Wasi: „Ich für meinen Teil würde mir ein neues Massive Töne Album wünschen.“

Es ist wahr! Ja, Wasi ist zurück! Das Gründungsmitglied der Massiven Töne kommt mit einem eindrucksvollen Lebenszeichen. Duan Wasi hat verschollene Instrumentals von alten Disketten und Festplatten ausgekramt, auf Band überspielt und wird diese auf einem „Lost Beats“-Album präsentieren. Die Platte mit etwa 20 Jahre alten Beatskizzen, welche damals nicht auf Klassikern wie „Kopfnicker“ oder „Rolle mit Hip Hop“ erschienen sind, wird auf 500 Schallplatten limitiert sein. Es gibt waschechten SP1200 Wasi-Sound, Boombap-Sample-Kunst zum Kopfnicken. Dieses Release ist ein wahrer Segen für alle Hip-Hop-Heads, Nostalgiker und Beatmaker mit Zeitreise-Affinität. Für uns Anlass Genug, ein Gespräch mit Wasi zu führen. Darin sprechen wir über den Gedanken hinter „Lost Beats“, das Verhältnis zu den anderen ehemaligen Massiven Tönen, die Zeit nach der Trennung und natürlich auch über die Spring Games.

 

Woher kam die Idee das „Lost Beats“-Album herauszubringen?

Wasi: „Die Idee kam von Basti (vinyl digital), der irgendwo unsere Session mit DJ Crypt mitverfolgt hat und dann ausgetickt ist, als er Teile davon geschickt bekommen hat.“

Kam dir nicht der Gedanke, die Beats für andere Künstler zu verwenden?

Wasi: „Es existieren Aufnahmen bei denen sich unterschiedliche Künstler auf einigen Skizzen, die nun auf ‚Lost Beats‘ erscheinen, versucht haben. Oftmals hat mich das Resultat nicht geschickt oder die Künstler haben sich letzten Endes für andere Instrumentals entschieden. Auf dem Album sind aber auch Titel, die nicht auf das ‚Rolle mit Hip Hop‘ Album oder ‚Kopfnicker‘ gekommen sind. Welche Gründe das waren, weiß ich nicht mehr. Sind ja auch schon einige Jahre ins Land gezogen…“

Wenn du dir einen Wunschrapper aussuchen könntest, der auf dem Album rappt – welcher wäre das?

Wasi: „Meine Vorstellungen sind da vielleicht etwas eigen, deshalb kann ich dir dazu keine konkrete Antwort geben. Ab dem Zeitpunkt einer Veröffentlichung hat man nicht mehr wirklich Einfluss darauf, wer über die Beats geht. Ich persönlich freue mich gerade darüber, dass die Teile auch nach so langer Zeit Anklang finden. Aber um eine Teilantwort auf deine Frage zu liefern kann dir sagen wen ich momentan abfeier. Als erstes fallen mir Noveliss von CSF und L.A.S. von CSF ein, Toine (DTMD), Faktiss und/oder Spazz von Set & Match. Aus Deutschland: Joe Space (cota) und Scarf, Doz9, BAF feier ich gerade heftigst. Natürlich Galv (absoluter Ausnahmekünstler). Said auf jeden Fall auch! MoTrip und nicht zu vergessen: Lakmann. Es sind nicht all zu viele.“

In welchem Umfang und wie regelmäßig produzierst du zurzeit noch?

Wasi: „Ich spiele momentan eigentlich nur meine alten Disketten und Festplatten raus. Da hat sich in den letzten 20 Jahren einiges angehäuft. Manches ist im Laufe der Zeit zerstört oder verloren gegangen, aber viele Daten und Projekte sind nach wie vor vollständig oder wiederhergestellt. Ich denke erst danach mache ich mir Gedanken darüber, ob und in welchen Umfang ich meine Zeit dafür aufwende, neue Sachen zu produzieren. Ist am Ende eine Frage der Laune.“

Wie sieht der Kontakt mit Ju, Schowi und DJ 5ter Ton aus? Besteht die Möglichkeit, dass ihr nochmal zusammen Musik macht?

