The Last Door Season 2: kann Grafik alles sein?

Kickstarter und Crowdfunding – das als kollektives Geldsammeln bekannt ist, beschehrt Altgamern Fortsetzungen totgeglaubter Titel, kleidet alte Spielideen in neue Gewänder oder – ja, oder zeigt Neugamern, was Low-Resolution überhaupt bedeutet.

Das gute Grafik nicht unbedingt mit einer fesselnden Geschichte oder tiefgängigen Charakteren einhergeht, sollte uns spätestens seit Destiny klar sein. Loot-Sog und Teamplay in allen Ehren – storytechnisch war da nichts zu holen. Skyboxes sind eben nicht alles und genau das zeigt uns The Last Door Season 2. Denn das Indie-Gruselspiel ist alles andere als schön: Pixelmatsch in Pixelpfütze – Texturen zum dahinsiechen.

gemütlich war gestern

Dennoch zeigen uns die Spanier des Entwickler-Studios The Game Kitchen das Aussehen eben nicht alles ist –  auf die inneren Werte kommt es an. Müsste man die grafische Leistung des Spiels dennoch kategorisieren, würden die Protagonisten sich in der Atari-Ära sehr wohl fühlen (das war vor knapp 40 Jahren!). Nichtsdestotrotz, oder gerade deswegen steht die Story im Vordergrund und die ist im Geiste den Stücken von H.P. Lovecraft oder Edar Allen Poe gewidmet – beides großartige Schriftsteller von schaurig-schönen Geschichten des vor- und letzten Jahrhunderts.

“The Last Door” ist eben genau solch eine übernatürliche Schauergeschichte: Als Psychiater im viktorianischen England, versuchen wir die mysteriösen Umstände des Verschwindens eines Patienten nachzugehen und stoßen dabei auf lauter zu lösende Rätsel. Dabei entsteht in dem schrecklich-schlimm verpixeltem Point-and-Click-Adventure eine fast zum Schneiden dichte Atmosphäre. Hauptgrund hierfür ist sicherlich das Unbekannte – das Nichtsichtbare – das durch eine grandiose Soundkulisse ordentlich an Eigenleben gewinnt. Hier packt auch die grottige Grafik ihre Vorteile aus, denn an vielen Stellen fantasiert man viel mehr Horror hinein, als eigentlich da ist. Und immer ist da auch das Mysteriöse, das Unnatürliche, dass uns in einen Alarmzustand versetzt. Vorallem wenn man die erste Staffel nicht gespielt hat, gewinnt das Unbekannte so an Überhand: Was für ein seltsamer Ritus wurde hier abgehalten? Warum verhalten sich alle so eigenartig? Irgendwie hat das ganze Mysterium etwas von Lost: man hat keinerlei Ahnung was hier abgeht, will aber unbedingt mehr erfahren.

Ja, die Grafik sieht echt so grottig aus

Die Rätsel sind durch die Bank hin logisch aufgebaut, nicht etwa wie so manches Rätsel bei Monkey Island, die uns an unserem Verstand haben zweifeln lassen. Dass muss aber auch so sein, denn ein Horrorspiel mit komödiantischen Rätseln verliert schnell seinen Reiz und wirkt einfach nicht gruselig. Wer also etwas Hirnschmalz beweist, kann die vier Episoden in 5-7 Stunden abreißen, ohne dabei seine grauen Windungen im Kopf allzu sehr zu belasten, denn wirklich fordernd sind die Rästel in der Regel leider nicht.

Hat man dann den Augenkrebs erfolgreich überwunden, entfaltet das Spiel durchaus seinen Charme und erzeugt auch Gänsehaut. Point-and-Click-Enthusiasten mit einem Fabel für mysteriösen Horror, sollten ohne Bedenken zuschlagen. Alle Anderen sollten zumindest den Teaser spielen und abwägen, ob diese großen kantigen Pixel nicht zu sehr wehtun.

Hier kann man die erste Episode der ersten Staffel spielen – zum reinkommen 🙂

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