Sampha schaut Videos von Tua, Rin, Haiyti und mehr

sampha

In unserem Format „What about Deutschrap!?“ zeigen wir internationalen Künstlern Musikvideos aus dem deutschsprachigen Raum und fangen ihre ersten Eindrücke ein. Zuletzt präsentierten wir LogicDope D.O.D. und Tinie Tempah die Musik aus unserer lokalen Szene.

 

What about Deutschrap, Sampha!?

Mit seiner Mischung aus HipHop-Rhythmen mit elektronischen Elementen und Soul-Versatzstücken ist Sänger, Songwriter und Producer Sampha aus London anfangs nur ein Geheimtipp unter Musiknerds gewesen, doch auf Zusammenarbeiten mit Kritikerlieblingen wie SBTRKT oder Jessie Ware zusammen. Stück um Stück und über zwei EPs im Jahre 2010 („Sundanza“) und 2013 („Dual“) machte sich der zurückhaltende und leise sprechende Gefühlsmusiker auf, sich über einen Umweg ruhig und auf leisen Pfoten an die Gruppe der Spitzenmusiker ranzutasten. Mittlerweile steht auf der Habenseite nicht nur ein Feature auf Drakes dritten Album „Nothing Was The Same“, sondern auch ein eigenes Album namens “Process“, das viel mehr als nur eine Bestandsaufnahme, sondern viel mehr einer der aufwühlendsten leisen Schreie ist, die das Jahr 2017 bis jetzt zu bieten hat. Wie selbstverständlich mit dabei: Kanye West. Wir haben uns mit dem Briten getroffen und ihm gezeigt, was die deutsche Konkurrenz so treibt und er hat es geduldig mitgemacht. In der Ruhe liegt die Kraft.

Video #1: Tua – „Pygmali0n“

 

Hört sich ziemlich reflektierend an. Du kriegst das Gefühl einer sehr einsamen Person. Schon auch romantisch. Es sieht aus, als wäre der Typ am Rande von irgendetwas. Scheint eine ziemlich schwierige Zeit in jemandes Leben zu sein. Ein sehr starkes Gefühl zwischen Trost und Einsamkeit. Das Video funktioniert auf jeden Fall mit der Musik zusammen und es ist ziemlich interessant.

Video #2: Die Orsons – „Lagerhalle“

 

Hört sich wie eine Mischung aus verschiedenen Genres an. Da ist Garage, Rap und anderes dabei. Das Video ist auf jeden Fall super. Da sind eine Menge Symbole. Alles sehr visuell. Dieser Tua hat auf jeden Fall eine sehr zurückhaltende Stimme, aber sie ist sanft. Er ist kein Gospel-Sänger und übertreibt nicht. Da sind auch gar keine so starken Effekte auf seiner Stimme. Die braucht er gar nicht unbedingt. Es ist ziemlich gut aufgenommen und auch tolle Arbeit mit dem Kompressor. Du hast ja gesagt, dass er auch Producer ist und das merkt man schon. Müsste man mal live sehen, um das genauer sagen zu können.

Seine Gesangsparts sind auf jeden Fall nicht unumstritten und viele hören ihn lieber rappend.

Rappend kann ich ihn mir gar nicht so richtig vorstellen, da ist seine Stimme ja sicherlich anders. Aber manchmal braucht es auch einfach eine gewisse Zeit, bis Leute sich an etwas gewöhnen. So war es auch bei André 3000, als er damit angefangen hat. Da haben die Leute auch gefragt, warum er singt und wollten, dass er einfach rappt. Aber ehrlich gesagt liebe ich ihn singend.

Video #3: Ace Tee feat. Kwam E – „Bist du down?“

 

Ich mag die Musik beziehungsweise den Beat. Wenn die Musik nicht wäre, könnte es ein normales Pop-Video sein, aber so funktioniert es. Ich mag auch wie der Typ die Melodie miteinbezieht. Das funktioniert eben auch 2017, weil viele Leute so einen Sound auch einfach noch gar nicht kennen. Musik ist eh zyklisch und kommt in verschiedenen Formen wieder zurück. Es ist wirklich selten, dass Musik kommt, die klingt wie nichts anderes zuvor. Mit dem Vibe könnte das auch in den USA funktionieren. Klingt so ein bisschen nach Joey Bada$$.

