Trettmann: „Ich bin dann auch bereit zu gehen, wenn ich etwas nicht mehr fühle.“

Obwohl die erste „KitschKrieg“ EP erst im Januar veröffentlicht wurde, legte der Leipziger Trettmann direkt am 11. Mai mit dem zweiten Teil nach. Das Trio namens KitschKrieg, bestehend aus Teka, Chris von Symbiz Sound und SoulForce-Chef Fizzle, hält das Tempo weiter hoch. Anlässlich des Tourstopps im Hamburger Kleiner Donner haben wir uns bei Fisch und Bratkartoffeln mit Trettmann und Fizzle über die neue EP, Herangehensweisen sowie Künstler und Musik, denen die Zukunft gehören könnte, unterhalten.

Die „KitschKrieg“ EP ist doch gerade erst herausgekommen. Wie kommt’s, dass da so schnell nachgelegt wurde?

Trettmann: Erst einmal war es ein sehr guter Start. Es gab überall positives Feedback und die EP hat fast überall stattgefunden. Es hat halt funktioniert. Für mich war’s auch das erste Mal, dass alles richtig stimmig war. Das waren nicht irgendwelche Songs mit jamaikanischen Produktionen, die ich mir aus dem Netz ziehe und dann im Schnellschuss aufnehme. Nun ist alles ausgetüftelt. Da ist Raum für Stimme, die Beats pumpen im Club. Es ist alles so positiv, auch die Zusammenarbeit mit KitschKrieg an sich – das beflügelt. So wird man dazu animiert weiterzumachen und zu schreiben. Dazu kommt auch noch, dass KitschKrieg einfach permanent liefert. Wir haben auch momentan noch recht viele Songs, die auf Halte liegen. Chris baut mit Teka und Fizzle auch immer weiter.

Ich habe mich nämlich gewundert warum nicht einfach ein Album kommt, wenn man innerhalb von weniger Monate zwei EPs bringt. Kann man der ersten KitschKrieg EP dann einen Testcharakter zusprechen?

Trettmann: Ja, „KitschKrieg“  war auch eine relativ spontane Geschichte. Die Idee war einfach mal fünf Songs zu machen und zu schauen, was passiert. Es war aber nie so, dass wir ein Konzept hatten und dachten „Wir testen das nun“. Wir hatten ein Angebot eine Video-Trilogie zu drehen,  was dann aber nicht geklappt hat. Im Zuge dessen haben wir dann gesagt „ja dann lass uns doch gleiche eine EP machen.“ Das machte Sinn, weil nur noch ein Song fehlte und dann waren fünf Songs zusammen. Das mit den Videos hat dann nicht mehr geklappt, das haben wir dann einfach selbst gemacht. Aber es hat halt funktioniert. Das Feedback war so nice, dass es Sinn macht weiterzumachen und es macht auch einfach Spaß.

Kann man dann denn auch sagen, dass die zweite EP den Gedanken – den Soundentwurf der ersten EP – weiterdenkt?

Trettmann: Der Sound von „KitschKrieg 2“ geht natürlich in die gleiche Richtung wie auf „KitschKrieg“, KitschKrieg haben mir diesen leicht leiernden 808 Sound schon gut auf den Leib geschneidert. Da ist Platz für meine Stimme und Stylemässig ist das genau mein Ding, was die Jungs da gemacht haben. Ich habe auch alle Beats benutzt die sie mir geschickt haben, da war kein Ausfall bei. Eine KitschKrieg Stärke ist auf jeden Fall auch dass Sie verstehen was der Künstler braucht/will; Man bekommt nicht so wahllos einen Order mit 50 Beats, sondern Fünf auf den Leib geschneiderte Dinger und das ist dann die EP. Das habe ich so vorher auch noch nicht gemacht, aber hier passt das einfach also warum nicht?

Alle wollen, dass ich so weitermache, doch ich schulde kein‘ ein‘ Gefallen

Fizzle sagt, wenn ich so weitermache, dann füllen wir im Winter Hallen

– Alles echt

Dann kann man aber ja davon ausgehen, dass es letztendlich in einem Album mündet. Fizzle sagt ja auch, dass im Winter die Hallen voll gemacht werden.

Trettmann: Im Endeffekt ja. Das ist das Fernziel, aber es fehlen noch ein paar Songs. Es muss sich ja lohnen. Es ist ja auch so, dass die Leute es im Moment noch wahrnehmen und das irgendwie mit Cloud oder Trap labeln. Wir sind da vollkommen frei und machen einfach die Musik, die uns gefällt.

Das ist ja auch eine unsägliche Klassifizierungskiste – Cloud/Trap.

Trettmann: Vollkommen klar. Es war in der Musik ja schon immer so, dass die Medien und die Journalisten Begriffe brauchen. Es geht von Trip-Hop bis Acid Jazz und das wird sich in Zukunft auch nicht ändern.

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Ich finde schon, dass man gewisse Künstler aufgrund ihres Sounds bündeln kann und auch etwas unter dem Label „cloudy/wavy/irgendwas“ verstehen kann. Glaubst du, dass das eine Momentaufnahme ist und dass diese Blase, die ja noch gar nicht so richtig aufgegangen ist, bald wieder platzen könnte?

Trettmann: Sie hat auf jeden Fall einen Hype und existiert in Amerika ja schon viel, viel länger und ist dort auf jeden Fall noch nicht geplatzt. Du merkst ja wie viele Tunes da jede Woche kommen. In Deutschland werden die Leute, die sich damit beschäftigen, sagen, dass es gerade seinen Peak hat, aber in der breiten Masse ist es noch nicht angekommen. Ich stelle jetzt selbst so Reaktionen bei Leuten fest, die nicht wissen wie man zu diesem Downtempo tanzen soll. Nach diesem ganzen Major Lazer, Bauuer Kram ist nun Entschleunigung angesagt und Deutschland braucht da, glaube ich, noch einen Moment bis es auch in die Dorfdisko schwappt.

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