BACKSPIN Unterwegs: „Raum“ Live – Ahzumjot w/ Bruhs

Raum Live

Heimatstadt, Ausverkauft, größtes Publikum bei einer Solo-Show, die Gästeliste randvoll, die neue Platte – Pardon Playlist – fast fertig. Die Vorzeichen standen denkbar gut für die Live-Premiere des neuen Ahzumjot Projekt „Raum“ am Samstag vor einer Woche  in der Hamburger Clubinstitution Uebel & Gefährlich. Und so wurde es dann am Ende des Abends vor der finalen und fünften Zugabe mächtig laut in den oberen Geschossen des Bunker. 

Aber gehen wir zunächst wenige Stunden zurück. Das frische Merch, angelehnt an ein gewisses schwedisches Möbelhaus, ist in Teilen schon wieder vergriffen, betritt zunächst einmal Support-Act Serious Klein die Bühne. Der Newcomer, der aktuell auch global immer weitere Kreise zieht und von Ahzumjot persönlich Folge 11 unseres noch in den Kinderschuhen steckenden BACKSPIN Podcast eine große Karriere prognostiziert bekommt, lieferte in seinem Set einen Querschnitt seines bisherigen Output. Daneben kündigte er ganz ungeniert sein Debüt-Album an und prämierte direkt noch einen Song daraus. Das Publikum präsentierte sich auch hierbei schon elektrisiert und machte gegenteilig zum häufig leider omnipräsenten „Support-Act-Struggle“ bei sämtlichen Spierenzchen mit. Allgemein zeigt Serious Klein auch Live sein immenses Potenzial in Form von variablen Flow-Spielereien á la Big Sean und einer technisch starken Performance. 

Raum Live

© Christian Alsan

Keine Pinkel-Pausen-Länge später stand auch schon der Gastgeber des Abends auf der Bühne und eröffnete nach einem nicht unwichtigen Disclaimer inklusive vier Regeln an das Publikum für das Kommende – Handys während der Show sind ungebetene Gäste – mit dem Song „Geier“ standesgemäß. Der weitere Verlauf des Abends stellte ein recht gleichwertiges Potpourri aus Songs der Quader-Reihe sowie der Raum-Playlist dar, garniert natürlich mit den Gastauftritten aller „Raum“-Feature-Gäste. Die minimale Enttäuschung, dass sich etwas Output-Scheu gewordene Credibil lediglich für seinen „Nur dass du weißt“-Part auf die Bühne gesellte, sollten schließlich Lance Butters sowie Deutschraps Turn-Up-Combo Nummer Eins Crack Ignaz und LGoony alsbald wettmachen. Vor allem als der absurde LGoony-Hit „Wasser“ drehte sich die Location einmal auf Links. 

Für die Fünf Songs Starke Zugaben-Salve ließ sich Ahzumjot wiederum nicht die Aufmerksamkeit nehmen, warf mit „Atmen“, „Prio“ und „Gut in der Nacht“ nochmal drei seiner größten Hits in den Raum und teilte für das Finale doch noch das Spotlight mit allen Beteiligten und Bruhs. 

Raum Live

© Christian Alsan

Resümierend zeigte sich vor rund einer Woche erneut, wie viel Liebe fürs Detail, Herzblut und Leidenschaft Ahzumjot in seine Musik steckt. Denn neben Koordination der wirklich umfangreichen Gästeliste für sein Set und dem brandneuen Merch fügte sich auch die, durch eigentlich recht simple Lichttechnik geschaffene, Atmosphäre perfekt in die Symbiose zur Musik. Wie schon zur Lowkey-Tour im Frühjahr des vergangenen Jahres beweist man erneut, dass es keine überambitionierte Licht-Show für solch eine Location-Größe braucht und wenige, fast synästhetische Farben ein weitaus passenderen und ruhigeren Rahmen bieten. 

Der zweite Punkt, der zwischen und nach den über 90 Minuten Show immer klarer wird: Ahzumjot macht wirklich gute Beats und hat sich mit „Raum“ in eine Produzenten-Riege hochgespielt, zu denen hierzulande vielleicht noch eine Handvoll anderer Namen gehört. Die einzelnen Beats, sei es das unfassbar hypnotische „Stunten“, das angriffslustige „Nur dass du weißt“ oder das rumpelnde „IHEOA“, sprundeln nur so vor Ideen und Sounds und sind trotzdem immer perfekt ausbalanciert anstatt gnadenlos überladen. 

Raum Live

© Christian Alsan

Zur Abrundung des Abends ging es nach dem Konzert und einem kurzen Zwischenstopp am gegenüberliegenden Kiosk schließlich erneut die rustikalen Treppen hinauf ins Turmzimmer des Bunkers für die Aftershow-Party. Kleine Randnotiz: Vor nichtmal zehn Monaten hatte der „Lowkey“-Tourstop von Ahzumjot und Chima Ede noch hier stattgefunden und nicht in der mehr als doppelt so viele Menschen fassenden Schwester-Location nebenan. Zum Glück bleibt es bei der Live-Umsetzung von „Raum“ nicht nur bei der Hamburg-Premiere. Vor wenigen Tagen kündigte Ahzumjot eine weitläufigere Tour durch neun Städte Deutschlands an. 

Raum Live

© Christian Alsan

Hier gibt es Tickets für die „Raum“-Tour im Mai!

Hier könnt ihr euch „Raum“ anhören.  

Hier findet ihr Ahzumjot bei Instagram.

The following two tabs change content below.
Das Wu-Tang-Pizza-Tattoo auf seinem linken Oberschenkel beschreibt ganz gut seinen Charakter.

Erzähl Digger, erzähl

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.