BACKSPIN unterwegs: Das Battle of the Year 2017

Ein großes Hip-Hop-Klassentreffen. Nun mögen einige denken, dass es den Artikel über das deutsche Hip-Hop-Klassentreffen Splash! doch schon vor ein paar Monaten gab. Allerdings geht es hier auch nicht um unser aller Lieblingsfestival in Gräfenhainichen, sondern um ein weitaus internationaleres Klassentreffen. Für das Battle of the Year pilgern Jahr für Jahr tausende Breakdance-Begeisterte aus aller Welt nach Essen in die Grugarhalle. So auch am vergangenen Samstag bei der aktuellen Auflage der inoffiziellen Breakdance-WM. Der Prestige-Wert dieser Veranstaltung sowie die wirklich extreme Alterspanne erklärt sich wohl in dem Fakt, dass das Battle of the Year mit 25 Jahren auf dem Buckel eines der wohl Dienstältesten Breakdance-Battles der Welt darstellt. Die viel zitierte Fahne für Hip-Hop wird an allen Ecken und Enden hochgehalten.

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Am Halleneingang und im Backstage kann man beobachten, wie sich alte Bekannte wiedertreffen. Es wird sich herzlich Empfangen in Essen. Die alte Generation schlägt stilecht in Baggys, Nylon-Trainingsanzug oder Wu-Tang-Pulli auf. Die Jüngeren tragen hingegen die modernen Lifestyle-Accessoires von Yeezy bis Supreme-Bauchtasche. Trotzdem stehen am Ende alle in einem Kreis und cyphern. Bei den ganz jungen muss man sich sogar fragen, ob nicht sogar noch eine Pampers unter der Adidas Jogger versteckt wird. Der Coolness, mit der diese vielleicht fünf-jährigen ihre Moves auf das Paket bringen, tut das keinen Abbruch, ganz im Gegenteil. 

In diesem Jahr haben es 16 Crews in die Westdeutsche Arbeiterstadt geschafft. Die Qualifizierten aus den afrikanischen Nationen mussten leider allesamt aufgrund von Visa-Problemen absagen, wie Host MC Trix in einer der wenigen ruhigen Minuten erzählt. BOTY2017Nach einigen warmen Worten des Empfangs starten die Showcase-Performances, bei denen jede Crew sechs Minuten Zeit bekommt ihre Handschrift zu präsentieren. Der Favoritenkreis kristallisierte sich schon vor Beginn der inoffiziellen Breakdance-Weltmeisterschaft auf vier Crews heraus: die Old-School-Russen, genannt Kienjuice, die dreimaligen BOTY-Sieger Vagabonds aus Frankreich, Mortal Combat aus Japan und natürlich die Vor- und Vorvorjahres-Sieger The Floorriorz. Alle vier lieferten mehr als souveräne Shows ab und zogen auch mühelos in die Viertel, beziehungsweise direkt in die Semifinals ein. 

Weitere Highlights der Vorrunde waren die Taiwaner mit dem illustren Namen Taichung City Hentai, die ihre Frontfrau als Touristin inszenierten, die wiederum von einer Reihe netter Herren tanzend in die Kultur des Landes eingeführt wird, Konfetti-Regen inklusive.BOTY2017 Nachdem die Hosts Tricks und D-Stroy, deren Gemütszustand mit munter klar untertrieben dargestellt würde, einen Besen finden konnten um die Bühne vom Taiwanesischen Konfetti zu befreien, sorgten die Belgier Battle Droids für ein weiteres Highlight. Die jüngste Crew im Teilnehmerfeld punktete neben dem Welpen-Bonus mit einer abwechslungsreichen Choreo rund um die Slowmotion-Bewegungen ihres Kopfes. Sowohl Taichung City Hentai als auch die Battle Droids zogen völlig verdient in die Battles ein, musste sich dort allerdings recht eindeutig den Favoriten geschlagen geben. The Last Action Heroes als Repräsentanten der deutschen Breakdance-Kultur durften den Schlusspunkt der Vorstellungsrunde setzten. Der starken Konkurrenz geschuldet, konnten sie sich allerdings nicht für ihr ambitioniertes Showcase belohnen und schieden nach der Vorrunde aus. 

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The Floorriorz fotografiert von Little Shao

Während der Battles stieg schließlich auch die Spannung in Halle und Backstage gleichermaßen. Vor allem die Halbfinal-Paarung Mortal Combat gegen die Vagabonds hatte es in sich. Am Ende konnten die Franzosen denkbar knapp mit drei zu zwei Stimmen der Juroren ein rein japanisches Finale – das zweite Halbfinale entschieden The Floorriorz recht deutlich für sich – verhindern. Im zwölfminütigen Finalbattle hatten die Japaner erneut die Nase vorn und machten den Hattrick mit drei BOTY-Siegen am Stück voll. Somit zogen sie in Sachen Gesamtsiege mit den Vagabonds, die das Battle of the Year 2006, 2011 und 2012 gewannen, gleich. Die Crew aus Paris fiel wohl der Unsauberkeit einiger technisch sehr anspruchsvollen Moves und Choreografien zum Opfer, während die Floorriorz gewohnt perfektionistisch auftraten. 

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Als gegen Mitternacht das Konfetti der Siegerehrung nur noch vom Hallenboden schimmerte und auch die letzten Tänzer langsam aus der Halle gefegt wurden, wird klar um wie viel mehr als nur den silbernen Pokal es hier ging. Vor allem nämlich um ein Treffen von Tänzern, verschiedensten Generationen und Hip-Hop-Verliebten Menschen aller Art und Nationalität. Bis zum nächsten Jahr!

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