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BACKSPIN unterwegs: beim Spektrum Festival in Hamburg

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Endlich! Nachdem es bei mir dieses Jahr terminlich für keins der großen Festivals gepasst hatte, ging es aufs „Spektrum“. Ein Festival in Hamburg, das nicht aufgrund seiner Größe, sondern durch den besonderen Charme im Gedächtnis bleibt. Gegründet wurde das Spektrum als eine Art Warm-Up Festival zum großen Bruder, dem MS Dockville, das am kommenden Wochenende stattfinden wird. Mittlerweile hat das Spektrum ein Eigenleben entwickelt und konnte in diesem Jahr mit knapp 10000 Gästen sogar ausverkauft werden. Dazu trägt auch die stets treffsichere Künstlerauswahl bei. In diesem Jahr erwarteten die Besucher auf dem Ein-Tages-Festival Rapper wie Fatoni, Ufo361, LGoony & Crack Ignaz, SSIO, oder auch Gruppen bzw. Duos, wie Neonschwarz, SXTN, Celo & Abdi oder Zugezogen Maskulin, um nur einige der Künstler aufzuführen. Für das große Finale des Mini-Jubiläums zur fünften Austragung sollte mit Skepta dann gleich der gehypteste UK-Rapper derzeit sorgen – wer kann schon von sich sagen, Drake hinter sich zu haben. 

BACKSPIN-unterwegs-Spektrum (2)Auf den Weg machte ich mich dieses Mal nicht aus NRW, wie sonst üblich, sondern aus Richtung Berlin, gemeinsam mit Zino (Spektrum-Blog wird derbe, schwöre!) ging es von der Coup Filmpremiere rüber in die Hansestadt. Den Startschuss auf der Mainstage, die den Namen „Maschinenraum“ trug, sollten die Berlinerinnen Nura und Juju aka SXTN bereits am Samstagmittag setzten. Zur frühen Stunde versammelten sich schon einige feierwütige Besucher vor der Bühne, die die meisten Texte der Debüt-EP „Asozialisierungprogramm“ aus dem Effeff mitrappen konnten. Auch auf der zweiten Bühne, dem Oberdeck, setzte eine Rapperin den Startschuss. Finna, die in ihre Musik zahlreiche Genres von Punk bis Dubstep einfließen lässt, konnte schon um die Mittagszeit erste Moshpits anzetteln und wagte sich schließlich, während einer Performance, selbst in den Kreisel, um das Finale ihrer Show, den Song „Cool ist mir zu kalt“, aus der Mitte ihrer Fans zu spielen. Mein Job beim Festival bestand im Prinzip darin, alles, was auf und vor der Bühne so abgeht, als Foto festzuhalten und zusammen mit einem Text (ließt du grade) für die Website aufzubereiten. Soweit so gut, kannte ich ja schon. Das schöne an daran: Ich sehe jede Show. Der Nachteil: Ich muss jede Show sehen, an Verschnaufpausen waren also schon im Vorhinein nicht zu denken.

