Unter Brüdern: Mädness & Döll übereinander

Döll

Nachdem Mädness und Döll in den vergangenen Jahren ihre Solo-Wege in Sachen Rap bestritten haben, hat das hessische Brüderpaar vor rund einem Monat ihr erstes gemeinsames Album „Ich und mein Bruder“ veröffentlicht. Zwölf Tracks auf schlichten, leichten Understatement-Instrumentals, die dennoch sehr melodisch daher kommen und Geschichten beheimaten, die irgendwo zwischen Battlerap und Storytellern um und über die gemeinsame Vergangenheit der beiden angesiedelt sind. Die Brüder komplettieren nicht nur ihre Geschichten, sondern auch ihr gemeinsames Auftreten in Sachen Delivery und Flow.
Ein Monat nachdem das Kollabo-Projekt zurecht mit Lob und Anerkennung übersät wurde, gehen Mädness und Döll nun auf gemeinsame Tour. Das die Hessen eine gemeinsame Leidenschaft haben, ist wohl kaum zu übersehen. Inwiefern sie sich allerdings ähneln, wie gut sie einander einschätzen können und welche Rap-Artists sie beeinflussen, haben wir auf simple Weise erfragt: Zwei Interviews, ein Fragenkatalog. Bei zwei getrennten Gesprächen haben wir Mädness und Döll die gleichen Fragen vorgesetzt – Wie sich ihre Antworten unterscheiden, seht ihr hier in der Gegenüberstellung. 

Wart ihr schon immer ein harmonisches Geschwister-Duo?

Mädness: Ich glaube wir hatten schon immer einen guten Draht zueinander. Wir sind natürlich auch eine Generation auseinander, uns trennen ein paar Jährchen – Darum hatten wir auch immer unterschiedliche Freundeskreise, aber wir haben uns schon immer gut verstanden.

Döll: Schon so lange ich mich erinnern kann, hatten wir einen guten Draht zueinander. Das ist die ganze Zeit auch so geblieben, wenn es nicht sogar besser geworden ist.

Das Klischee der geschwisterlichen Rollenverteilung besagt, dass der Ältere der Verantwortungsbewusste und der Jüngere der Verwöhnte, das Nesthäkchen, ist. Wie ist das bei euch?

Mädness: Das kann ich gar nicht so deutlich sagen – Ich würde es allerdings nicht bejahen. Im Zuge des Albums haben wir unsere Aufgaben aufgeteilt und da hat jeder die gleiche Verantwortung übernommen. Jeder hat das gleiche Mitbestimmungsrecht.

Es ist nicht so, dass ich als größerer Bruder die Ansagen mache und mein Bruder es abnickt, weil ich der Ältere bin – Ich glaube wir ergänzen uns da ganz gut.

Döll: Natürlich bringt er viel mehr Lebenserfahrung mit, was dem Alter geschuldet ist. Ich sehe mich da aber nicht als kleines Nesthäkchen dem erklärt werden muss, wie was zu laufen hat – Ich glaube wir sind da relativ gleichberechtigt.

Mit welchen drei Eigenschafen würdest du deinen Bruder beschreiben?

Mädness: Besonnen, zielstrebig und ehrgeizig – im Sinne von perfektionistisch.

Döll: 

Humorvoll, herzlich, hessisch.

Und mit welchen drei Eigenschaften würdest du dich selbst beschreiben?

Mädness: Ich glaube ich habe Humor, ich kann aber auch ein ziemlicher Alman sein: Mir sind Sachen wir Pünktlichkeit und seine Sachen zu erledigen und auf die Kette zu bekommen sehr wichtig. Ich würde mich auch als aufgeschlossen und kontaktfreudig bezeichnen. Richtiger Parship-Steckbrief, haha!

Döll: Reflektiert, realistisch und resistent. Hoffentlich, haha!

Was kannst du von deinem Bruder lernen?

Mädness: Ich kann von ihm sehr viel übers Rappen lernen. Techniken, Ideen – Rap an sich.

Döll: Was die Musik betrifft auf jeden Fall Gesang – gesungene Parts, wie auch Strophen.

Welche Artists haben dich beeinflusst, als du mit dem Rappen angefangen hast?

Mädnesss: Zunächst wurde ich von amerikanischen Gruppen beeinflusst: Public Enemy, 2 Live Crew, N.W.A, Ice Cube, A Tribe Called Quest.

So richtig konnte ich mich aber nicht an ihnen orientieren, da sie eine völlig andere Story zu erzählen hatten.

Ich konnte mir quasi nur abschauen wie sie Songs schreiben. Ich glaube die Einflüsse kamen durch viele Punkte, auch durch viele deutsche Artists – Es war ein Mischmasch von Leuten die ich in der Zeit getroffen und gehört habe.

Döll: Savas, Samy, Jonesmann und Eminem sind einige der ersten MCs, die ich gehört habe.

Und wen hörst du heute?

