Tyler, The Creator: Flower Boy oder Internet Troll?

„Flower Boy“ ist heute erschienen. Tyler, The Creator, Comedian, Designer, Entertainer, Rapper und Founder von Odd Future Wolf Gang Kill Em All (OFWGKTA) zieht mit seinem neuen Album alle Aufmerksamkeit auf sich. Ein Album, indem er sich viel Platz für Selbstreflexion, Emotionen, Freundschaft und ähnliches lässt. Die Beats auf „Scum Fuck Flower Boy“ enthalten ruhigere Instrumentals, als von Tyler bekannt. Samples, Gesang und Träumereien. Die jedoch größte Kontroverse an dem ganzen Projekt sind Lyrics wie „I just wanna Boogie to some Marvin“ oder „I’ve been kissing white boys since 2004.“ Mit Themenanstößen wie „I’ve been wanting to come out the closet“ stellt sich Tyler jetzt in ein anderes Licht. Der Rapper, der sich öffentlich über Homosexualität lustig machte und „aus Spaß“ öfter sagte er wäre homosexuell, scheint das Ganze jetzt ernst zu nehmen. Oder doch nicht? Denn Tyler sagt mit seinem einzigartigen Humor viele Dinge und einige davon haben keinen Bezug zu irgend einer Ernsthaftigkeit. Diese Leichtigkeit und Einzigartigkeit findet viele Anhänger, aber ernsthafte Themen und Meinungen mit Tyler zu besprechen scheint eine Kontroverse in sich zu sein. In einem Interview von 2014 mit Larry King äußerte er sich so gegen „Menschen, die sich unwohl mit ihrer eigenen Präsens fühlen.“ Diese Art von Mensch mache ihm Angst, so Tyler. Doch definiert er sich in dem Video nicht eher selbst?

Denn er hat gerade ein potenzielles Outing, nachdem er jahrelang über Homosexualität hergezogen hat. In dem Video geht er sogar so weit zu sagen, das er sich wundert, wieso es Leute interessiert, auf welches Geschlecht jemand steht. Laut Tyler sei es komisch, dass durch dieses Thema soviel Aufmerksamkeit erlangt wird. Umso schwieriger zu verstehen, wieso er diesen Weg geht. Bereits unter OFWGKTA machten sich beispielsweise Frank Ocean und Tyler öffentlich über Homosexuelle lustig. Erstes Resultat daraus: Frank Ocean’s Outing als bisexuell mit durchweg positiven Reaktionen und einem Karriereboost. Tyler machte sich weiterhin über Franks Outing lustig. Ist jetzt Tyler dran mit outen? Oder verhält sich der humorvolle Rapper einfach so wie immer? In den Texten seines Albums sind viele Mehrdeutigkeiten zu finden. Die Metapher mit dem „Coming Out the Closet“ beispielsweise trägt sich schon länger durch Tyler’s Leben und ist wieder auf dem Album zu finden. 2015 tweetete er bereits folgendes: „I tried to come out the damn closet like four days ago“

 

Relevant wird diese Aussage doch erst jetzt, zwei Jahre später. Denn bereits nach den ersten releasten Tracks von „Flower Boy“ wurde klar: Tyler, The Creator will sich entweder outen, ein Zeichen für Homosexualität setzen, einen Witz machen, oder hat sonst etwas vor. 2015 war der Tweet einer unter vielen, lustigen, zusammeghangslosen Statements. Die Meinungen sind jetzt inzwischen geteilt, inwiefern Tylers Aussagen ernst zu nehmen sind. Klar ist auf jeden Fall: die Aufmerksamkeit, die Outings heutzutage in den Medien bekommen, ist auf jeden Fall gegeben. Wie er bereits in dem Interview mit Larry King angesprochen hat, interessiert es auf einmal Alle, wenn jemand wieder sprichwörtlich aus dem Schrank kommt. Tylers Fans verhalten sich sehr unterstützend und es scheint so, als würde er durch „Flower Boy“ einen Nerv getroffen zu haben. Falls seine Texte ernst zu nehmen sind, ist es ihm in Bezug auf seine Freunde auf jeden Fall schwer gefallen, sich zu outen. „All my day ones turn to three, fours cause of track seven“ Mit der Line ist der Titel „Gardenshed“ gemeint. Metaphorisch versteckt er sich in dem Gartenhaus vor seinem Outing, also vor dem „Coming out the Closet.“

 

Zu sehen auf dem Bild links: Tyler illustriert das potenzielle „aus dem Schrank gehen“ anhand einer regenbogenfarbigen Figur. Mit der Sprechblase „Is it Save?“ Spricht er die Angst auf die Reaktionen auf ein potenzielles Outing aus. Mit der Bildunterschrift „Can’t sleep; in Europe; Been Drawing Stuff“ bekommt das sehr farbenfrohe Bild eine sehr emotionale Wirkung. Probleme sieht die britische Regierung in Tylers Texten aus dem Album „Bastard“, dass vor acht Jahren erschien. 2015 bekam er so ein Einreiseverbot für United Kingdom. Die Regierung will Tyler– bzw eins seiner alter Egos nicht dulden. Ernstgenommen oder nicht, bleibt Tyler, The Creator eine Intelligente Person, mit einem Humor, für den viele noch nicht bereit sind, beziehungsweise für den viele nie bereit sein werden.

Letztenendes hat Tyler, The Creator auf jeden Fall gezeigt, wie egal es für seine Fans und speziell auch seinen Werdegang ist, dass, oder ob er homosexuell ist. Mit dem sehr gelungenen Album „Flower Boy“ setzt er auf jeden Fall ein Zeichen, selbst wenn nichts davon ernst zu nehmen wäre. Falls das Ganze doch ernst gemeint ist, wäre es ein weiterer Meilenstein im Hip-Hop. Denn jetzt grade kann sich ein Rapper über Homosexualität lustig machen, sie gleichzeitig ausleben und für seine Kunst und seine Person respektiert werden. Das wäre eine bahnbrechende Entwicklung und von Tyler defititiv ein sehr durchdachter, kluger Schritt für seine Karriere und für Hip-Hop ansich. 

The following two tabs change content below.
Der Nachname ist Programm.

Erzähl Digger, erzähl

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.