Wasi: „Zu Schowi habe ich relativ oft Kontakt. Wir sind gut befreundet und tauschen uns regelmäßig aus. Ich habe ihn letztens interviewt für die Kolchose-Doku, an der ich seit 2012 arbeite. Zu Alex sowiso, wir sind ja schließlich zusammen aufgewachsen und haben eine gemeinsame Vergangenheit, durch die das Projekt Massive Töne erst richtig beginnen konnte. Auch das Verhältnis zu Ju ist mittlerweile positiv und respektvoll. Das war nicht immer so. Im Grunde jedoch kann ich mir und soweit ich das beurteilen kann, geht es den Massiven ähnlich, nicht vorstellen wieder gemeinsam was zu machen. Dazu gehören viele Schritte, die, ob nun persönlich oder in rein professioneller Hinsicht, einfach nicht gegangen worden sind. Hinzu kommt, dass wir uns alle, neben der geografischen Distanz, mittlerweile in unterschiedlichen Lebenswelten bewegen. Das macht das ganze sehr unwahrscheinlich. Was mich auch ein bisschen stört ist diese Frage. Sie wird mir immer wieder gestellt. Massive Töne brauchen Wasi nicht um erfolgreich zu sein und umgekehrt ist es genauso. Ich für meinen Teil würde mir ein neues Massive Töne Album wünschen. Die Jungs habens drauf Punkt!“

Als du die Massiven Töne damals verlassen hast, hieß es, dass du einen anderen Weg einschlagen wolltest. Wie sah dieser aus und inwiefern haben sich deine Vorstellungen erfüllt?

Wasi: „Ich glaube mich zu entsinnen, dass dies die offizielle Stellungnahme seitens der Massiven war. So haben wir das damals auch behandelt. Wir alle hatten gemeinsam beschlossen aus der Trennung keine öffentliche Schlammschlacht in den Medien zu veranstalten. Für mich war klar, ich brauche einen Exit. Nicht nur deshalb, weil ich mich schwer getan habe mit den Schlegels und Bokelbergs der damaligen Musikmedien, lustige Ratespielchen auf VIVA zu spielen. Es ging um einen richtigen Exit. Die Zeit in der Weltgeschichte herumzutingeln konnte ich mir leisten, also war ich einige Jahre mit dem Rucksack und einer Gruppe von Fallschirmfreaks auf den Dropzones dieser Erde unterwegs. Auch darin sehr erfolgreich, möchte ich behaupten: in Ravenna landete ich auf einem Pfirsichfeld, in Locarno im Lago Maggiore, wo ich fast ertrunken wäre. Eine sehr inspirierende Zeit. Richtig runter gekommen bin ich jedoch erst in Berlin. Unter all den Software-Nerds vom ccc im Höhrsaal, habe ich mich gefühlt wie ein Einzeller. Im Gegensatz zu vielen anderen Mitstreitern von damals, bestand mein Tagesablauf in Berlin größtenteils darin, Rechenformeln, Algorithmen und Softwarearchitekturen zu pauken. Ich wollte diesen Abschluss. Nach 3 Jahren hatte ich alle Scheine, um endlich wieder einem „anständigen“ Beruf nachzugehen. Als unterbezahlter „Grieche“ aus Schwaben habe ich unter den gnadenlos unterbezahlten Spaniern und Portugiesen in der Berliner Start-up-Szene jedoch viele neue Freunde gefunden. Die Tatsache, selbst Programme schreiben zu können und ein tiefes Verständnis dafür zu bekommen, wie z.B. Musiksoftware funktioniert, hat letzten Endes meine Herangehensweise verändert, Musik zu machen (klingt profan, ist aber irgendwie doch so). Dass ich mich wieder einige Jahre später in der Medienkunst finde, hätte ich Ende der 90er sowieso nicht gedacht.“

Wie kam die Idee zu den „Spring Games“?