Kannst du dir vorstellen, warum das auch international Anklang findet?

Ja, auf jeden Fall. Sie haben halt auch das Fashion-Element am Start und mit dem visuellen können sich Leute identifizieren. Es geht auch gar nicht so sehr um die Sprache. Ich hab eine Weile gebraucht, bis ich realisiert habe, dass sie auf Deutsch singt. Es geht eben mehr um den Vibe. Bei viel Pop-Musik, die ich höre, achte ich eh mehr auf die Musik und schenke den Worten nicht so viel Beachtung. Manchmal höre ich dann hin und mir fällt auf, dass der Text sogar auch sehr gut ist. Ich höre aber erst hin, wenn mir die Musik gefällt. Music first, Lyrics second.

Video #4: Rin – „Ich will dass du mich brauchst“

Das Video ist zwar bildlich sehr explizit, aber trotzdem kunstvoll. Wie Fragmente. Eine interessante Produktion auf jeden Fall. Es fühlt sich auf jeden Fall ernst an. Du sagtest, er wiederholt das oft und vernuschelt es? Manchmal braucht es halt gar keinen so guten Text, sondern es geht um das Gefühl und die Ästhetik. Und das funktioniert hier. Und auch lyrisch kann das Wiederholen ja interessant sein. Es ist sehr wirkungsvoll mit der Sexszene und dem Weinen. Sehr kraftvolle Szene. Wenn ich das im Fernsehen sehen würde, würde ich wahrscheinlich wissen wollen, wer der Typ ist. Und warum er angekettet ist (lacht).

Video #5: Haiyti – „Angst“

Fühlt sich wie einer der Songs an, wo es einen großen Unterschied machen würde, wenn ich verstehen würde, wovon sie spricht. Es ist eine verrückte Mischung aus Punk und vielleicht sogar European irgendwas. Ich weiß nicht mal, wie man das nennt. Ich finde sie nicht besonders greifbar und sie ist sehr interessant, aber hier müsste man echt wissen, worüber sie redet. Ich mag ihren Style, also ihre Klamotten. Sieht sehr durchdacht aus. Es geht um Angst und zu viel trinken? Und Liebe? Fast schon so ein bisschen wie bei The Weeknd. Diese Seite des Lebens ist ja eigentlich romantisch, aber es wird nicht so verpackt. Regt auf jeden Fall zum Nachdenken an.

Video #6: Love Hotel Band (Yung Hurn) – „Diamant“

 

Also das fühlt sich auf jeden Fall nach Parodie an – das Auftreten, der Schnurrbart. Aber es ist trotzdem ein guter Song. Die Snare ist wirklich schön. Es erinnert mich ein bisschen an Tyler, The Creator. Sein Song „Find Your Wings“ ist ganz ähnlich. Das ist auch ein guter Song, obwohl es nicht so richtig ernst gemeint ist. Er wirkt wie ein Mensch, der verschiedene Arten hat, um sich auszudrücken. Es ist immerhin offensichtlich, dass es nicht so ganz ernst gemeint ist. Viel interessanter finde ich aber, dass du mir auch ein altes Video hättest zeigen können. Aus der Zeit, wo Leute so etwas ernst gemeint haben und die lustige Seite gar nicht gesehen haben. Es ist sogar ein bisschen wie im Hip-Hop. In den 80ern musstest du auffällig aussehen uns es gab teilweise dieses theatralische Element. Das war auch nicht lustig gemeint, sondern es war tatsächlich cool. Ich denke dann immer, ob sie eigentlich geahnt haben, wie lustig der Look eigentlich war.

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Schlägt bei FIFA entweder den Gegner oder den Tisch kaputt und findet nicht, dass Kollegah wie Rakim rappt.

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