D-Bo: Die Geschichte von Iluvmoney Records bis hin zu Wolfpack

d-bo zweiDie Geschichte von Danny Bokelmann aka D-Bo beginnt früh. Er war sowohl an der Gründung des Vertriebs Distributionz (heute distri), als auch an den Labels iluvmoney Records und ersguterjunge beteiligt. Heute ist der gebürtige Niedersachse Kopf des Indie-Labels Wolfpack Entertainment und in Berlin ansässig. Es ist der richtige Zeitpunkt, um Bilanz zu ziehen und einen Rückblick auf die vergangenen Jahre zu wagen. Im ausführlichen Interview erzählt D-Bo von schweren Entscheidungen, dem Scheitern und gleichzeitig stets neue Wege finden und warum er heute auch gut Sport und Erdkunde unterrichten könnte.

Wenn man Kinder nach ihrem Berufswunsch fragt, ist Labelboss keine sehr häufige Antwort. Kannst du dich noch an deine ersten Berufswünsche erinnern, bevor es Richtung Musikbranche ging?

D-Bo: Der erste Berufswunsch, an den ich mich erinnern kann, war Pilot. Von der Bundeswehr war ich immer beeindruckt. Ich bin 1978 geboren, da war Deutschland noch geteilt. Göttingen und das Umfeld war nah an der Grenze zur ehemaligen DDR und dort haben oft Manöver stattgefunden. Das heißt, dass dort amerikanische, britische, französische Soldaten im Land Krieg gespielt haben. Als ich gesehen habe, wie sich Soldaten aus Hubschraubern abgeseilt haben und sowas, wollte ich das auch können – das war mein erster Traumberuf.

Mehr als der Zivildienst nach dem Abitur ist dann aber doch nicht daraus geworden.

D-Bo: Das hat sich schon früh herauskristallisiert, dass das nichts wird. Ich habe anfangs gar nicht richtig verstanden, dass die Menschen abgeschossen haben, die dann sterben. Eher fand ich es schlimm, dass die mit ihren Panzern die Umwelt extrem schädigen. Das war der ausschlaggebende Punkt, der dazu geführt hat, dass ich doch nicht in die Richtung gehen wollte.

Die Richtung wurde dann ja bekanntlich eine ganz andere. 1999 wurde Bushido ein guter Freund von dir, gemeinsam mit Bass Sultan Hengzt, King Orgasmus One und Fler wurde iluvmoney Records gegründet. Was war die damalige Grundidee, die ein Label erfüllen sollte?

D-Bo: Jonas, Sascha, der bis heute unter dem Namen Psycomatic rappt, und ich haben damals Distributionz gegründet, was heute distri ist. Da gab es bereits die ersten Vertriebgsgedanken: Was muss erfüllt sein, um Sachen rausbringen zu können? Aus diesen Gedanken ist dann bei iluvmoney ein konkreter Labelgedanke geworden. Wir haben uns konkret überlegt, was wir tun wollen und was wir dazu benötigen. Wir wollen Tonträger vervielfältigen. Damals hat man noch Tapes veröffentlicht, die man mit Hilfe von Kopierstraßen vervielfältigt hat. Das funktioniert so, dass man ein Mastertape und zehn weitere Tapes reinlegt, die dann alle gleichzeitig aufgenommen werden. Jedenfalls wollten wir uns das eben kaufen, mussten aber vorerst einen Businessplan für die Bank erstellen. Da beantwortet man Fragen, wer in der Firma wie lang arbeitet, welche Kunden man hat und wieso man denkt, dass jene Kunden kaufen. Wenn man diesen Plan erstellt hat, hat man schon sehr konkrete Vorstellungen.

Später wechselte Bushido zu Aggro Berlin, auch du hast dann iluvmoney verlassen. War das eine Art Trotzreaktion?

D-Bo: iluvmoney war ja eine Art Zusammenschluss von Hengzt, Orgi und Bushido. Fler und ich sind noch dazu gekommen und dann haben wir gesagt, wir wollen das Ganze professionalisieren. Das war der grundlegende Gedanke. Bevor diese Professionalisierung abgeschlossen war, hat Orgi entschieden, lieber sein eigenes Ding zu machen. Hengzt hat sich eher in Richtung Orgi orientiert und wir haben uns in Richtung Hannover und nach einigen Leuten gerichtet, die wir kannten und versucht, iluvmoney dort zu etablieren. Parallel dazu gab es dann das Angebot von Aggro Berlin, ob Bushido nicht dort als Künstler signen möchte. Das hat dazu geführt, dass es keinen Künstler mehr als Zugpferd gab. Zwar gab es noch Fler, der hat zu der Zeit aber eher hobbymäßig gerappt. Und ich war nie als der Trademark-Künstler gedacht. Die Leute, mit denen wir in Hannover gearbeitet haben, haben uns viel Gutes getan und unter Anderem ihr Studio für uns zur Verfügung gestellt, aber im Endeffekt waren das keine Visionäre. Da haben wir uns gesagt, dass das alles erstmal nichts bringt und ich bin dann wieder Studieren gegangen.

Das klingt ein wenig so als hättest du durch deine Studien immer noch ein zweites, sicheres Standbein haben wollen.

D-Bo: Ja, ich habe auch verschiedene Sachen studiert. Zunächst Feinwerk-Technik, also das Innenleben von Computern. Dann habe ich Mathe und Sport auf Lehramt studiert und dann VWL und Sport auf Berufsschullehramt. Dann habe ich schließlich Toningeneurswesen studiert. Ich habe nichts davon abgeschlossen, aber überall reingeschnuppert.

Im Laufe des Studiums habe ich gemerkt, dass es für mich nicht die Option gibt, irgendetwas zu tun, das mir Sicherheit verspricht.

Dann hätte ich schon das erste oder zweite Studium durchziehen müssen. Mir ging es immer dann gut, wenn ich etwas gemacht habe, was mein Herz mir gesagt hat. Es gab immer Momente, in denen ich sicher war, dass der von mir eingeschlagene Weg der falsche war. Obwohl ich nie ein Studium abgeschlossen habe und wir in diesem Sinne auch nie iluvmoney abgeschlossen haben, so dass es als Label funktioniert hat, habe ich trotzdem immer Geld verdient. Ich konnte Dinge tun, die alle anderen auch getan haben. Es hat mir also eine gewisse Sicherheit gegeben, dass ich nicht nach einem gewissen Schema leben muss, das einem die Gesellschaft vermittelt. Kurz: Ich war mir von Tag eins an immer sicher, dass das, was ich tue, geil ist und mir meinen Lebensunterhalt finanzieren wird.

Heutzutage kann man doch froh sein, wenn man nicht als Lehrer praktiziert, oder?

D-Bo: Nö, ich glaube, ich wäre ein cooler Lehrer und hätte da auch Bock drauf. Lange Zeit war ich auch Basketball-Trainer, was ja auch eine pädagogische Aufgabe ist. Bei Sport ist es natürlich einfacher als wenn du die Mendel’schen Regeln in Biologie vermitteln musst, trotzdem hatte ich die Kids immer ganz gut im Griff und das würde mir sehr Spaß machen. Solange ich mich mit dem, was ich tue, selbst identifizieren kann, bin ich sehr gut darin.

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Ist mittlerweile seit 3 Jahren bei BACKSPIN und hat die Leitung der Online-Redaktion inne. All ihre Fans sind maskuline Jungs, jaja.

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