BACKSPIN unterwegs: beim Spektrum Festival in Hamburg

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In den wenigen kurzen Pausen, die sich mir auf dem Festival boten – der Timetable war für Besucher wirklich gut abgestimmt, kaum Auftritte überschnitten sich komplett, auch Wartezeiten gab es so gut wie nie – ging es zum Rest des Teams in den Backstage. Der hatte in diesem Fall seinen Namen mehr als verdient, der Künstlerbereich befand sich so weit hinter der Bühne, dass die Rapper BACKSPIN-unterwegs-Spektrum (80)und ihre Crew mit Shuttles zur Bühne gebracht wurden. Zwischen dem Spektrum und dem Backstage fand mit dem „Vogelball“ nämlich noch eine Electro-Veranstaltung statt, ebenfalls im Zuge des MS Artville. Währenddessen machte sich SSIO auf den Weg zur Bühne, gemeinsam mit Sänger Peter Boateng und H-Blockx Musiker Steddy lieferte einer der Festival-Könige dieser Saison eine Show ab, die den häufigeren Festivalgängern zwar bekannt war, dennoch immer noch mitreißen zu wusste. Ob es nun Grasknollen oder der „Fickfinger“ war, der in die Luft gestreckt werden sollte, das Publikum machte rund eine Stunde lang mit, Moshpits (die es kommenden Spektrum Blog wieder zu sehen gibt) bildeten sich überall in den Reihen der Fans, auch die gewohnte weibliche Unterstützung holte der Bonner aus dem  Publikum auf die Bühne. Weniger in die klassisch Oldschoolige Richtung ging es parallel auf dem Oberdeck zu. Dort spielte die vierköpfige Hamburger Band Neonschwarz. Mit ihrem gitarrenlastigen Songs verbreitet die Crew auf der einen Seite gute Laune, beziehen gleichzeitig auch politisch Stellung im linken Sektor. Mit ihren Hits wie „Unter Palmen“ oder „On a Journey“ brachten Captain Gips, Johnny Mauser, Marie Curry und ihr DJ Spion Y kaum einen Besucher vor der Bühne nicht zum Tanzen, sogar die Securitys vor der Bühne konnten nicht anders und feierten zur Musik gleich mit. Sein Finale fand der Auftritt der Hamburger mit einer kleinen Pyro-Einlage auf der Bühne, die einzige im Laufe des Abends.

BACKSPIN-unterwegs-Spektrum (87)Und schon stand der „deutsche Headliner“ an. Mit MoTrip und JokA stand ein Duo auf der Hauptbühne, dass im letzten Jahr eine Menge Bühnenerfahrung sammeln konnte, wohl kaum jemand hat in den letzten Monaten so viele Konzerte gespielt, wie der Aachener und sein Bremer Kumpel. Die Show, in der man zwar fast durchweg straighten Rap präsentiert bekommt, fußt mittlerweile auf den Sounds einer eigenen Band, die schon bei wuchtigen Opener „David gegen Goliath“ ihr Können unter Beweis stellte. Es folgte das Beste aus den zwei bisher veröffentlichten Alben des Platin-Rappers, ob nun die „Triptheorie“, bei der Featuregast Marsimoto leider nur in Form von grünem Rauch auf der Bühne in Erscheinung trat, erklärt wurde, er in „Mathematik“ Zahlenspielchen auf die Bühne brachte, oder seinen Hit „So wie du bist“ performte und mehrere Tausend Fans den Song auswendig mitsingen bzw. -rappen konnten, die Stimmung passte. Ebenfalls als textsicher erwies sich die Crowd bei JokAs Solosong „Moin Moin“. Der Moment der Show erwartete die Zuschauer allerdings beim Auftritt von Schnelles Geld. Bereits bei einigen Auftritten hatte Silla seinen beiden Freude auf der Bühne besucht, auch beim Spektrum spielte das Trio ihre jüngste Zusammenarbeit „Universal“ und steigerten erneut die Vorfreude auf ein sich seit Jahren in der Schwebe befindlichen Crew-Projekts. Auch in der Klüse ging es weiter, nachdem dort mit DJ Tereza und Derby Cage zuerst weibliche DJs regierten, löste sie jetzt ein Newcomer an den Plattentellern ab. Der gerade einmal 18 Jahre alte Produzent Nugat aus dem WSP-Camp lieferte Musik in reinster Form und spielte seine Instrumentalplatte „18“ live.

