Ufo 361 – Ich bin ein Berliner (Review)

Ufo361-Ich-bin-ein-Berliner-Album-Cover

Offenbar legte Ufo361 auf Geheiß seines Zahnarztes einen Stilwechsel ein, als dieser ihm die Kauleiste vergoldete. Und der Onkel Doktor behielt Recht: Grillz und Boombap – uh ich weiß nicht. So wartet uns Ufo mit einem der größten Mixtapes des noch jungen Jahres auf, dessen Resonanz die meisten Alben der Konkurrenz verblassen lässt. Ob „Ich bin ein Berliner“ tatsächlich ein derart derber Imagewechsel für den Kreuzberger ist, klärt sich im Laufe des Textes.

Allerspätestens seit John F. Kennedy wird einer Stadt selten so gefrönt, wie der Metropole an der Spree. Doch würde ein alteingesessener Berliner seine Geburtsstadt wirklich so hingebungsvoll lieben, wie die Pariser, Wiener und Römer? Nein, der kühle Umgang mit der eigenen Herkunft macht den Charme der Schnauze, auch wenn woanders wohnen trotzdem nie in Frage käme. Diesen Aspekt gibt kaum eine Heimat-Hymne authentischer wieder, als Ufos Titel-stiftende Single „Ich bin ein Berliner“. Das stockdüstere Soundkleid des Tapes steht zwar repräsentativ für den Trap, doch Instrumente des Nischen-Genres Horrorcore schaffen eine differenzierte Ästhetik. Richtig rund wird diese durch Ufos blechiges Geheule, stark verzerrt in den Höhen. Verantwortlich zeigen sich die Broke Boys, die fast das komplette Release ausproduzierten. Vor nicht einmal einem Jahr arbeitete UFO noch mit unzählbar vielen Produzenten, wie beispielsweise M3 und Planet Earth, mit dem er den Reggae-Song „GanjaBoi“ aufnahm. Ähnlich hält der Kreuzberger es auch mit den Gästen. Anstatt mit Karate Andi, Morlockk Dilemma und Blut & Kasse zu rappen, vertraut er diesmal auf die Künste von Celo & Abdi, Bonez MC und Sido. Einerseits zeigt das, wie sehr er in der Szene geschätzt wird, andererseits zeugt es auch von seiner großen Experimentierfreudigkeit. Von Boombap auf Trap? Nicht ganz, denn Ausflüge in die Fallen Atlantas unternahm Ufo bereits auf früheren Veröffentlichungen. De facto riecht „Ich bin ein Berliner“ mehr nach Imagepflege statt Imagewechsel.

An der Platte reizt mich vor allem der Spagat zwischen bitter-ernster Melodien, lähmender Zombie-Pattern und dem eigentlich sonnig-sympathischen Esprit des Protagonisten. Die daraus resultierende Alleinstellung lässt rückschließen, dass „Ich bin ein Berliner“ noch lange nachwirken wird. Aber „eigentlich brauch ich nicht mehr viel zu sagen, gib dir des Mixtape“.

INTERPRETEN

Ufo361 – Ich bin ein Berliner
 VÖ Datum: 25. März 2016
Verkaufsrang: #38 in Hip-Hop und Rap
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Seit 2014 Album-Kritiker an Bord der BACKSPIN, angeheuert als Reinkarnation Marcel Reich-Ranickis: „Ich kann nicht anders, ich muss einfach nörgeln“.

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