Von Pac-Man bis Fortnite – Computerspiele und ihre begeisternde Geschichte

8,3 Millionen Spieler, die gleichzeitig online waren – ein sagenhafter Rekord, den der Spielehit Fortnite im November aufstellen konnte. Und welcher in der Gamingszene für Schlagzeilen sorgte. Der Battle Royal Shooter ist ein Massenphänomen. Anders als der realistischer wirkende Shooter PUBG tritt Fortnite im Comic-Stil auf. Und ist grafisch trotzdem ein Kracher. Bis es soweit war, dass Entwickler solche Grafiken rendern konnten, sind Jahrzehnte vergangen.

Viele Gamer denken, dass die Entwicklung erst in den späten 1990er Jahren beginnt. Videospiele gibt es jedoch schon sehr viel länger. Was hat zu deren Entwicklung geführt? Und was waren die ersten Hits der Szene? Wer sich auf einen Rückblick in die Geschichte der Konsolen- und PC-Spiele einlässt, wird einige interessante Fakten erfahren. Und kommt bei der einen oder anderen Tatsache sicher ins Staunen.

Asteroids, Pac-Man und Co. – die Anfänge

Für viele moderne Gamer beginnt die Zeitrechnung der Videospiele Mitte der 1990er Jahre. Die junge Generation der Gamer hat einen noch beschränkteren Zeithorizont. Sega Megadrive oder Gameboy sind dieser Generation – die mit Playstation und Xbox – groß werden, kaum noch geläufig. Dabei beginnt die Entwicklung der Videospiele bereits kurz nach Ende des 2. Weltkriegs. Findige Entwickler ließen sich bereits in den späten 1940er Jahren Spiele für Röhrenrechner einfallen.

Eines hatten die Spiele allerdings gemeinsam: Gespielt wurde an Hochschulen. Nur diese Einrichtungen konnten sich die Hardware leisten. Sehr bekannt ist in der Frühphase das Spiel Spacewar! des MIT (Massachusetts Institute of Technology) geworden.

In den 1970er Jahren erlebte die Szene eine turbulente Phase. Hersteller setzten auf die Verbindung aus TV-Technik und Platinen. Das Ergebnis waren Spielautomaten für massenhaft auftauchende Spielhallen. Zum Ende der 1970er Jahre kam dann der Durchbruch für die Heimanwendung: Entwickler wie Atari und Magnavox stellten erste Konsolen her. Damit war es zum Beispiel ab 1979 möglich, den Klassiker Space Invaders auch zu Hause zu spielen.

Getrieben wurde die Entwicklung zum einen von der Faszination für Videospiele – der sich mit dem natürlichen Spieltrieb erklären lässt. Schließlich ist die Faszination für Spiele schon deutlich älter. Neben den Kindern haben Menschen bereits nach spielerischen Beschäftigungen gesucht, seit es Zivilisationen gibt. Ob nun altägyptische Würfelspiele oder das chinesische Mah-Jongg.

Ein zweiter Antriebsfaktor war natürlich die Technik. In den 1940er Jahren waren es Röhrenrechner, später Analogcomputer und heute sind es technisch ausgereifte Konsolen und PCs, die jeden Superrechner der Anfangsjahre in die Tasche stecken.

Die späten 80er und 90er Jahre: Die Branche wird erwachsen

In den 1980er Jahren drängten Spiele immer stärker in die Haushalte. Angetrieben wurde die Entwicklung im Wesentlich durch die Home-Computer. Zwei bekannte Modelle sind der:

  1. Commodore C64
  2. Amiga 500.

Letzterer war deutlich leistungsfähiger, jedoch aus Anwendersicht auch wesentlich teurer. Der C64 ließ durch seine einfache Anwendbarkeit, die anfangs noch verwendete Datasette und die Kompaktheit viele Jugendliche in den 1980er Jahren Gaming-Luft schnuppern.

Besonders beliebte Spiele waren unter anderem:

  • Pac-Man
  • Defender
  • The Great Giana Sisters.

Und auch Sportspiele sollten in den 1980er Jahren bereits eine Rolle spielen, wie das Beispiel Track & Field zeigt. Überhaupt entwickelten sich schon sehr früh die heute noch bekannten Genres. Dazu gehören:

  • Rollenspiele (RPG)
  • Adventure-Games
  • Sportspiele

Was allerdings noch keine Rolle spielen sollte, waren Shooter. Counter-Strike, Half Life oder Doom sollten erst später an Bedeutung gewinnen. Hintergrund: In den 1980er Jahren waren PCs, die heute von vielen Gamern verwendet werden, technisch noch stark eingeschränkt. Die für aufwendige Grafiken nötige Prozessor- und GPU-Leistung (GPU steht für graphics processing unit) stand den PCs noch nicht zur Verfügung. In den 1990er Jahren begann sich die Szene grundlegend zu verändern. Unternehmen wie:

  • Sony
  • Sega
  • Nintendo

stellten ihre Konsolen für den Markt vor – mit für damalige Zeit spektakulärer Grafik. Und spätestens mit dem Auftauchen der ersten Beschleunigerkarten für PCs wurde 3D-Grafik auch auf diesen Geräten „salonfähig“. Diese 3D-Karten wurden anfangs zusätzlich verbaut, später verschmolzen die 2D und 3D Grafikeinheiten auf einer Karte.

