Weekend „Für immer Wochenende“ (Review)

weekend-fuer-immer-wochenende-cover-505„Die zweite Platte soll am schwersten sein. Als wäre die erste leicht.“ Nun, auch wenn aller Anfang bekanntlich alles andere als einfach ist, war Weekends Debütalbum „Am Wochenende Rapper“ durchaus erfolgreich. Mit der Top-10-Platzierung wusste der Rapper aus Gelsenkirchen fernab von Battles musikalisch zu überzeugen. Nun wird es Zeit für die nächste LP, welche den logischen nächsten Schritt zum Vollzeitrapper ermöglichen soll und passender Weise auf den Namen „Für immer Wochenende“ hört.

Hat man etwas erst einmal lieben gelernt, will man es so schnell nicht wieder loswerden. Man kennt das. Bereits „Flucht nach vorne“, dem ersten Song auf dem Album, merkt man dies deutlich an. Zuversichtlich Töne lassen vermuten, wohin die Reise geht: „Keine Ahnung, was dagegen spricht. Ich denk, das alles wird schon laufen. Weswegen nicht?“ Da kommt es nicht gerade überraschend, als Weekend im darauffolgenden Track verlautet: „Ab heute streichen wir am Wochenende weg. Ich bin Rapper.“

Wer auf den insgesamt 14 Anspielstationen auf große politische Themen hofft, ist definitiv fehl am Platz. Auch Herzschmerz oder ausschweifende Melancholie sucht man vergebens. Doch das zeichnet Weekends Musik auch gar nicht aus. Während auf „Sonnenbrand“ die eigene Laufbahn Revue passieren gelassen wird, ohne dabei die vielfach durchkaute „Früher war alles besser“-Mentalität an den Tag zu legen, schnappt er sich auf „Helene“ Label-Kollege Kaas, um ein wenig fiktionales Storytelling mit (natürlich) Moral von der Geschicht zum Besten zu geben. Na, wenn das nicht mal passt. Seine Stärke ausleben tut Weekend allerdings dann, wenn er einen Hauch sarkastisch verpackte Gesellschaftskritik durchkommen lässt – sei es auf „Happy Birthday“, wenn all jene Geburtstagsbesuche aufs Korn genommen werden, auf die wir ja eigentlich so gar keine Lust haben, oder auf „Alles Meins“, bei dem der uns allen bekannte und selbsternannte Trendsetter ins Visier genommen wird. Auch „20 Uhr 15“ mit wie von ihnen gewohnt zum Schmunzeln anregenden Gastbeiträgen von Edgar Wasser und 3Plusss darf hier nicht außer Acht gelassen werden, welcher mit zuvor erwähnten Songs als Anspieltipp der Platte genannt werden darf.

Das Rad erfindet Weekend vielleicht nicht neu. Allerdings fallen Tracks und Produktionen auf „Für immer Wochenende“ sehr viel runder als auf seinem Vorgänger aus. Die Features sind nicht willkürlich sondern thematisch passend gewählt und bereichern die LP, ohne jedoch die Funktion eines Lückenfüllers zu übernehmen. Somit kann man durchaus von einer gelungenen Fortsetzung zum Debüt sprechen, bei der sich Weekend treu bleibt, ohne in wilde Experimente abzudriften.

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Seit seinem Praktikum 2014 neben dem Studium der Medienwissenschaft für die BACKSPIN als Autor tätig, seit 2000 bereits von der Marshall Mathers-LP auf Ewig verdammter Hip-Hop-"Stan".
Hanfosan

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