und wenig Stylewriting. Heute spielen Tags bei backspin.de ja eine ganz andere Rolle … lol.

Erzähl Digger, erzähl

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.