Col3trane: “I’m trying to make people think about stuff more.”

Col3trane wird nicht allzu selten mit Größen wie Frank Ocean oder Drake verglichen. Vergleiche, die bei seinem Talent vollkommen angebracht sind. Dass er sie aber überhaupt nicht braucht und stattdessen mit seinen bisherigen Releases einen ganz neuen Stil in die Musikwelt trägt, wird bei intensiverer Auseinandersetzung mit dem Künstler deutlich.
Cole Basta, so sein bürgerlicher Name, ist in Birmingham aufgewachsen, lebt inzwischen in London und sorgt seit geraumer Zeit regelmäßig für wunderschöne R&B-Sounds. Sein Debüt-Mixtape „Tsarina“ entpuppte sich bereits nach kurzer Zeit als absolutes Muss für Musikliebhaber, bringt im ersten Monat über drei Millionen Plays bei Spotify ein und wirkt dabei wie die Blaupause eines baldigen Superstars. Zehn Tracks, auf denen der Brite zeigt, wie vielseitig seine musikalischen Fähigkeiten sind. Fast schon wirr klingt „Momma Bear“, während „Malibu Sleep“ klassiches Storytelling setzt und auf „Penelope“ ganz frech drei Songs in einen gepackt werden. Passend zu den drei vollkommen verschieden klingenden Parts im Track, findet das Video in drei unterschiedlichen Szenarien statt. Über einen Fluss schippernd, durch den Wald tanzend oder von Freunden umgeben als Teil der Londoner Szene, kann man Cole im Clip sehen. Eine Gegenüberstellung von düsteren romantischen Momenten und dem aufgedrehten Nachtleben Großbritanniens. Dafür verantwortlich ist keine geringere als Nicole Nodland, die unter anderem die persönliche Fotografin von Prince war und bereits mehrere Lana Del Rey Cover geshootet hat. Die Story zum Song finden wir in Homer’s „Odyssee“ und damit in einer trügerischen Liebesgeschichte.


 

Neo-Soul-Einflüsse und Videos mit Kurzgeschichten-Charakter

Wer die Videos von Col3trane schaut, bekommt daraufhin vollkommen berechtigt Musikvorschläge zu Größen wie Daniel Caesar, ABRA, 6Lack oder Russ. Eine Liste von Künstlern und Künstlerinnen zu denen er sich – zumindest auf sein Potential bezogen – bereits einreihen könnte. Mit seinen 19 Jahren konnte er Nas in seinen erfolgreichsten Zeiten zwar nicht bewusst miterleben, zählt ihn aber mit Usher, Aaliyah, ScHoolboy Q und Tyler The Creator zu seinen großen Vorbildern. Neben den Leuten vom britischen Format „Vevo Dscvr“bei dem regelmäßig Newcomer die Chance bekommen, einen ihrer Songs zu performen und durch YouTube an Reichweite zu gewinnen, haben auch die Berliner Macher von „Colors“ im November eine Version von „Penelope“ hochgeladen. Nicht nur, weil er seine Mutter im zugehörigen Video grüßt, vor allem wegen seiner Stimme und dem damit ausgelösten Vibe, feiern ihn dir Zuschauer in den Kommentaren. Den Unterschied zwischen sich und anderen Künstlern sieht er nach eigenen Angaben vor allem darin, über bessere Kendama-Skills zu verfügen und bleibt damit überraschend bodenständig für einen Musiker, der in kürzester Zeit einen solchen Hype erleben durfte. Während seine Ziele als Künstler mit Respekt und dem Wunsch etwas Geld mit Musik zu verdienen noch sehr wage sind, weiß er privat ganz genau, was er will: 

„I want to beat my brother at ‚Super Smash Bros‘ before I turn 25.“

Ob er sich damit spielerisch ein zu erreichendes Ziel gesetzt hat, können wir nicht beurteilen. Sicher ist aber, dass er den gewünschten Respekt schon jetzt verdient und die finanziellen Aspekte sich bei weiterhin so qualitativ hochwertigem Output schnellstens regeln werden. Um den Prozess zu beschleunigen, solltet ihr euch auf Coles musikalische Innovationen einlassen und damit Zeugen davon werden, wie Genregrenzen verschwinden. Mitte Februar startet seine erste kleine Tour durch Großbritannien und das lässt darauf hoffen, dass „Tsarina“ auch bald in Deutschland performt wird. 

 

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