The Game – „Streets of Compton“

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In den 1940ern bekannt als Mustervorort der Weißen, in denen es Menschen mit dunkler Hautfarbe ausschließlich erlaubt ist, zu arbeiten. Mit der Erlaubnis für alle Ethnien, Grundstücke in Compton erwerben zu dürfen, ändert sich die soziale Struktur schlagartig. Schwarze, mittelständige Familien ziehen in den District und entfliehen der Gefahr umliegender Problembezirke. Es bildet sich die erste Gang des heute berüchtigten Stadtteils von Los Angeles – eine Gruppe von jungen Weißen, die den Zugezogenen den Zutritt in die weißen Gegenden des Viertels verbietet. Es kommt zur massenhaften Auswanderung der weißen und zur massenhaften Einwanderung der schwarzen Bevölkerung, auch die sozialistische Bewegung „Black Panthers“ errichtet dort ein Büro. Die Organisation wird von Seiten des Staates zerschlagen und das in der Folge erzeugte Machtvakuum zum Nährboden für Pirus, Cribs und weitere Gangs. Den Rest der Geschichte wissen wir durch unsere Leidenschaft für die Hip-Hop-Kultur.

Nun belebt der in Compton beheimatete Jayceon Taylor aka The Game, die Geschichte seines Umfeldes in Form einer Doku und steht nicht nur im Mittelpunkt der Linse, sondern auch des Mikrofons. Sowohl der Soundtrack als auch der Streifen laufen unter „Streets of Compton“.

Wie schon auf den ersten beiden Alben wählt der MC eine beobachtende Perspektive aus unmittelbarer Nähe, die die größtmögliche Authentizität bereits im Namen trägt („The Documentary“). In der Tat bietet auch diese Platte wieder gewohnte The Game-Kost, lediglich die Themenwahl konzipiert sich noch stringenter als sonst. Abermals geht es um lokale Ikonen wie NWA und Death Row und das Sunshine-State-typische Gangbanging zwischen Würfelbechern, Low-Ridern und Deals.

Vor allem aber überrascht die weitergesponnene Idee des traditionellen West-Coast Sounds. Zwar wurde der G Funk erfolgreich in das neue Jahrtausend übersetzt, jedoch stagnierte die Entwicklung des Ursprungs auf rein musikalischer Ebene; nicht zuletzt aufgrund des durchschlagenden Erfolgs des kreativen Kopfes Kendrick Lamar. Auf „Streets of Compton“ wird nun der ein oder andere trappelnde Sound dem Laid-Back-Bass-Gerüst beigemischt und klingt nach einem Ansatz, der in den kommenden Jahren richtungsweisend sein kann. Trotzdem wartet das Album ohne nennenswerte Hits auf, aber als Untermalung zur durchaus ergreifenden Dokumentation muss es das auch nicht.

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Seit 2014 Album-Kritiker an Bord der BACKSPIN, angeheuert als Reinkarnation Marcel Reich-Ranickis: „Ich kann nicht anders, ich muss einfach nörgeln“.

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