Nachdem das Festival von ordentlich Frauenpower und einem soundtechnischen Tritt in die Fresse eröffnet wurde, ging es auf der Mainstage etwas entspannter weiter. Den zweiten Auftritt des Tages lieferte Fatoni ab. Neben einem Querschnitt seines bisherigen Schaffens, bis hin zum aktuellen Album „Yo, Picasso“, das in Kooperation mit WSP-Producer Dexter entstand, widmete sich der Münchener einer Disziplin, die auf den vielen Deutschen Bühnen mittlerweile zu einer Seltenheit geworden ist. Straight Hip-Hop wurden beinahe zehn Minuten Freestyles auf der Bühne gekickt. Um sein Talent im improvisierten Reimen wirklich unter Beweis zu stellen, verlagerte er die vom ehemaligen 58Beats-Labelkollegen Roger Reckless geprägte Idee, das Publikum den Inhalt bestimmen zu lassen, auf die Stage. Jeder, der sich einen Platz in den ersten Reihen sichern konnte, konnte Fatoni einen Gegenstand auf die Bühne reichen, der schließlich mit einigen Zeilen bedacht wurde. Eigentlich sollte jetzt Umse folgen, da dessen Anreise allerdings nicht ganz ohne Probleme ablief, musste der Auftritt spontan (vorerst) abgesagt werden. Fatoni zeigte Ausdauer und dehnte seine Show spontan um den ein oder BACKSPIN-unterwegs-Spektrum (22)anderen Song aus. Zeitgleich versammelten sich vor der zweiten Bühne so viele Fans, dass man meinen könnte, bereits auf einen der Headliner zu warten. Tatsächlich wartete ein Großteil der Festivalbesucher auf Yung Hurn aus Wien, der sich in den letzten Monaten durch Internet-Hits, wie „Nein“, „Bianco“ oder „Opernsänger“ einen ziemlichen Hype aufbauen konnte. Auch wenn die Musik eigentlich recht Laidback ausfällt, ging es vor der Bühne reichlich rau zu. Schon zum Show-Opener starteten erste Moshpits im Publikum, die Stimmung vor der Bühne hätte nicht besser sein können. Dass auch der Österreicher zum performen von der Bühne herunter zum Publikum kam und mit seinen Fans während er rappte Selfies schoss, fügte sich nahtlos in die gelungene Show ein.

Auch im Anschluss sollte es mit Cloud-Rap bzw. Trap weitergehen, während auf auf der Mainstage Money Boy bzw. YSL Know Plug und nahezu seine komplette Glo Up Dienero Gang ihre Affinität zu Designer-Klamotten, Drogen und jeglichem anderen Luxus präsentierten und damit erwartungsgemäß die Crowd in skeptisch dreinschauende Leute im hinteren und einen Party-Mob im vorderen Bereich vor der Bühne spaltete, machte sich hinter der zweiten Bühne grade Berliner Lokalpatriot Ufo361 bereit. Mit seiner Hymne „Ich bin ein Berliner“ als Opener hatte er gleich sowohl seine Fans, als auch zahlreiche neue Zuschauer in der Tasche. Rund eine Stunde schepperten der Crowd wuchtige 808-Bässe um die Ohren, auch der ein oder andere neue Song vom kommenden Mixtape „Ich bin 2 Berliner“ schlichen sich in die Setlist. Bis in die hintersten Reihen wurde standesgemäß ausgerastet, tatsächlich ging der Auftritt nicht einmal für alle aus dem BACKSPIN Team ohne Verluste zu Ende. Für den heftigen BACKSPIN-unterwegs-Spektrum (31)Support wurde sich angemessen bedankt, in den ersten Reihen wurde der ebenfalls von Ufo besungene Bombay Sapphire verteilt. An Präsens mangelte es dem Kreuzberger auf dem Spektrum keines Falls, in Anbetracht der Tatsache, dass Ufo erst vor zwei Tagen für den erkrankten Eloquent eingesprungen war, konnte er sich auch nach seiner Show noch einmal großer Aufmerksamkeit erfreuen, dazu aber gleich mehr. Erst einmal stand die Band Waving the Guns auf der Bühne. Mit ihrem teils von einer punkigen Attitüde geprägten Rap, beziehen die beiden Frontmänner Admiral Adonis und Milli Dance auch gerne Mal Stellung zu aktuellen Problematiken und politischen Diskussionen in der Welt, positionieren sich klar antifaschistisch. Auch sie schafften es, ihre Fans zum durchdrehen zu bringen.

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Bildergalerie Spektrum 2016 (Teil 1)
Klickt euch durch unsere Fotos vom Festival:

(Fotograf: Yannick Wilmsen)

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Yannick ist seit August 2015 Teil der BACKSPIN-Redaktion. Er kümmert sich um alles was mit Reviews und Kritik zu tun hat und studiert nebenbei noch Populäre Musik. Für Hip-Hop verzichtet er also auch mal auf seinen Schlaf - 'cause sleep is the cousin of death.

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