Top 10 Januar – Juni 2016: Yannick W.

1873.
Gzuz & Bonez MC – „Intro“
(Video)

„Immer noch das selbe Spiel – Eins-Acht-Sieben!“, heißt es auf dem Opener von Gzuz‘ und Bonez MCs zweitem Kollaboalbum „High & Hungrig 2“. Und das, obwohl sich bei den Jungs aus Hamburg in den zwei Jahren seit dem ersten Teil, zumindest nach außen hin, verdammt viel getan hat. Ob das nun drei Top 10 Platzierungen in nur einem Jahr, eine Echo-Nominierung oder schließlich sogar die Nummer 1 in den Charts war – die 187 Strassenbande schwimmt gerade auf dem aktuell größten Hype im Deutschrap. Trotzdem bleiben sie sich und ihrer Schiene treu, zeigen sich auch in der Öffentlichkeit noch als prollige Rapper und scheißen auf alle sozialen Gepflogenheiten. Die Musik entwickelt sich dennoch konsequent weiter, durch Bonez kommt ein immer größer werdender Dancehall-Anteil dazu, auch Jambeatz zeigt sich von Platte zu Platte vielseitiger. Er schafft es, die düstere Grundatmosphäre auf verschiedene Art und Weise zu transportieren. Zwar hat mich das Album in seiner Gänze nicht so geflashed, als dass es meinen dritten Rang verdient hätte. Das druckvolle, ignorante und knallharte „Intro“ hingegen sehr wohl. Das Video kommt mit allem daher, was die Bande ausmacht. Oder anders: „Das Siegel steht für Qualität“ – und das wird wohl noch für einige Zeit so bleiben.

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Prezident-Limbus-Cover2.
Prezident – „Limbus“
(Album)

„Nicht auszurasten kann ein Vollzeitjob sein/
sich selbst treu bleiben und dabei nicht stock steif ebenfalls“

Der Teller dreht sich, man legt die Nadel auf die Scheibe, es knistert, knarzt, dann scheppert´s. Etwa so startet man mit Prezident auf eine packende Reise in und durch den „Limbus“. Nicht erst mit seinem letzten Album, dem er den griffigen Titel „Kunst ist eine besitzergreifende Geliebte“ verpasst hat, zeigte Prezi, dass er im Deutschrap zu der Speerspitze der Texter gehört. Auf „Limbus“ findet das Ganze allerdings seinen bisherigen Höhepunkt. Auf dem herrlich dreckigen, polternden Unterbau, den hauptsächlich Jaybeaz für die Platte gezimmert hat, taucht man komplett in die düstre Musikwelt eines genervten, teils sogar geekelten Protagonisten ein. Dabei entsteht eine gewisse Epochalität, die nicht etwa von großer, pompöser Musik, sondern eben nur von den Worten und Prezidents außergewöhnlichen Stimme getragen wird. Paradebeispiel dafür ist „Doktor Eisenstirn“, dessen düsterer Beat komplett ohne Drums auskommt und dennoch sehr druckvoll nach vorne zu preschen scheint. Generell wird das minimalistische Beatkonstrukt durchweg von seiner Delivery dominiert. Nach einer guten Stunde kommt man dann wieder in der Realität an und fragt sich ‚Wo ist die Zeit geblieben?‘. Und doch will man das Album dann direkt noch einmal starten und sich auch beim zehnten Durchgang noch von Prezident mitreißenn lassen. Ein Musterbeispiel von Album, das sein Ziel, aus dem Mittelmaß auszubrechen, mit Bravour gemeistert hat.

 

TUA-Kosmos1.
Tua – „Narziss“
(EP)

Mit einem hauchdünnen Vorsprung geht der erste Rang an Tua. Schon im Soundcheck zu der EP habe ich geschrieben, dass ich eine vollkommen andere Vorstellung hatte, was da mit der neuen EP auf mich zukommt. In der Ankündigung wurde beiläufig von neuen, bisher unveröffentlichten Songs gesprochen. Dass diese neun Songs allerdings ein komplett schlüssiges Projekt ergeben, damit hatte ich nicht gerechnet. Vielleicht war ich gerade deswegen zu Beginn so überrascht von „Narziss“. Dass die EP aber auch jetzt noch beinahe einmal täglich bei mir läuft, zeigt allerdings, dass es sich bei meiner Begeisterung für das Projekt nicht nur um anfängliche Euphorie handelt. Benannt ist die EP nach einer Gestalt aus der griechischen Mythologie – passt schon mal zu Tuas Art – der sich in sein eigenes Spiegelbild verliebt und so gleich einer Psycho-Macke seinen Namen gegeben hat. Damit dürfte schon ziemlich schnell klar sein, was auf der EP im Mittelpunkt steht – Tua selbst. Anstatt aber Lobeshymnen auf sich selbst zu singen, wie es ein typischer Narzisst machen würde, reflektiert er in den Texten alte Taten, die von Egoismus gelenkt waren, mal mit Distanz, mal als unmittelbares Geschehen. Textlich wird der Inhalt – ebenfalls typisch für Tua –  auf die Essenz heruntergebrochen, mit wenigen Worten wird viel vermittelt, oft auch mit doppelten Böden. Ebenfalls spannend fand ich es, wie Tua einen in der Zeit zurückversetzen kann. Im Vergleich zu seinen neueren Platten, die hauptsächlich auf elektronischen Klängen aufbauen, bekommt man hier noch deutlich mehr organische Sounds zu hören. Kein Wunder, immerhin lag die Platte auch gute sieben Jahre unfertig herum.

So, kommen wir jetzt aber auch mal zum Ende. Ich würde euch nur zu gerne einen Stream zur Platte verlinken, aber leider gibt’s das gute Stück nur als CD und die auch nur in der Kosmos Box. Wer also jetzt Lust auf „Narziss“ bekommen hat: Gönn dir das Ding. Wer nicht, auch gut- aber du verpasst was. Immerhin einen Song darf man auch als Internet-User schon hören. Danke fürs durchhalten bis hierher, ich bin raus. Tschau.

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Ich kann quasi nur über Musik reden...

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Hanfosan

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