Wasi: „Beim Zocken auf der Steinplatte in der Heidelberger Altstadt. Wir wollten ein Turnier machen. Alle Dudes einladen zu‘ ner freshen Party, BBQ dazu, Soundsysteme. Ich hab alle angerufen und gefragt, ob sie lieber Tischtennis spielen wollen oder Auftreten. Die meisten wollten Tischtennis spielen. Das war die Geburtsstunde der Spring Games.“

Wie zufrieden bist du mit der Entwicklung des Events?

Wasi: „Das Konzept funktioniert hervorragend. Als eine Art Hybrid mit den Parts Tischtennisturnier, Beatsets und Liveacts in Rotation sind die SPG’s als Festival etwas Neues, Einzigartiges in Deutschland. Wir sind selbst passionierte Steinplattenspieler. Unsere Besucher wissen mittlerweile, dass wir uns nicht nur einbilden, Ahnung von Musik zu haben. Wir legen großen Wert darauf nur ausgesuchte Underground Acts zu buchen, die wir selber feiern. Auf den Spring Games spielen keine Headliner nur um die Besucherzahlen zu erhöhen. Jeder Act, der bisher auf den Spring Games gespielt hat, wie unbekannt er auch sein mag, war sehr genau ausgesucht. Hinzu kommt, dass wir ausgezeichnet mit der Stadt Heidelberg zusammenarbeiten. Das Rathaus schätzt unsere Arbeit und erkennt den Nutzen darin, Kreative wie uns einfach mal machen zu lassen. Auch das ist in Deutschland oft eine Seltenheit.“

Wie sehen die Pläne für die Zukunft diesbezüglich aus?

Wasi: „Wir sind gerade dabei das Ganze weiter zu professionalisieren. Die Organisation eines Festivals ist keine einfache Sache. Es gibt zig Abhängigkeiten, die verrutschen und das ganze gegen die Wand fahren lassen können. Selbst wenn du alles richtig machst kann dir am Ende das Wetter trotzdem ein Strich durch die Rechnung machen. Das sehen wir ja gerade an zahlreichen anderen Festivals. Das Feedback, das wir aus der Szene und von den Besuchern bekommen, ist großartig. Es hat sich herumgesprochen, dass wir sehr exklusiv sind und mittlerweile bekommen wir viele Anfragen von Acts, die auf den SPG’s spielen wollen. Im Vergleich zu vielen anderen Festivals, die erst groß angekündigt werden und kurze Zeit später wieder verschwinden, schaffen wir es jedes Jahr ein bisschen besser zu werden. Vielleicht auch deshalb, weil wir strategisch eher auf Konsolidierung ausgerichtet sich, als den großen Wurf machen zu wollen.“

Arbeitest du zur Zeit an neuen musikalischen Projekten? Viele Stimmen würden sich ein neues Rap-Album von dir wünschen.

Wasi: „Es gibt Ideen, die gerade aufkommen, von und mit einigen Künstlern was zu machen. Ist aber sehr neu alles und nicht in einer Phase, in der man darüber sprechen sollte. Allerdings geht es dabei nur um Beats auf Produktionsebene. Ein Rap-Album möchte ich nicht kategorisch ausschließen, doch zum jetzigen Zeitpunkt gibt es dafür keine konkreten Pläne.“

Duan Wasi – Lost Beats auf Vinyl (nur 500 Platten!)

Duan Wasi – Lost Beats auf Vinyl (nur 500 Platten!)

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Moin, ich bin Freddy aus der besten Vorstadt Berlins: Bernau. Rapliebhaber, Fussballfanatiker, Sneakerfreak. Immer unterwegs durch die weitläufige Medienlandschaft. Jetzt bei BACKSPIN. #WKM$N$HG?

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