Testbericht Omnitronic DJ Turntable DD-5220L

Bevor ich anfange, über den Plattenspieler zu schreiben, möchte ich mich noch kurz bei Benjamin von der BACKSPIN und bei Simon von Steinigke Showtechnic bedanken für die Möglichkeit, dieses Gerät überhaupt testen zu dürfen. Es macht einfach Spaß, sich mit Dingen zu beschäftigen, die einen in der alltäglichen Studio Arbeit unterstützen und das Arbeiten dann auch noch angenehmer machen. Ob das bei dem DJ-Turntable von Omnitronic der Falls ist, erfahrt ihr in diesem Test.

 

ERSTER EINDRUCK

Man soll ja nie ein Buch nach seinem Einband beurteilen, flüsterte man mir mal zu und deshalb unterdrücke ich jede Art von Gedanken an den Karton und packe den Plattenspieler erwartungsvoll aus. Frisch aufgebaut steht er nun in prachtvollem schwarz vor mir und ich muss sagen, das Teil sieht schon mal ziemlich geil aus. Alles macht einen hochwertigen, robusten Eindruck. Und mit seinen 11kg Gewicht steht der neue Kollege auch schön solide auf meinem DJ Tisch. Mitgeliefert werden speziell angepasste eckige Kabel (Cinch & Strom), damit hinten nichts übersteht und man den Table gedreht direkt an einen DJ-Mixer schieben kann. Ein System liegt dem Paket nicht bei. Hier kann dann jeder für sich entscheiden, welches man seinem neuen Gerät gönnt, um das schwarze Gold abzuspielen. An eine betaggte Slipmat hat Omnitronic aber gedacht, um bei den Hip-Hoppern gleich mies abzupunkten.

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KLANG

Auch wenn das ein DJ-Turntable ist und einige ihn wahrscheinlich nur benutzen werden, um eine Timecode-Vinyl zu steuern, muss das Ding für mich auch klanglich was hermachen. Ich möchte damit auch samplen können oder vielleicht die ein oder andere Vinyl digitalisieren. Also habe ich mein Stanton-Sample-System aufgeschraubt und die gleiche Platte zuerst mit dem Omnitronic und danach mit meinem Technics SL 1210 MK2 aufgenommen. Nach angleichen der Lautstärke um wenige DB und mehrmaligem Vergleichen konnte ich überhaupt keinen Unterschied raushören. Der Song klang für mich auf beiden Systemen total identisch. Test bestanden 🙂

Klang

 

Halt! Ich möchte noch auf eine Kleinigkeit hinweisen, die mir im Studio aufgefallen ist. Bei extremer Lautstärke nahm ich ein kleines Brummen bei 50Hz wahr, was der Otto-Normal-Verbraucher wahrscheinlich gar nicht wirklich hören würde. Da ich aber täglich mit Audio-Signalen zu tun habe, bin ich hier natürlich ein wenig sensibilisiert. Analysiert findet das ganze bei -78db statt. Im Vergleich dazu gibt es beim Technics MK2 da nur ein weißes Rauschen ohne Brummen, welches bei -88db liegt. Ich gehe davon aus, dass das Technics-Netzteil einfach ein wenig besser abgeschirmt ist, weil ein Brummen bei 50Hz meistens was mit der Stromleitung zu tun hat. Live wird das niemals auffallen, aber im Studio könnte es dem einen oder anderen vielleicht zu Ohren kommen.

SCRATCH TEST ANALOG & DIGITAL

Kommen wir zu dem Teil, der bei einem DJ-Turntable wohl am wichtigsten ist: Das Scratchen! Nicht dass ich nicht auch schon ein paar Cutz in meinem Leben aufgenommen habe oder mich unzählige male als DJ auf der Bühne oder im Club verkleidet habe. NEIN! Ich meine, ja, habe ich. ABER für den ultimativen Test musste ich einen meiner besten Freunde und Mentor am Plattenspieler mit ins Boot holen: DJ Mirko Machine. Wenn einer sagen kann, ob dieser Table was taugt, dann ist das Mirko.

Nachdem wir den Plattenspieler in seinem Maschinenraum aufgebaut hatten, waren seine ersten Worte: „Ist das nicht der Reloop R6000?!?“ Nein, natürlich nicht. Aber außer ein, zwei kleinen Details ist er es eigentlich doch. Das einzige, was dem DD-5220L fehlt, ist der drehbare An -und Aus Schalter. Und die Knöpfe sind schwarz anstatt silber. Man muss wohl davon ausgehen, dass es ein Nachbau der Reloop R6000 MK6 B ist, den es mittlerweile gar nicht mehr gibt.

