Trendsetter Medien – gesellschaftliche Phänomene, die durch YouTube und Co entstehen

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Trends oder Hypes ziehen sich wie ein roter Faden durch unsere Gesellschaft. Immer wieder taucht etwas Neues auf, das für kurze Zeit in aller Munde ist, aber in vielen Fällen ganz unauffällig nach wenigen Wochen wieder verschwindet. Viele dieser Trends sind so durchdringend, dass kaum jemand in der Gesellschaft daran vorbeikommt.

Doch woher kommen derartige Strömungen und wie setzen sich diese durch?

Medien und mediale Vorbilder als Instigatoren

Eine Sache ist besonders auffällig: Vor allem jüngere Leute sind höchst empfänglich für solche Trends. Die Ursache für solche sozialen Phänomene ist also dort zu finden, worauf sich zu einer gegebenen Zeit die Aufmerksamkeit der Jugend konzentriert.Vor der Verbreitung des Internets waren dies beispielsweise die Musikvideos der Idole. Noch davor ist die Entstehung ganzer Subkulturen auf einzelne Hotspots zurückzuführen. In fast allen Fällen sind von Jugendlichen konsumierte Medien der Ursprung.

Dabei ist der Fokus der Strömungen völlig verschieden. Ein modisches Accessoire, das von heute auf morgen „in“ ist, eine neue Freizeitbeschäftigung oder sogar eine ganze Geisteshaltung– alles kann die Folge medialer Inspiration sein.Einige Trends fallen besonders durchdringend, andere langfristiger aus.Wir haben für euch ein paar der schwerwiegendsten Hypes der letzten Jahrzehnte gesammelt.

1. YouTube Vape Videos

E-Zigaretten erfreuten sich zu Beginn ihrer Existenz nicht gerade besonderer Beliebtheit. Doch heute sind sie aus dem Alltag kaum mehr wegzudenken. An jeder Ecke gibt es einen Dampferladen und eine riesige Dampfwolke aus Autofenstern ist ein gewohnter Anblick an jeder Ampel geworden. Die Szene hat sich längst verselbstständigt und es spricht durchaus für den Impakt des Dampfens, dass es auch unlängst schon einen potenziellen Nachfolger hervorgebracht hat, der sich anschickt, die bisher verwendeten Liquids anzugreifen, Nikotinsalze.

Doch woher kommt der schlagartige Erfolg dieser vollkommen neuen Methoden des Nikotinkonsums? Man kann es auch mit dem Aufkommen von Vape-Videos auf YouTube in Verbindung bringen.

Rauch-Ringe beim Ausatmen zu machen ist nichts Neues und spätestens seit Gandalfs Segelschiff in Der Herr der Ringe sind aufwendigere Varianten bekannt. In den YouTube-Videos filmen sich junge Menschen dabei, wie sie möglichst coole Formen, Farben und Gestalten im dem ausgeatmeten Dampf aus ihrer E-Zigarette kreieren.

Der Hype war so groß, dass er ohne Zweifel einen großen Anteil am plötzlichen Erfolg von Vaporisierern hatte.Auch in anderen Bereichen der Medien haben sich E-Zigaretten verselbstständigt und Vermarktungspotenzial entwickelt.So haben die erfolgreichen Rapper aus dem Kollektiv 187 Strassenbande eine eigene Produktreihe von Liquids entwickelt.

2. Challenges von YouTube und Co

Wieder Jugendtrends, wieder das Internet, wieder YouTube. Die Form der „Internet-Challenge“ ist ein völlig neues Konzept, das viele Faktoren in sich vereint, die zur Popularität beitragen. Da Teilnehmer nicht nur in ihrer Freizeit ein Verhalten nachahmen, sondern tatsächlich selbst zu Content-Creatorn, nominieren weitere Freunde und tragen so zusätzlich zur Verbreitung des Phänomens bei.

Der bekannteste Vertreter unter den Challenges ist natürlich die ALS IceBucket Challenge, welche im Jahr 2014 in Leben gerufen wurde und eine unvergleichliche Hype-Welle ausgelöst hat. Glücklicherweise zu einem guten Zweck: Es wird geschätzt, dass durch die Videos fast 100 Millionen US-Dollar an Spenden zusammengekommen sind, die der Forschung gegen die Nervenkrankheit zu Gute gekommen sind. Dadurch, dass Stars und Fans gleichermaßen an dem Trend teilnehmen konnten und genügend große Idole auch mit aufwendigen Videos dazu anspornten, war dies ein unvergleichlicher Hype, der bis heute Seinesgleichen sucht.

3. Project X Parties

Viele erinnern sich vielleicht noch daran. Im Jahr 2012 kam der Party-Film Project X in die Kinos. Der Plot war dabei recht simpel gehalten: Ein paar unbeliebte Teenager veranstalten eine große Party, um ihr Ansehen zu steigern. Diese wird allerdings viel größer als geplant und gerät außer Kontrolle.

Durch den erfolgreichen Film fanden sich insbesondere in den USA und Europa viele Fans dazu inspiriert, den Spaß nachzuahmen.Das Problem dabei: Schon im Film geht zwar alles schief (Polizeieinsätze, Hausbrand, Auto im Pool versenkt) und die unglückseligen Veranstalter müssen die Konsequenzen tragen, aber durch die durchweg coole Inszenierung fielen diese Aspekte bei Fans unter den Tisch.

