BACKSPIN unterwegs: beim DLTLLY „MAYhem“

Wie schon zu Beginn des Battle-Tages sehen wir ein 2-on-2. Gehostet wird dieses Battle von Iron Basic, der sich schon auf den Feuer über Deutschland-DVDs durch sein Battle mit Gregpipe einen Namen machte. Mittlerweile haben die beiden ihren Zwist aber aus der Welt geschafft und sogar im Team gegen BattleBoi Basti und Besser gebattlet. Wie dem auch sei – zurück zum Geschehen: Auf der von mir linken Seite stehen Onkel Oktomusch und Die Zwetschke, die als ungeschlagenes Team als letztes BattleBoiBasti und Dee Ho auf die Bretter schickten. Und das will was heißen. Das Team OktoZwetschke trifft heute in der Schwergewichtsklasse auf das Team Bong Teggy und Papi Schlauch. Zumindest Teggy sollte mittlerweile auch außerhalb der Battlerap-Schiene einigen Leuten ein Begriff sein. In seinem letzten Battle gegen Nidal Nib taufte er sich selbst Eires Vitagen (Negativserie rückwärts gelesen) und konnte auch bei diesem Battle nicht punkten. Dieses Mal wirkt er noch hungriger als sonst und ergänzt sich im Team mit Papi Schlauch einwandfrei. Man merkt den beiden an, wie sehr sie sich vorbereitet haben. Die Einsätze und Pointen kommen nicht eine Sekunde zu spät oder zu früh – von Hängern keine Spur. Die beiden veranstalten im Doppel fast schon ein Theaterstück auf der Bühne, obwohl sie in regelmäßigen Abständen, fast schon im Sekundentakt von einem aufgedrehten Publikum durch Lacher unterbrochen werden, steigen die beiden im perfekten Wechsel immer wieder in die Parts und schießen auf sämtlichen Kanälen auf den Onkel und Die Zwetschke.

„Deutschrap freut sich, weil es jetzt die komplette Zerstörung von Oktomusch und der Zwetschke gibt/
Das heißt: Zwei originale Battlechiefs gegen ottonormale Wack-MCs/
oder auch ein hoffnungslos überschätztes Team gegen monumentales Wechselspiel/“

Dabei darf natürlich ein festes Stilmittel von Teggy, die Imitation des jeweiligen bzw. der jeweiligen Gegner nicht fehlen. Der erste Part wird mit einem hingerotzten „Time“ beendet und das Publikum hält den Atem an, was OktoZwetschke dagegen zu setzen hat. Ohne mit der Wimper zu zucken, lassen die beiden Punchlines auf Teggy und Schlauch einprasseln, dass sich das Publikum zwischen „Ooohhh“-Schreien und euphorischem Gelächter nicht zurückhalten kann.

„Dein Gabelstapler fahrender Rabenvater steht auf Pimmel von Jungs/
und spielt die Hauptrolle in: Liebling ich habe die Kinder gebumst/“

„Bei deiner Ma hört man versautes Stöhnen, wenn ich die Frau verwöhne/
Nach dem Cumshot legt sie sich Gurkenscheiben auf die Augenhöhlen/“

Ich persönlich sehe nach der ersten Runde OktoZwetschke, in der zweiten Runde Teggy und Schlauch vorne. Zwischen den kurzen Parts hört man überall im Publikum Diskussionen darüber entfachen, wer aktuell vorne liege und warum. Sobald aber der erste MC Luft holt um ein Punchline-Gewitter auf den jeweiligen Kontrahenten einprasseln zu lassen, verstummt so ziemlich jeder, dass man eine Nadel fallen hören kann. Das Battle endet mit einer Glanzleistung von allen vier Rappern – die Entscheidung der Jury ist dementsprechend knapp. Die über 500 Gäste an diesem Nachmittag haben soeben wohl eines der besten deutschen Written-Battles aller Zeiten gesehen und auch deshalb gibt es wieder eine kleine Pause, damit man das eben gesehene, wenigstens kurz, verarbeiten kann.