Während dann auf der Hauptbühne für den letzten großen und einzigen Auftritt aus dem Ausland umgebaut wurde, tauchte auf dem Oberdeck jemand auf, dessen Auftritt eigentlich abgesagt werden musste. Gemeinsam mit DJ und Produzent und Deckah verbreitete Umse gute Laune und seinen hawaiianischen BACKSPIN-unterwegs-Spektrum (98)Schnee an den Mann. Lange verweilen konnte ich vor der Bühne des Ratingers allerdings nicht, immerhin stand jetzt mein persönliches Highlight des Festivals an. Skepta, Oberhaupt der BBK-Crew aus London sollte dem Abend sein Finale verleihen. Der Rapper aus dem vereinten Königreich konnte schon im Laufe des Tages zahlreiche Sympathiepunkte sammeln, über den Nachmittag mischte sich der Brite bei den Auftritten seiner deutschen Kollegen unter die Leute und begutachtete die Shows von Künstlern, wie Crack Ignaz, Ufo361 und anderen. Ein paar Stunden später stand er dann selber im Mittelpunkt, er performte sein neues Album „Konichiwa“, zu erwarten war Grime par excellence. Bis in die hintersten Reihen wurde dementsprechend gesprungen, gepogt und ausgelassen gefeiert. Hektische Hits wie „That’s not me“, „Man“, oder dem, ihn auch über die Grenzen des vereinten Königreichs zum Star gemachte Song „Shutdown“,  gönnten der Crowd keine Pause. Neidlos musste man anerkennen, dass der Londoner nicht grundlos ganz oben auf dem Flyer zu finden war.

Ganz zu Ende war es allerdings immer noch nicht, pünktlich zum Feierabend enterte Juicy Gay noch einmal das Oberdeck und sorgte mit seinen Internet-Sommerhits a’la „Ich bring euch ung“ für den Startschuss einer Afterparty. Auch Kollegen aus dem Soundcloud-Kosmos, wie zum Beispiel millone, holte der Newcomer auf die Bühne. Anschließend luden zu guter Letzt die Münchener Drunken Masters zum gepflegten Turn-Up ein letztes Mal in die Klüse, die beim Set aus allen Nähten platze. Wie man es vom Duo kennt, wurde zahlreichen Deutschrap-Hits unter anderem aus dem Hause SSIO, Casper, K.I.Z oder auch von Celo & Abdi und den Beginnern in ein neues Soundgewand gehüllt, so verpassten die beiden DJs dem Spektrum sicherlich einen würdigen Abschuss.

Um noch ein kurzes Fazit zu ziehen, reicht es eigentlich schon zu sagen, dass sich das Spektrum, trotz der Dauer von nur einem Tag und der daraus resultierenden Begrenzung bei der Anzahl der Bookings, nicht vor den größten Kollegen verstecken muss. Die Zahlen sprechen für sich, schon ab der Mittagszeit, war es vor jeder Bühne immer sehr gut gefüllt. So kam auch kein Künstler in die Bredouille, nur vor einer Hand voll Fans spielen zu müssen, weil er eine ungünstige Stage-Time erwischt oder sich mit dem Auftritt eines Riesen-Acts überschnitten hatte. Auch der wirklich entspannte und beinahe familiäre Flair hat mich voll gepackt.

Also: Bis zum nächsten Jahr Spektrum, du hast richtig Spaß gemacht!

Bildergalerie Spektrum 2016 (Teil 3)
Klickt euch durch unsere Fotos vom Festival:

(Fotograf: Yannick Wilmsen)

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Ich kann quasi nur über Musik reden...

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Razer

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