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„I can make you forget about your ex for a whole hour.“ – Was du über Cardi B wissen solltest.

Dass Frauen im Rapgame ganz und gar nicht Fehl am Platz sind, hat uns vor Jahren bereits Lauryn Hill bewiesen. Trotzdem wird die Szene häufig immer noch als Männer-Domäne abgetan. Ein großer Fehler! Das versuchen wir euch durch eine kleine Vorstellungsrunde weiblicher Künstlerinnen nahezubringen. Wer sie sind und was sie machen, zeigen wir euch in regelmäßigen Abständen auf und versuchen damit den ein oder anderen Musik-Kosmos zu erweitern. 

Bis vor wenigen Wochen war Lauryn Hill mit „Doo Wop (That Thing)“ 1998 die einzige weibliche Rap-Künstlerin, die es ohne Feature-Gäste auf Platz 1 der Billboard Hot 100 Charts geschafft hat. Fast 20 Jahre hat es gedauert, bis eine andere Künstlerin das auch von sich behaupten konnte. Zusätzlich war sie Abräumerin der diesjährigen Bet-Awards und herausragende Performerin bei den Video Music Awards. Cardi B, anfangs gehypte Socialmedia-Ikone, inzwischen ernstzunehmende Rap-Künstlerin. Durch das amerikanische Fernsehformat „Love & Hip-Hop: New York“ wurden erste Zuschauer 2015 auf die Ex-Stripperin aufmerksam, inzwischen hat sie es mit ihrer Single „Bodak Yellow“ geschafft, wovon sie Anfang des Jahres als ihr großes Ziel gesprochen. In „Slutty -Talk“-Manier á la Lil Kim veröffentlichte die geborene New Yorkerin inzwischen drei Solo-Mixtapes. Auf „Gangsta Bitch Music Vol.1“„Gangsta Bitch Music Vol. 2“ und „Underestimated: The Album“ zeigt sie, wie guter Hip-Hop aus Eigenerfahrung entstehen kann. Das Vokabular stammt direkt aus den Straßen der Bronx. Zu ihren Vorbildern zählen erfolgreiche Künstlerinnen wie Lady Gaga und Madonna. Sie selbst beschreibt ihre Musik mit dem Satz: „I can make a valley girl from California feel like she’s a gangster ass bitch from the Bronx.“ Dass sie bereits mit den ganz großen der Szene zusammenarbeiten kann, beweist sie unter anderem auf „No Limit“  mit G-Eazy und A$AP Rocky. Sie stellt sich auf ihren bisherigen Releases selbst in den Fokus und verzichtet größtenteils auf Features. In einem Interview lässt sie verlauten, sie sei noch nicht sehr viel unterwegs in der aktuellen Hip-Hop Szene und möchte vorerst auch keine Feature-Gäste dafür bezahlen, an Tracks mitzuwirken. Wenn jemand auf ihre Mixtapes möchte, dann aus Eigeninitiative und Begeisterung für das, was sie macht. Seit Juni diesen Jahres ist sie bei Atlantic Records unter Vertrag und leistet damit unter anderem Action Bronson, Curren$y, Gucci Mane und Lil Uzi Vert Gesellschaft. Neben Cardi B hat das Label auch Hip-Hop Kollegin Missy Elliot, New-Wave Sängerin Santigold und Soul/Funk-Künstlerin Janelle Monaé unter ihren Fittichen. 

Auf Instagram zählt Cardi B schon seit langer Zeit zu einer der ganz Großen. Über elf Millionen User klicken ihre Bilder regelmäßig. Neben reichlich Style-Inspirationen, bietet die Amerikanerin ihren Followern Einblicke in ihr Privatleben und ihr künstlerisches Schaffen. 

Not on my Birthday bitch !NOT THE FUCK TODAY !

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Von ihrer Rolle in „Love & Hip-Hop: New York“ hat sich Cardi B vor einiger Zeit verabschiedet, um sich vollkommen auf die Musik zu konzentrieren. Im Format geht es um das Leben mehrerer Charaktere in New York City, die allesamt einen Hip-Hop Hintergrund haben. Also „Berlin Tag und Nacht“ auf englisch mit Rap. Cardi B war einer der Hauptcharaktere der Serie und wurde durch ihre ehrliche Art schnell zum Publikumsliebling. 

Zwei Jahre vor ihrem großen Durchbruch, releaste Cardi B ihr erstes Musikvideo zu „Cheap Ass Weave“. Das Sample stammt von Lady LeshurrsQueen Speech 4″. Schon damals sorgte sie neben ihren Rap-Skills vor allem durch ihren offenen Umgang mit Sexualität und ihrer selbstbestimmten Art für erste Fans. 

Bodak Yellow“ heißt die Smash-Single der Rapperin, mit der sie inzwischen bereits seit drei Wochen die Billboard-Charts anführt. Damit schafft sie, was noch keine Rap Künstlerin mit einer Single ohne Features vor ihr geschafft hat. „Said little bitch, you can’t fuck with me.“ – Man könnte sagen, Cardi B hat uns vorgewarnt. Laut New York Times handelt es sich beim Track um die „Rap-Hymne des Sommers„. Tanzend werden wir sie jetzt zwar nicht mehr erleben, aber ihre „Money Moves“ sind wohl mindestens genauso sehenswert. Wen die offizielle Version inzwischen langweilen sollte, kann sich diverse Remixes und Coverversionen vom lateinamerikanischen Rapper Messiah oder Sängerin Miley Cyrus anhören. 

Um zu sehen, woraus Cardi B’s Hit entstanden ist, müssen wir den Bundestaat New York verlassen und uns nach Florida begeben. Von hier stammt Kodak Black, der bereits 2014 für das Sample von „Bodak Yellow“ gesorgt hat. Der „No Flockin Freestyle“ ist zwar vergleichsweise billig produziert, lieferte aber definitiv die Flows, die Cardi B’s Werk so unvergleichbar machen. 

Wie lange sich Ex-Stripperin Cardi B noch auf der Eins hält, bleibt spannend. Ebenso offen bleibt die Frage, ob sie es schafft, mit Socialmedia-Präsenz, ehrlichen Worten und obszönem Slang beim deutschen Publikum anzukommen. US-Liebling ist sie jedenfalls schon. Um das zu bleiben, sollte sie bald nachliefern – eine Künstlerin, die definitiv mehr Potential als das eines One-Hit-Wonders hat.

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