Mädness: Aktuell plädiere ich vehement für Enoq im deutschsprachigen Bereich und ein US-Artist der mir gerade gefällt ist J.Cole

Döll: Aktuell höre ich das neue Roc Marciano Album „Rosebudd’s Revenge“, die Doppel-EP von Morlockk Dilemma „Hexenkessel“ und von UGK gibt es einen speziellen Song, den ich momentan höre: „Diamonds and Wood“.

Im Soundcheck haben wir eurem Album das Potential zugeschrieben den Klassiker-Status erreichen zu können. Was ist dein Rap-Klassiker?

Mädness: Mit Blick auf unser Album ganz klar „Das Fenster zum Hof“ von den Stieber Twins. Und Audio88 & Yassins „Normaler Samt“ ist für mich ein Klassiker – Genauso wie „Hurra die Welt geht unter“ von K.I.Z. Es gibt natürlich noch viel mehr Klassiker, aber das wären drei die mir jetzt spontan einfallen.

Döll: Im Deutschrap würde ich ganz klar Kamp mit „Versager ohne Zukunft“ sagen.

Kritiker-Liebling oder Nischen-Musiker, so werdet ihr gerne mal in die Szene eingeordnet. Wo siehst du dich selbst als Künstler im Deutschrap?

Mädness:

Im Abseits, das mit dem Album jetzt aufgehoben wurde.

Döll: Ich sehe mich ganz deutlich im Neo-Future-Boom-Bap.

Einzelgänger oder Team-Player: Was gefällt dir besser, die Arbeit an einem Kollabo- oder an einem Solo-Projekt?

Mädness: Sowohl, als auch – Da kann ich mich für keins entscheiden. Ich arbeite super gerne mit Leuten zusammen. Es macht mir mega viel Spaß sich auf andere Charaktere einzulassen – Gerade auch was die Musik angeht. Aber ich habe auch schon immer meine Solo-Projekte gemacht, bei denen ich Sachen ausdrücken wollte die nur mich betreffen. Da wollte ich dann auch nicht, dass wer anderes etwas dazu sagt – Das sind einfach meine Storys, die auch von mir alleine erzählt werden sollen.

Döll:

In meiner menschlichen Natur bin ich eher ein Einzelgänger

– Das hat auch ein bisschen mit meinen Lebensabschnitten zu tun. Ich bin alleine nach Spanien gezogen, danach alleine nach Stuttgart usw. Von daher bin ich es gewohnt sehr viel Zeit allein zu verbringen und finde das auch gar nicht schlecht. Aus dem Aspekt würde ich sagen, dass ich ein Einzelgänger bin – Was die Musik betrifft, gefällt mir beides. Das erste Album war auch ein Duo-Projekt mit Nomis. Es ändert die Herangehensweise, wenn man mit jemand anderem zusammenarbeitet, aber ich mag beides sehr gerne. Beides hat seine Vor- und Nachteile.

Welcher Track von „Ich und mein Bruder“ bedeutet dir am meisten?

Mädness: Jetzt könnte ich rumlullen und sagen, dass mir jeder Track wichtig ist, was auch wirklich der Fall ist – Ein Schlüsseltrack ist für mich allerdings „Alright“.

Döll: Es ist wahrscheinlich „Kein Tag“, weil bei dem Track das Persönlichkeitslevel ganz oben ist. Das ist der persönlichste Track auf einem ohnehin schon persönlichen Album. Ich glaube aus dem Aspekt ist es auch der Wichtigste.

Was bedeutet „Ich und mein Bruder“ für dich?

Mädness: Zum einen habe ich mit meinem kleinen Bruder ein Album gemacht habe, dass ich so schnell nicht vergessen werde. Zum anderen bedeutet es mir extrem viel, weil wir es geschafft haben durch unsere gemeinsame Leidenschaft etwas gemeinsam zu stemmen – Das ist einfach großartig, das macht mich sehr froh.

Döll: Mehr als das ich es in eine kurze Antwort packen könnte. Einer der letzten Sätze auf dem Album ist:

„20 Jahre nachdem ich das erste Mal Platten hörte aus Mäds‘ Zimmer, machten wir eine zusammen, an die wir uns in 20 Jahren noch erinnern“.

Für mich persönlich ist es ein sehr bewegender Kreis der sich um das Album bildet. Ich habe Musik über Marco kennengelernt – aus dem einfachen Grund, weil ich das Nebenzimmer hatte und zwangsläufig die Musik gehört habe, die er hörte. Damit hat es für mich angefangen. Zwanzig Jahre später mit einem gemeinsamen Album da zu stehen, ist schon ein bewegender Moment.

Abgesehen davon startet mit dem Album für uns beide ein neuer Lebensabschnitt, den wir gemeinsam beginnen.

Am 10. März hat das gemeinsame Album „Ich und mein Bruder“ sein Release gefeiert. Rund einen Monat später präsentiert das hessische Brüderpaar das neue Werk im Rahmen ihrer Tour. Heute Abend findet der Tourauftakt in Hamburg statt. Alle weiteren Termine findet ihr hier

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