Nach ner halben Stunde intensiver Scratches von Mirko kommt er zu folgender Meinung: „Toll. Die Nadel liegt Super in der Rille. Der Anzug vom Plattenteller ist auch hundertprozentig und man kann nichts Negatives dagegen sagen. Der Pitch Fader fühlt sich hervorragend gut an.“ Da kann ich Mirko nur zustimmen, denn auch ich konnte überhaupt nichts Negatives feststellen bei einer ausgedehnten Scratch-Session bei mir Zuhause.

 

Da ich ja regelmäßig mit den verschiedensten Künstlern zusammenarbeite, konnte ich mit dem Table auch noch ein paar Cuts für ein interessantes Projekt mit DJ Sparc (Nico Suave) im twenty4seven Studio aufnehmen. Sein Fazit nach der Session: „Diggy, ich hab da keinen Unterschied festgestellt. Geht ab der Fuchs.“

Zusammengefasst heißt das, dass der Plattenspieler auf jeden Fall eine gute Figur beim Scratchen macht. Auch das Auflegen mit Traktor Scratch oder Serato hat überhaupt keine Probleme gemacht. Es ist wirklich überhaupt nichts Negatives aufgefallen und das Ding macht einfach Spaß.

SAMPLING

Dieser Plattenspieler ist für mich mehr als nur ein reines DJ-Instrument. Wenn mich ein Beat-Bastler fragt, welchen Plattenspieler ich ihm zum Samplen empfehlen könnte, dann würde dieser Table auf jeden Fall dabei sein.

Das wichtigste Argument ist hier für mich, dass der Plattenspieler einen Line-Ausgang hat! Wie geil ist das denn!?! Jahrelang musste ich immer entweder über einen DJ-Mixer oder über einen Verstärker an meine Hardware gehen. Die Zeiten sind jetzt vorbei und ich kann direkt per Line-Out samplen.

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Zweitens finde ich, dass die kreativen Möglichkeiten mit dem Pitch Regler bis zu 50% Plus /  Minus und den einstellbaren Start -und Stopp Geschwindigkeiten sehr weit reichen. So kann man in fast jeder Geschwindigkeit Samples zu seinen Beats laufen lassen oder sich kreativ ausleben. Auch ne Scheibe mal rückwärts ablaufen zu lassen, gefällt mir gut.

DD5220L

FAZIT

Ich muss sagen, ich finde den DJ Turntable DD-5220L super! In der kurzen Zeit, wo ich das Gerät testen durfte, lief alles traumhaft und ich konnte den Table problemlos in mein Studio-Setup integrieren. Omnitronic braucht sich hier nicht zu verstecken vor der Konkurrenz und liegt mit einem Preis von 445.- Euro die Latte auch nicht zu hoch, denke ich. Grade wenn man den aktuellen Preis für einen Technics-Plattenspieler bei Thomann mit 2300.- Euro betrachtet, muss man eigentlich sofort zugreifen! Wie sich das Gerät auf lange Sicht schlägt, muss natürlich noch rausgefunden werden. Aber bis jetzt sieht alles ganz vielversprechend aus.

Wer von euch noch Fragen zu dem Plattenspieler oder dieser Review hat, kann mir die gerne unter folgender Email stellen: backspin@sleepwalker.de

Für mehr Details könnt ihr euch ja mal das PDF zum Turntable anschauen.

Kaufen kann man das Gerät hier.

 

 

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Die Hamburger Produzenten-Legende Sleepwalker zeichnet nicht nur verantwortlich für mit Gold oder Platin ausgezeichnete Rap-Hits wie “Weck mich auf” (Samy Deluxe) oder “Die Zukunft trägt meinen Namen” (Xavas). In seinem Studio testet er für BACKSPIN auch – wenn er nicht gerade mit Aufnahmen für oder Mischen von Swiss-Produktionen beschäftigt ist – relevantes Equipment für Hip-Hop-Producer und schreibt darüber.

1 Comment

  1. Billy

    18. März 2017 at 11:55

    Also bei den turns würd ich dir die Sync X-TRM 1 empfehlen. sind von der motorstärke genauso wie die technics und die kriegste neu um 300€ haben alles: von rücklauf 10, 20 oder 50 Pitch, LED lampe statt ne normale, break und start einstellung und eben nen starken motor wo du den teller anhalten kannst ohne das dir irgendwann der motor kaputt geht wie bei einem 10000er oder 2000er reloop.

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