Gute dreißig Minuten nach Ende des Main-Matches geht es in das letzte Drittel des Abends. Die Co-Founder, die übrigens selbst hinter der Kamera stehen, sind sichtlich zufrieden mit dem Ablauf des Events, außerdem liegt alles trotz kleiner Verspätung am Anfang super in der Zeit und darum starten, zumindest die Veranstalter verhältnismäßig ruhig in die nächsten beiden Battles.

Unbenannt-1-Wiederhergestellt

Es betreten das Podest: Clep und Yarambo. Letzterer hat noch keines seiner vier DLTLLY-Matches verloren und unter anderem durch das Platzen lassen der N-Bombe in einer RAM-Battlemania Kontroverse erzeugt. Diesen Fakt macht sich Clep aus Leipzig in einem seiner Parts zu nutzen und überlegt sich die seiner Meinung nach passende Hintergrundgeschichte zu diesem Ereignis.

„In deinen feuchten Träumen hast du seinen colafarbenenChupaChups geleckt/
Am nächsten Morgen wurdet ihr von seiner Kuckucksuhr geweckt/
Dein Mund war noch befleckt/, du schmustest dich an ihn und nanntest ihn dein kleines Nougat-Nuss-Gebäck/

Yarambo hingegen geht auf die VBT- und JBB-Teilnahme von Clep ein und steigt in die Crowd um mit dieser eine abgewandelte Version der legendären „Westberlin“-Hook von der Sekte zu performen. Yarambo schlägt bekanntermaßen hier und da gerne unter die Gürtellinie und macht auch bei Clep keine Ausnahme.

„So ein Kopf ist doch für keine Mutter ein Geschenk/
Wenn die nach neun Monaten diesen fünfeckigen Schädel durch ihre Pussyöffnung zwängt/
Junge, mit dieser Kopfform würde selbst „Hey Arnold“ dich einen Football-Schädel nennen/“

Dafür schnappt sich mit dem „offiziellen Yarambo-Regenschirm“ ein Artikel aus dessen Fan-Shop und unterhält das Publikum damit blendend. Am Ende seines Parts ist er daraufhin „übelst gespannt“ was der aus Bonn stammende Yarambo ihm entgegen zu setzen hat. Dieses Mal ist die Jury sich wieder hundert prozentig einig wer den Sieg nach Hause bringt. Trotzdem gibt es nach dem Wettstreit einen fast schon freundschaftlichen Handschlag zwischen den jeweiligen Parteien und genau das ist das Schöne an einem Event wie diesem. Trotz etlicher Beleidigungen und vermeintlichen Anfeindungen findet alles in einem reinen sportlichen Wettkampf statt.

Als letzte betreten Tobi Nice &Duff auf der linken und Mave & MC Maik auf der rechten Seite die Bühne um sich das letzte Battle des Abends zu liefern.

Die Jungs runden einen Tag voller feinstem Battle-Rap ab. Mittlerweile sind seit Einlass gute sieben Stunden vergangen und während ein Teil der Besucher sich Richtung Ausgang begibt und die Rapper sich den „fulminanten“ Fragen des rasenden Reporters Juse Ju stellen, plündert der andere Teil des Publikums wahlweise die Bar oder den DLTLLY-Merchandise-Stand. Ein ereignisreicher Tag neigt sich dem Ende. Für 12 Euro im Vorverkauf, was runter gebrochen gerade mal lächerliche zwei Euro pro Battle macht, stimmt das Preisleistungsverhältnis nicht nur, es wird um Längen überschritten. Für mehrere Stunden beste Unterhaltung wurde von den MCs, für genug Bier sowie Mate wurde von der Bar gesorgt. Einziger Kritikpunkt: von dem Stehen, um ja kein Battle zu verpassen, hatte ich am nächsten Tag ordentlichen Muskelkater plus Fußschmerzen. Gelohnt hat es sich trotzdem alle Mal. Big Up DLTLLY.

Wer sich einen kurzen Überblick vom „MAYhem“ verschaffen oder die Battles direkt sehen will, kann das hier tun:

DLTLLY // MAYhem BERLIN 15.05 (PPV) from DLTLLY on Vimeo.

 

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Hallo Deutschrap, ich bin ab jetzt fest bei BACKSPIN. Gewöhn dich an mein Gesicht - ich bin gekommen um zu bleiben.

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Razer

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