Daher entstanden in den Staaten und Kanada auch hierzulande solche chaotischen Parties, bei denen mit öffentlichen Einladungen über soziale Medien im Internet und Mundpropaganda hunderte Gäste angelockt wurden.Der eigentlich schon fast vergessene Trend Facebook-Party wurde damit spontan wiederbelebt. In den ersten paar Monaten nach Veröffentlichung des Films kam es in mehreren Ländern zu chaotischen Parties, die von der Polizei aufgelöst werden mussten.

4. Der Werther-Effekt

Nicht alle Einflüsse der Medien sind ganz erfreulich. Durch die große Reichweite verschiedener Inhalte werden große Zahlen von Menschen erreicht und beeinflusst.

Um einmal zu demonstrieren, wie schwerwiegend und einflussreich der Medienkonsum ist, kann man den so genannten Werther-Effekt erklären. Frei nach dem Namensgeber aus Goethes Die Leiden des jungen Werther, der sich am Ende des Werks das Leben nimmt, bezeichnet dieser das Phänomen, dass nach medialen Referenzen der Selbsttötung die Zahlen solcher Fälle auffallend zunehmen.

Schon nach der Erstveröffentlichung sei es zu einer Welle an Selbstmordversuchen gekommen, weshalb seitdem der Effekt danach benannt wird.Kürzlich kam dieser Effekt wieder ins Gespräch: Nach der Veröffentlichung der Serie Tote Mädchen lügen nicht stiegen die Zahlen solcher Vorfälle, die mit Trittbrettfahrern in Verbindung gebracht wurden, an.

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5. Jumpstyle-Videos und der Floss Dance

Zurück zu erfreulicheren Themen. Solche Hobbys und Tanz-Arten waren hierzulande kaum bekannt, als in den mittleren 2000er-Jahren Jumpstyle- und Hardstyle-Videos auf Youtube bekannt wurden. Plötzlich stieg die Popularität an – jeder kannte jemanden, der Jumpstyle tanzte.

Durch diesen Trend wurden der Tanzstil und die dazugehörige Musik schnell weltbekannt, bis schließlich auch Scooter ihr von dem Genre inspiriertes Album Jumping All Over the World veröffentlichten. Spätestens danach wurde das Jumpen zu einem internationalen Phänomen.

Eine ähnliche Erfolgsstory erlebte ein skurriler Tanzstil erst kürzlich wieder: Durch einen Auftritt eines jungen Bühnentänzers bei einer Show von Katy Perry im amerikanischen Fernsehen bekannt geworden und dann durch die Implementierung im Videospiel Fortnite wurde der Floss Dance zum Hit.Überall in Schulen tanzen Kinder und Jugendliche mit schwingenden Armen –Eltern und Lehrer dürfte dies sicherlich nicht entgangen sein.

6. Die Mode von Subkulturen, durch Idole geprägt

Nicht nur einzelne, kurzlebige Trends werden durch den Medienkonsum in der Gesellschaft ausgelöst – ganze subkulturelle Strömungen, die viele Jahre überdauern, finden ihren Ursprung in der Unterhaltungsbranche. Allen voran dabei die Musik – Szenen wie Punk wären ohne die Verbindung mit den jeweiligen musikalischen Genres undenkbar.

Auch Grungeist hier ein gutes Beispiel – der alternative Stil nahm mit dem plötzlichen Erfolg von Nirvana in den frühen 90ern Kurs auf die internationale Popularität. Aber auch, HipHop und Emo-Subkulturen wurden durch die stilistischen Prägungen bestimmter Künstler inspiriert.

Ein ähnlicher Trend, der in der letzten Zeit zu beobachten ist, sind Sneakers, allen voran Kanye Wests Yeezy-Reihe die von Adidas hergestellt wird. Die Schuhe verzeichnen international einen riesigen Erfolg und sind trotz der hohen Preise äußerst begehrt. Sie sind fest mit HipHop verbunden und die Sportschuhe bekannter Marken sind ein Schlüsselelement der Szene.

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7. Sonnenbrillen aus Top Gun

Dies soll als Paradebeispiel für Modeaccessoires gelten, die durch Hollywood-Produktionen eine Erfolgsstory gestartet haben.

Wenn Tom Cruise seine Ray Ban Aviator mit goldenem Rahmen und großen Gläsern aufsetzt, strahlt er einen grenzüberschreitenden Coolness-Faktor aus. Pilotenbrillen haben durch diesen Film erst ihren Status als Nonplusultra-Modell der Sonnenbrillen erhalten. Von einem erfolglosen Nischenprodukt wurde sie zu einem absoluten Kassenschlager.

Direkt nach der Veröffentlichung des Streifens im Jahr 1986 stiegen die Verkäufe des Aviator-Modells um 40 Prozent. Von da an war es „smooth sailing“ – bis heute gewinnt die coole Sonnenbrille konstant an Popularität.

In diesem Fall ist es übrigens kein organischer Trend, der vom Publikum ausging und sich verselbstständigt hat – es war eine geplante Kampagne der Produktplatzierung, Schleichwerbung in Perfektion. Nur durch den spürbaren Nachahmungs-Effekt, den unsere Idole auf der Leinwand haben können, ist die Schleichwerbung eine so effektive Form der Vermarktung geworden.

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Hausinterner Flachwitz-Generator!

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