Damit ließen sich endlich die Grafiken umsetzen, welche dem PC als Gaming-Hardware endgültig zum Durchbruch verhalfen. Ende der 1990er Jahre kamen zudem erste netzwerkfähige Spiele auf den Markt. Damit wurde der Grundstein für die heute beliebten Multiplayer-Features gelegt. Allerdings zeigte sich auch, dass der Gaming-Markt eine harte Branche ist. Sega wäre mit dem Konsolengeschäft fast in den Bankrott geschliddert.

Die Nullerjahre: 3D-Spielspaß in Vollendung

In den 2000er Jahren ist die Entwicklung sehr stark von einer Konkurrenz zwischen den Konsolen und dem PC geprägt. Besonders stark wird der Markt von der Rivalität zwischen Sony mit der Playstation und Microsofts Xbox geprägt. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Am PC dominiert der Trend hin zu immer schnelleren Prozessoren und Grafikkarten. Damit sind Entwickler in der Lage, sehr aufwendige Grafiken zu rendern.

Zu den Spielklassikern gehörten in den Augen diverser Gaming-Zeitschriften unter anderem:

  1. Resident Evil
  2. Shadow of the Colossus
  3. PES (Pro Evolution Soccer)
  4. FIFA
  5. Age of Empires
  6. Need for Speed.

In den 2000er Jahren nimmt ein Trend weiter Fahrt auf – Multiplayer. Bis zum Ausbau der Breitbandnetze trafen sich Spieler mit ihrer Hardware zu LAN-Partys. Teils kamen zu Großveranstaltungen hunderte bis tausende Gamer zusammen – und zockten ein ganzes Wochenende.

In diesen Zeitraum fällt auch die Entstehung erster Clans und Ligen, in denen lange um Anerkennung (später um Geld) gespielt wird. Je schneller die Internetverbindungen wurden, desto weniger Zulauf hatten diese Veranstaltungen. In die 2000er Jahre fällt aber noch etwas anderes – die Killerspiel-Debatte. Angeheizt durch Amokläufe wie in Erfurt, erwog die Politik sogar Verbote. Inzwischen ist es in dieser Debatte deutlich ruhiger geworden. Gerade Shooter sehen sich dem Vorwurf, Gewalt zu fördern, aber immer wieder ausgesetzt. Dazu kommt bei diversen Titeln, etwa der:

  1. Medal of Honor-Reihe
  2. Call of Duty-Reihe

die Auseinandersetzung mit als verfassungsfeindlich eingestuften Symbolen wie der Swastika, wenn Spiele im 2. Weltkrieg angesiedelt sind. Ein Problem, dass die Entwickler (auch einiger Simulationen) bis heute haben.

Heute: Online-Spiele sind der Standard

Spätestens seit 2009/2010 mit dem weit fortgeschrittenen Ausbau der Breitbandnetze ist Multiplayer und Online Gaming bei PC- und Konsolenspielern angekommen. Diese Entwicklung hat sich in den letzten Jahren, zusammen mit immer besseren Grafiken, fortgesetzt. Online-Gaming verändert die Spiele zunehmend. Heute werden Videospiele von Publishern und Entwicklern zunehmend als SaaS (Software as a Service) und On Demand Lösungen verstanden.

Dies hat Vor- und Nachteile. Singleplayer-Liebhaber verlieren an Bedeutung. Gleichzeitig rücken Lootboxen und Mikrotransaktionen in den Vordergrund. Eine Entwicklung, die Spieler zunehmend kritisieren. Hinzu kommt, dass die Fokussierung auf Online-Stores und Digitalkopien von Gamern mit einer gewissen Skepsis betrachtet wird. Besonders die Debatte rund um Steam und den Epic-Store (Entwickler und Mit-Publisher von Fortnite) in der Gaming-Szene unterstreicht diese Entwicklung mehr als deutlich. In Zukunft wird sich Gaming weiter verändern. Die Fokussierung auf Multiplayer ist dafür mitverantwortlich.

Fazit: Videospiele sind keine Nische mehr

Pac-Man oder Pong – Klassiker der Videospielgeschichte. Fortnite oder Final Fantasy haben damit nicht mehr viel gemein. Und doch gibt es zwischen den Spielen der 1970er Jahre/1980er Jahre und modernen Spielen eine Verbindung. Ohne den menschlichen Spieltrieb und den Wunsch, aus PCs und Konsolen mehr Leistung heraus zu kitzeln, hätte es viele Spiele und damit die modernen Grafikwunder nicht gegeben. Wohin die Entwicklung führt, bleibt letztlich abzuwarten. Allerdings zeigt das ambitionierte Projekt Star Citizen, was heute möglich ist. Und wie sehr KI in Zukunft die Spielebranche beeinflussen wird.

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