Top 10 Januar – Juni 2016: Yannick W.

Es ist kaum zu glauben, aber die erste Jahreshälfte ist schon vorbei und das schneller als erwartet. Es ist also Zeit, die ersten sechs Monate des Jahres 2016 aus der BACKSPIN-Sicht Revue passieren zu lassen. Da jedes Mitglied der BACKSPIN-Redaktion die erste Jahreshälfte aus einer jeweils eigenen Perspektive erlebt hat, wird es von jedem Autor eine persönliche Halbjahres-Top 10 geben. Die täglich erscheinenden Rankings bestehen sowohl aus Songs, Videos und Alben, als auch aus Konzerten, Events und anderen Hip-Hop-Momenten. Also aus allem, was unsere Hip-Hop-Herzen höher schlagen lässt. Am Ende dieses Halbjahres-Specials werden wir die Top 25 unseres BACKSPIN Soundchecks 2.0 veröffentlichen. Was für ein Start in eine aufregende zweite Jahreshälfte! Viel Spaß euch beim Lesen!

Whut? Halbes Jahr schon rum – krass! Aber es war ja auch einiges los in den letzten sechs Monaten, dann fliegt die Zeit schon mal. Umso schwieriger war es bei der Fülle an Mukke, sich auf zehn Alben, Songs, Videos und so weiter und so fort festzulegen (habe ich auch nicht ganz geschafft, hahaha). Als die Liste dann stand war ich zuerst etwas über mich selber verwundert. Sehr viel Deutschrap, weniger Ami-Krams – und das, obwohl ich das bei mir eigentlich immer als recht ausgewogen wahrgenommen habe. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich seit dem Jahresbeginn den Soundcheck betreue und deshalb quasi jeden Tag etwas über eine deutsche Platte schreiben muss, vielleicht haben die Rapper hier auch einfach derber abgeliefert – wer weiß. So, genug Vorgeplänkel, ich konnte mich bei den Platzierungen eh nur selten kurz fassen. Also, wenn du etwas Zeit mitgebracht hast: Viel Spaß bei dem, was mich in diesem Jahr am meisten gecatcht hat.

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Fruchtmax & Hugo Nameless feat. Trettmann & Haiyti – “WKM$N$HG (Ron & Shusta Remix)” (Video)

Wie kann man nur mit so einem Song in die Halbjahres Top 10 einsteigen? Wie kann man nur, kann man nur? Wenn Deutschrap in diesem Jahr einen Hit gehabt hat, dann auf jeden Fall “WKM$NSHG” von Fruchtmax und Hugo Nameless. Das Akronym für “Wie kann man sich nur so hart gönnen” schwirrte auf Twitter in der Timeline von so gut wie jedem Rap-Fan herum. Auch das Tape dazu (“Auf der Jagd nach dem HAK”) ist überaus ahnbar und hat noch den ein oder anderen Hit in petto. In diesem Fall gibt’s auf dem Remix Unterstützung von Hayiti und Trettmann, die sich beide eigentlich auch einen eigenen Platz in meiner Liste verdient hätten. Tretti hat den Aufstieg des bisherigen Jahres und mit “KitschKrieg Vol. 2” eine meiner Lieblings EPs geliefert. Gut, dass DJ Ron und DJ Shusta diese Konstellation zusammengetrommelt haben, dann bekommen auch alle ihr verdientes HAK in meiner Liste. Jagd erfolgreich!

 

 

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Fler – “Lifestyle der Armen und Gefährlichen”
(Video)

Na gut, mit dem Original Song von Big L (“Lifestyle Ov Da Poor & Dangerous” 1995) hat das hier zwar wenig zu tun, trotzdem ist es beachtlich, was Fler da wieder abgeliefert hat. Man kann über den Maskulin-CEO und seine Art sagen, was man will, aber Trap kann er einfach wie kaum ein anderer hierzulande. Das hat er mit dem Clubhit “Unterwegs” gezeigt und auch mit eben diesem Song. Da stimmt einfach das Gesamtpaket, vom wuchtigen Beat von Iad Aslan und Nico Chiara bis zu den Visuals von 100 Black Dolphins, die mal wieder 1 Movie abgeliefert haben, ist alles genau auf Flers Stil maßgeschneidert. Ich hoffe, dass “Carlo Escobar” bzw. “Vibe” diese Qualität halten kann, denn dann hat es verdammt gute Chancen, Flizzys beste Platte zu werden.

 

 

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Kanye West – “The Life of Pablo” 
(Album)

Polarisieren, provozieren und gleichzeitig Kunst schaffen, die seinesgleichen sucht – so kann man Kanye Wests bisheriges 2016 wohl ziemlich passend zusammenfassen. Mit “The Life of Pablo” (bzw.“So help me god”/“Swish”/“Waves”) legte er im Februar ein Album vor, das seinem Status als einer der größten bzw. prägendsten Musiker des noch jungen Jahrtausends gerecht werden konnte. Nach dem Ausflug in Gefilde von Industrial Beats auf “Yeezus”, bekommt man auf dem neuen Album eine klangliche Symbiose aus der Autotune-Verspieltheit von “808s & Heartbreak”, und dem groß gedachten, teils fast überladenen Sound von “My beautiful dark twisted Fantasy” geboten. Darauf gibt es einen so persönlichen Kanye wie selten zuvor zu hören. Während im Netz, in Interviews und auf der Bühne scheinbar jegliche Kritik und jeder Rückschlag einfach an ihm abzuprallen scheint, fließen eben solche Situationen maßgeblich in das Album ein. Ob nun davon berichtet wird, dass der Erfolg ihm seine Freundschaften kostet, er sich nach und nach bewusst wird, wie die Ehe sein Leben verändert, oder sich auch einfach mal nur der Frust, zum Beispiel gegenüber einem weltweit agierenden Sportwarenhersteller, von der Seele gerappt wird – der sonst so unnahbare Kanye wirkt plötzlich greifbar. Auch, dass das Album stolze vier Monate nach Release tatsächlich immer noch nicht richtig fertig ist und stetig daran gewerkelt wird, auf dem Weg zur absoluten Perfektion, macht es zu diesem spannenden Projekt, zu wirklicher Kunst.

 

 

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BRKN – “California 61”
(Track)

Einer von BRKN musste rein! Dabei fiel mir die Entscheidung, welcher Song von der ersten Platte es letztendlich in meine Liste schafft, sogar schwerer als bei so manch einzelner Platzierung. Der Berliner hat es tatsächlich geschafft, schon auf dem ersten Album fast ausschließlich Hits unterzubringen. Chapeau! Am Ende hat sich dann “California 61” gegenüber dem engsten Konkurrenten “Hollywood 36” durchgesetzt (Verrückt, meine beiden Lieblingssongs enden auf Zahlen…), weil der sich zu meinem Sommersong gemausert hat. Fühle die Nummer einfach total, auch als Nicht-Berliner. Am Ende will ich aber auch jedem das ganze Album ans Herz legen, “Kauft meine Liebe” zählt in diesem Jahr zu den bisher stärksten Debüts und macht besonders bei gutem Wetter richtig Laune. Gönnt euch einfach!

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Ich kann quasi nur über Musik reden...

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1 Comment

  1. Ich

    6. Juli 2016 at 17:39

    Ein Wort: Azad !

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