“I’m just asking please to be heard now.” – Was du über Little Simz wissen solltest

Dass Frauen im Rapgame ganz und gar nicht Fehl am Platz sind, hat uns vor Jahren bereits Lauryn Hill bewiesen. Trotzdem wird die Szene häufig immer noch als Männer-Domäne abgetan. Ein großer Fehler! Das versuchen wir euch durch eine kleine Vorstellungsrunde weiblicher Künstlerinnen nahezubringen. Wer sie sind und was sie machen, zeigen wir euch in regelmäßigen Abständen auf und versuchen damit den ein oder anderen Musik-Kosmos zu erweitern. 

Worum sie die Hörerschaft in Deutschland noch bitten muss, haben die Größen der Szene schon vor Jahren getan. Bereits 2013 wurde ihr zweites Mixtape „Blank Canvas“ von Jay Z auf seinem Life + Times Blog erwähnt. Andre3000 überzeugte sich im selben Jahr in London von ihren Live-Skills und  Kendrick Lamar sprach vergangenes Jahr von „the illest doing it right now“ und vergleichte sie im selben Atemzug mit ihrem Vorbild Lauryn Hill. Erste Bekanntheit gewann die Britin als „Vicky“ in der Kinderserie „Spirit Warriors“. Die Rolle der Vicky gab sie bereits nach wenigen Folgen wieder ab, die der Kämpferin behält sie bis heute und verkörpert sie jetzt als Musikerin. Little Simz ein konkretes Genre zu verpassen fällt schwer. Häufig eingeordnet als Grime-Musikerin, sollte die Schublade, in die man sie steckt, definitiv einen großen Spalt weit offen gelassen werden. Wenn das Produzieren nicht Szene-Größen wie Rascal oder Predzident Jeff  übernehmen, produziert die 23-jährige selbst und beweist damit neben trappigen Hip-Hop Beats einen gekonnten Umgang mit klassischen Jazz/- und Soul-Klängen. Wie man ihrer Musik im Idelfall begegnet sollte, beantwortet sie in einem Interview auf medium.com, indem sie sagt: „You can listen to a record however it makes sense to you. That’s just how it makes sense to me. But it’s now in the hands of the people, and it’s art. Art can be changed.“

Mit Lines wie „And Luther King´s soul is still patiently waiting for his dreams to come true“ schafft sie es, durch Vergangenheitsbezug auf aktuelle Missstände aufmerksam zu machen. Verpackt wird das Ganze in sauberen und rasant gerappten Parts voller Flow. Der entscheidende Unterschied zum Vorbild „Alice im Wunderland“ liegt bei ihrem aktuellen Album „Stillness in Wonderland“ darin, eben nicht wie die Protagonistin der Story in eine Parallelwelt zu flüchten, sondern Missstände aufzudecken und sie zu lösen. Durch diese Strukturiertheit und Gabe komplexe Sachverhalte in lyrisch hochwertige Texte zu verpacken, schafft sie es, an Größen wie Kate Tempest zu erinnern. 

„My imperfection has made me who I plan to be“. Die Imperfektion, von der die in London geborene Künstlerin allzu häufig in Interviews redet, sucht man in ihren Parts vergeblich. Schon auf ihren ersten Releases mit zarten 19 Jahren, scheinen ihre Rap-Skills on point. Fähigkeiten, die sie jüngst im Berliner Format „Colors“ unter Beweis stellen konnte. Mit einem Mikrofon ausgestattet begibt sie sich in die Rolle der Erzählerin und rappt mit Herz und Seele über den „Backseat“-Beat von Astronote


Little Simz hat bereits im Alter von neun Jahren angefangen Musik zu machen und vielleicht auch deshalb bereits mit 23 einiges erreicht, wovon andere Künstler nicht zu träumen wagen. Trotz der seltenen Kombination aus inhaltvollen Texten, musikalischer Innovation und extrem guter Technik, befindet sie sich bei vielen Rap-Fans immer noch unter dem Radar. Eine Künstlerin, die seit Jahren eine Linie fährt und dabei trotzdem nicht langweilt, sondern mit jedem Release aufs Neue zum am Ende so runden Gesamtbild beiträgt. 

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