Timeless: „Vom Gefühl her, ist Antiheld auf jeden Fall mein Debüt.“

Mit „Antiheld“ steht seit letztem Freitag das zweite Soloalbum von FVN-Signing Timeless in den hiesigen Plattenläden. Obwohl er durch Gastbeiträge auf den „Willkommen im Niemandsland“ immer wieder von sich hören machte, mussten Fans und Supporter knappe drei Jahre auf ein neues Soloalbum des Kölners warten. Der „00:00“ Nachfolger fällt deutlich rougher aus und klingt dementsprechend hungriger als das Debütalbum des Vega-Schützlings. Anlässlich seines Releases haben wir uns mit Timeless über seine Inspirationsquellen, seine Ex-Siedlung in Köln und über seine Ansicht zu Antihelden unterhalten.

„Antiheld“ ist jetzt gerade ein paar Tage alt. Wie fühlt es sich an, jetzt wo das Album draußen ist und wie ist die Resonanz bis jetzt?

Timeless: Sehr, sehr gut. Negative Resonanz habe ich bis jetzt kaum, beziehungsweise gar nicht, bekommen. Alles ist bis jetzt durchweg positiv.

Du hast dich schon mehrmals mit Antihelden wie dem Silver Surfer, Vegeta und jetzt eben mit Deadpool verglichen. Was genau macht dich zum Antiheld und was macht einen Antiheld aus?

Timeless: Ich denke mal ich sehe mich so, weil ich in der Szene eine gewisse Außenseiterposition habe. Die hat sich in den letzten Jahren auch noch mal gefestigt. Der klassische Held ist für mich der geleckte, perfekte Typ. Der Antiheld aber wäre gerne ein Held, hat aber nicht das richtige Kostüm. Das ist eher so der Typ mit Ecken und Kanten. Jede Tat von ihm hat was Gutes, kann aber auch mal schief gehen und Menschen treffen und verletzen, die das nicht verdient haben. Außerdem ist das Antiheldendasein meine grundlegende Einstellung und auch die von meinem Label. Wir sind mit der Mentalität ja auch in die Szene gekommen, weil wir größtenteils keine Lust haben jede Scheiße mitzumachen. Das ist auch meine Einstellung und mit „Antiheld“ habe ich da noch eine eigene Schublade aufgemacht. Antiheld ist meine eigene kleine Ecke innerhalb von FVN.

Der Antiheld […] ist eher so der Typ mit Ecken und Kanten. Jede Tat von ihm hat was Gutes, kann aber auch mal schief gehen und Menschen treffen und verletzen, die das nicht verdient haben.

Durch die Sampler warst du ja nie so hundert prozentig weg. Durch Antiheld aber sicherlich wieder mehr im Studio. Wie hat sich die regelmäßige Studioarbeit jetzt für dich angefühlt?

Timeless: Ich war immer regelmäßig im Studio. Auch als ich für die Öffentlichkeit nicht so aktiv war, habe ich immer an Songs gearbeitet. Für das Album sind ja auch knapp sechzig Songs entstanden. Richtig weg vom Studio war ich nicht – ich habe konsequent am Mikro gearbeitet.

Das neue Album klingt deutlich rougher als dein Debüt. Ich finde „00:00“ hatte noch mehr Gesang und war eher auf „Hit“ ausgelegt. Wie kam der Wandel? Hattest du dir von „00:00“ mehr erwartet?

Timeless: Im Nachhinein bin ich mit „00:00“ relativ zufrieden. Die Reviews – die habe ich mir letztens noch mal durchgelesen – waren sehr gut. Mit den Verkaufszahlen bin ich auch zufrieden und mit der Chartplatzierung im Endeffekt auch. Ich bin damals auf Platz 31 gechartet und für mein erstes Album kann ich mich damit echt nicht beklagen. Vom Sound her hast du auf jeden Fall Recht. Ich würde sagen, dass das ein sehr jungfräuliches Album war. Ich war da in einer krassen Probierphase, habe viel ausprobiert und dadurch sind da auch viele Spielereien drauf. Bei dem neuen Album wusste ich vorher schon genau was ich machen wollte. Ich habe mich im Nachhinein ein bisschen über „00:00“ geärgert, weil es aus heutiger Sicht nicht das ist, was ich machen wollte. Vom Gefühl her, ist „Antiheld“ auf jeden Fall mein Debüt.

Ich würde sagen, dass 00:00 ein sehr jungfräuliches Album war. Ich war da in einer krassen Probierphase […] und dadurch sind da auch viele Spielereien drauf.

Du sprichst häufig Rauscherfahrungen an. Ein Zitat von „Blaues Blut“ ist: „Kann nicht lügen wenn ich rapp‘, weil ich meistens betrunken schreib“. Ist das für dich ein Mittel um kreativer zu werden?

Timeless: Das war eine Zeit lang ein Mittel. Bis vor einem halben Jahr habe ich sehr viel gekifft wenn ich Mucke gemacht habe. Das hat mich auf jeden Fall ein bisschen lockerer gemacht. Das hat schon seine Wirkung erfüllt und ich war kreativ. Wenn ich jetzt im Studio bin, kommt es mal vor, dass man mit den Jungs eine Flasche Schnaps auf macht. Das muss aber auch nicht sein. Ich kann auch nüchtern Musik machen.

Trotzdem heißt es auf dem gleichen Song auch: „Entkam für das Album zwei Mal dem Tod“ – was kannst du dazu sagen?

Timeless: Das war einmal diese Krankenhausgeschichte, die ich auch auf dem „Outro“ anspreche und dann gab es eine ähnliche Situation, die auch mit chemischen Substanzen zu tun hatte…

Bist du der Meinung, dass es dem Album auch etwas positives gebracht hat? Brauchtest du das?

Timeless: Brauchen tut das kein Mensch. Es hat mir aber in jedem Fall etwas positives gebracht, als dass ich nach diesen Erfahrungen den Schlussstrich ziehen konnte, weg davon bin und einen klaren Kopf habe. Das wirkt sich auf Jeden Fall auch positiv auf das Album und die Zukunft aus.

Es hat mir aber in jedem Fall etwas positives gebracht, als dass ich nach diesen Erfahrungen den Schlussstrich ziehen konnte, weg davon bin und einen klaren Kopf habe.

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Hallo Deutschrap, ich bin ab jetzt fest bei BACKSPIN. Gewöhn dich an mein Gesicht - ich bin gekommen um zu bleiben.

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