„Der neue Captain im Boot“: Was du über OG Keemo wissen solltest

Letzte Woche wurde ich gefragt, ob ich einen Artikel über OG Keemo schreiben will. Ehrlicherweise ist er bis dato außerhalb meiner Wahrnehmung geblieben. Also habe ich mir die wenigen Videoauskopplungen angeschaut und chronologisch mit „Rigor Mortis“ begonnen. Das Video geht los und er betritt einen Kiosk. Soweit alles normal. Doch dann fängt er an zu Rappen und ich bin sofort geflasht. Es ist zeitgemäß und dennoch was komplett eigenes. Diese tiefe Stimme, die perfekt mit dem Beat harmoniert, die Art seine Geschichte zu erzählen. Ich habe das Gefühl, dass auch ohne Video ein Film vor meinen Augen abläuft und er mich mit in die Straßen Mannheims nimmt. Keemo erzählt zwar auch von den üblichen Straßengeschichten, doch bei ihm habe ich das Gefühl, dass er das Herz auf der Zunge trägt und nehme ihm jedes Wort ab.

Doch wer ist dieser Typ, der auf einmal mit einer EP am Start ist und noch nebenbei die Flex FM Cypher zerlegt? Dieser Frage können wir nur mit Blick auf sein künstlerisches Schaffen auf den Grund gehen. Privates teilt er mit seinem 1.800 Facebookfollowern jedenfalls nicht. Anhand der Soundcloudseite seiner Gang Zonkeymobb, deren weitere Mitglieder Biño, Funkvater Frank, Inu und Mo sind, kann man zwar vermuten, dass er 1993 geboren wurde, aber viel mehr ist da nicht zu holen. Ansonsten lässt er eher seine Musik für sich sprechen und diese ist ausgesprochen aussagekräftig. Dabei umgibt er sich mit einem festen Team, welches genau weiß, was es tut: Für die Beats ist Funkvater Frank zuständig, der sich manchmal von Cycris Visyl Unterstützung holt und alte Samples mit 808 Drums kombiniert. Diese Musikstücke richtig in Szene zu setzen weiß das Heidelberger Videoteam Breitband, die darauf verzichten, OG in Tiefgaragen oder nur mit dicken Gelbündeln in der Hand vor die Kamera zu stellen. Sie verbinden lieber eine wunderbare Optik mit einer Geschichte, die sie erzählen möchten. Paradebeispiel dafür sind die beiden Veröffentlichungen „Kobe“ und „Pen“, welche in einem Abstand von 3 Wochen erschienen sind. Hier werden zwei Videos miteinander verknüpft, was bei mir folgende Fragen aufwirft: „Wer ist der Kerl neben dem Bus mit dem verpixelten Gesicht? Wen ruft der vermeintliche Rapper in Häftlingsklamotten unter der Nummer „666“ an? Und warum wird er von Frank erschossen?“ Der zweite Kurzfilm bringt dann endlich Licht ins Dunkle und erzählt quasi die Parallelgeschichte zum Ersten und man erfährt wer unter dem verpixelten Gesicht steckt und versteht endlich den Sinn des vorherigen Videos.

Dass viel Potential in OG Keemo und seinem Umfeld steckt, haben nicht nur wir erkannt. Denn Chimperator hat das junge Talent kurzerhand samt Produzent unter Vertrag genommen und seine EP „Neptun“ herausgebracht. Zugegeben – im ersten Moment hat mich dieses Signing überrascht, ist das Stuttgarter Label doch bisher nicht dafür bekannt gewesen, Straßenrap an den Mann zu bringen. Zwar hat sich Tua mit „Grau“ schon Themen wie Drogenproblemen, sich mit harten Leuten umgeben und mit dem Gesetz in Konlikt stehen gewidmet. Doch ist dies eher retrospektivisch und negativer behaftet gewesen, während OG nicht gerade das Gefühl vermittelt, mit dem Erzählten in seinen Songs ein Problem zu haben, geschweige denn da rauskommen zu wollen. Dabei zeigt er uns, wie gut sich 808 Drums mit gehaltvollen Texten und einer guten Technik vereinen lassen. Die Sinnhaftigkeit dieses Labeldeals hat sich mir dann doch erschlossen: Denn was haben Cro, Die Orsons, Weekend und Keemo gemeinsam? Sie alle kommen mit einer Vision und eigenen Leuten, mit denen sie gemeinsam die Beats und Videos kreiren, sodass sich Chimperator nur noch um die Vermarktung kümmern muss. Nun genug der vielen Worte. Ich hör mir jetzt noch einmal „Neptun“ an, was ich auch euch nur wärmstens ans Herz legen kann.

Hier geht’s zur EP.

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