Technics: Vintage Equipment (aus BACKSPIN #115)

KORG MonoPoly

Dieser Synthesizer hatte es aus gleich zwei Grün- den schwer, sich am Markt durchzusetzen. So wollte man bei Korg mit dem MonoPoly einen Nachfolger des legendären Minimoogs (siehe BACKSPIN #111) ins Rennen schicken, was man sicherlich als mutig bezeichnen kann. Zum anderen band Korg dem MonoPoly mit dem legendär- en Polysix auch noch eine hausinterne Konkurrenz ans Bein. Aber alles der Reihe nach.

Als der MonoPoly 1981/82 auf den Markt kam, war er mit einem Preis von etwa 2.400 Mark ein vergleichsweise erschwinglicher Synthesizer.

Konkurrenzprodukte wie der Roland Jupiter-8, der Oberheim OB-8 oder der Memorymoog waren aufgrund der verbauten Technik weitaus kostspie- liger. Und doch entwickelte sich dieser an sich gute Synthesizer nie zu einem Verkaufsschlager. Dabei bot er mit seinen 4 VCOs, also Klangerzeugern, und seinen vielfältigen Klang-Modulationsmöglichkeiten einiges, was das Herz damals wie heute begehrte. Jeder der vier Oszillatoren verfügt über einen eigenen Lautstärke-, Tuning-, Stufen- und Waveform-Schalter. Darüber hinaus kann man dem Signal White Noise beimischen. Der Tief-Verkaufsflop trotz Top-Preis: der Korg MonoPolypassfilter kommt mit 24 Dezibel pro Oktave und verfügt, neben den typischen Parametern, auch über einen inversen Verlauf und Keytrack. Die Mo- dulationsmöglichkeiten kann man entweder synchronisiert und/oder als Crossmodulation einzeln für alle Oszillatoren anfahren. Die Geschwindigkeit des Arpeggiators freilich lässt sich ebenfalls regeln. Linker Hand neben den 44 Tasten stehen zwei Handräder zur Verfügung, davon eins für das Pitchbending mit Mittenrastung, das andere, für Modulationen gedachte, kommt ohne Rastung da- her. Diese Räder lassen sich beim MonoPoly manuell auf verschiedene Filter etc. anwenden. Eine Besonderheit ist außerdem, dass man ihn, obwohl der MonoPoly eigentlich ein monofoner Synthesizer ist, dank des sogenannten „Key Assign Mode“ dennoch mehrstimmig spielen kann.

Das große Manko des MonoPolys ist schließlich der fehlende Speicher. Im Gegensatz zum Polysix, der über 64 Speicherplätze für selbst geschraubte Sounds bietet, verfügt diese Kiste nicht über einen einzigen Speicherplatz. Stattdessen gab es damals ein Frontplatten-Layout auf Papier, auf dem man

die Einstellungen der einzelnen Potis einzeichnen konnte. Und auch mit MIDI-Anschlüssen wartete der MonoPoly nicht auf. Über die Klinkenbuchsen ließ er sich allerdings dann doch per MIDI-CV-Konverter über MIDI ansteuern. Einige Firmen boten deswegen an, den MonoPoly mit einem MIDI-Interface auszustatten.

In der Summe trugen all diese Punkte dazu bei, dass sich vom Korg MonoPoly nur etwa 10.000 Einheiten verkauft haben sollen. 1984 sei die Produktion eingestellt worden, heißt es. Und so ist er

über all die Jahre nie dem Status des Geheimtipps für zornige Lead- und Bass-Sounds entwachsen. Wer heute einen MonoPoly sein Eigen nennen will, der wird um die 1.100 Euro zahlen müssen. Wem eine Version für den Rechner reicht, der wird mit der Korg Legacy Collection eine Menge Freude haben. Für 199 Dollar bekommt man direkt beim Hersteller das komplette Bundle, inklusive MonoPoly, MS-20, M1, Wavestation, MDE-X und natürlich dem Polysix.

Text: Dennis Kraus Fotos: Eric Anders

CELESTA

Um suoni dolci, süße Klänge, ging es den Erfindern der Celesta. Der Name des Instruments entstammt jedoch nicht dem Italienischen, sondern dem Französischen und bedeutet so viel wie „die Himmlische“. Entwickelt wurde das Instrument einst, um Töne zu erzeugen, die süß und weich klingen, gleichzeitig aber auch ein ordentliches Klangvolumen haben. Einen ersten Versuch hierzu gab es Mitte des 18. Jahrhunderts in Irland. Über einen Prototypen hinaus kam das damals noch Aiuton genannte Instrument jedoch nicht. Erst Ende des 19. Jahrhunderts,

Sieht aus wie ein Klavier, klingt wie ein Märchen: die Celesta

im Jahre 1886, hatte der Harmoniumbauer Victor Mustel in Paris das Instrument gebaut, das bis heute als Celesta bekannt ist – genannt hatte es Mustel damals bereits genau so: Celesta.

Klanglich ist die Celesta nicht allzu weit vom Glockenspiel, vom Rhodes (siehe BACKSPIN #114) und auch vom Klavier entfernt. Im Gegensatz zum Glockenspiel etwa bietet sie wegen ihres großen Resonanzkörpers jedoch einen größeren Tonumfang im Bereich der Tieftöne. Zudem verfügt die Celesta, anders als das Glockenspiel, über weiche Filzhämmerchen im Anschlagmechanismus, so- dass der Ton sanfter klingt als der des Glockenspiels.

Von außen betrachtet sieht die Celesta aus wie ein Klavier, sie verfügt über eine Tastatur, ein Pedal und ein großes Gehäuse. Innen befinden sich Stahlplatten, Resonatoren sowie die Anschlagmechanik. Die entscheidenden Klangerzeuger sind stählerne Klangplatten, die auf Filzleisten über den

hohlen Resonatoren aus Holz liegen. Diese Stahl- platten werden von mit Filz bezogenen Hämmerchen, die man über die Klaviatur spielt, angeschlagen. So spielt man die Celesta dann auch wie ein Klavier, greift Akkorde oder Einzeltöne, und tritt man das Pedal, wird die Dämpfung aufgehoben und die Töne klingen nach. So gehört die Celesta eher zur Instrumentenfamilie der Tasteninstrumente, obwohl man sie aufgrund der Tonerzeugung über den Anschlagmechanismus auch zu den Schlaginstrumenten zählen kann.

Verwendung findet die Celesta primär im Orchester, wo sie sich schnell etablieren konnte. So verwendeten sie Komponisten wie Richard Strauss oder Pjotr Tschaikowski in Werken wie „Der Rosenkavalier“ oder „Der Nussknacker“. Gemeinhin steht der Klang der Celesta für etwas Märchenhaftes, Verschleiertes, Glitzerndes, Traumhaftes. Daher findet die Celesta auch in Kompositionen für Filmmusiken immer wieder Verwendung. Besonders durchsetzungsfähig im Gesamtklangbild ist die Celesta im Übrigen nicht. Daher wird sie gerne in Verbindung mit hohen Streichern, Harfen und Holzbläsern gespielt.

Auch in Rap-Beats findet die Celesta immer wieder mal Verwendung. Mit ihrem weichen Klang kann man sie wunderbar als Stellvertreterin für ein Rhodes, Klavier oder Glockenspiel einsetzen. Ein solches Exemplar wie das auf unserem Foto, das die schwäbische Schiedmayer Pianofabrik (damals Stuttgart, heute Wendlingen) Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut hat, braucht man jedoch nicht zwingend. Allseits bekannte Librarys wie die des Vienna-Symphonic-Orchesters oder von Native Instruments bieten eine sehr gut klingende Alternative für den Rechner. Allein den klackenden Klang der Tasten, der aufkommt, wenn man etwas härter auf einer richtigen Celesta spielt, bleibt dem Library-Nutzer dann doch vorenthalten.

Text: Dennis Kraus Fotos: Eric Anders

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