Technics: Sleepy‘s World of Music

Moin Moin und herzlich willkommen zu meiner neuen Rubrik „Sleepy’s World of Music“. Der eine oder andere kennt mich vielleicht unter dem Namen Sleepwalker, mit dem ich als Produzent einige Songs zur deutschen Hip-Hop-Geschichte beigetragen habe. 1988 baute ich meine ersten Beats im Keller meiner Eltern und zehn Jahre später fing ich an, von der Musik zu leben. Heute betreibe ich ein kleines Studio mit dem Namen „twenty4seven“, ich produziere immer noch leidenschaftlich gerne und doziere an der HipHop Academy Hamburg. Diese 25-jährige Erfahrung möchte ich ab jetzt mit euch teilen und ich hoffe doch, dass wir uns regelmäßig hier lesen. Ich werde für euch aus einer alltäglichen Studio-Perspektive heraus berichten und versuchen, euch interessante Themen vorzustellen, die uns nicht nur auf dem Papier mit unserer Musik voranbringen werden, sondern sich auch in der Praxis beweisen können. Diskutieren können wir darüber dann auf meiner neuen Plattform audio-praxis.de. Bitte teilt mir dort euer Feedback mit und überschüttet mich mit Vorschlägen und Anregungen, damit wir diese Rubrik für alle nützlich gestalten können. Bevor ich jetzt anfange, über die „Console 1“ zu reden, möchte ich mich noch kurz bei Uwe und Christian vom Audiowerk bedanken, die mir die Konsole zum Testen bereitgestellt haben. Männers! Immer wieder ein Traum mit euch!

WER SEID DAS IHR?!

Die „C1“ ist ein hochwertiger Hardware- Channelstrip- Controller, der ausschließlich Software- Plug-ins der Firma Softube kontrollieren kann. Mitgeliefert wird ein von SSL zertifizierter Software- Channelstrip, der den kompletten Umfang des Controllers abdeckt. Da Softube mit zu den Besten auf dem Plug-in-Markt gehören, muss es nicht unbedingt schlecht sein, nur deren Software benutzen zu können. Im Gegensatz zu anderen Controllern haben alle Bedienelemente immer die gleiche Funktion, was dem Workflow spürbar zugutekommt.

HARDWARE

Schon beim Auspacken wird klar, dass dieser Controller auf keinen Fall in irgendeine Billig-Liga einzuordnen ist. Softube umhüllt die „C1“ mit einem knackigen Stahlmantel, spendiert mir 26 hochwertige Drehregeler, 40 Tasten und sorgt mit mehreren LEDs für ein 1A-Disco-Mix-Erlebnis. Alles ist wunderbar beschriftet und schön übersichtlich angeordnet. Optisch schon mal bombe, der Kasten.

SOFTWARE

Mit der Konsole zusammen erhält man den von SSL zertifizierten legendären „SL 4000 E Channel Strip“ (Low- und High-Cut-Filter, Gate/Expander, Black-Knob-EQ 242, Channel-Kompressor), der als Hardware rund um den Globus in vielen Studios zum Einsatz kommt. Ein Drive-Regler emuliert eine harmonische Verzerrung, wie sie zum Beispiel entsteht, wenn ein analoges SSL-Mischpult in den roten Bereich gefahren wird. Zusätzlich kann noch der Charakter der Verzerrung eingestellt werden. Der „Transient Designer“ wurde von Softube emuliert und vollendet für mich alles, was man für einen kompletten Channel-strip benötigt.

DAS ERSTE DATE

Als ich die „Console 1“ bekam, steckte ich tief im Album-Mix von Swiss’ „Große Freiheit“ und ich mochte nicht gleich meinen Workflow komplett umstellen, um – wie vom Hersteller gedacht – alle Vorteile nutzen zu können. Für Experimente im Studio war die Deadline einfach zu knapp bemessen. Also insertierte ich ganz entspannt hier und da mal die „C1“ und hantierte hier und da mal an einigen Parametern umher. Und allein schon das Gefühl, einen Software-EQ oder -Kompressor mit Hardware-Reglern bedienen zu können, war von Anfang an geil. Alles ging mit einem Mal schneller und fühlte sich einfach nur gut an. Von Song zu Song öffnete ich während des Album- Mischens immer mehr Instanzen des Plug-ins und im Nu war die „Console 1“ ein Hauptbestandteil meiner Mixe. Hergeben wollte ich sie nun schon nicht mehr. Vielmehr wollte ich sie, zusammen mit meinen Avid-Mix-Controllern, als neue DAW-Steuerzentrale nutzen.

PRAXISBEISPIEL

Am Beispiel einer Schlagzeug-Gruppe hier mal ein Exempel, wie ich die „Console 1“ nutze und was mir so gut an ihr gefällt. Ich beginne meine Mixe eigentlich zu 99 Prozent mit den Drums. Als Hip- Hop-Engineer empfehle ich das jedem von euch, da der Beat nun mal extrem wichtig ist für unsere Musik. Eine Drum-Gruppe bei dem Swiss-Album sieht zum Beispiel so aus: Subkick, Kick, Snare, Hi-Hats, Raum-Mikro 1, Raum-Mikro 2, Stereo- Overheads. Ich insertiere das „C1“-Plug-in auf allen Spuren, fange an, die Input-Level korrekt einzustellen und mische mir die Verhältnisse mit meinen Avid-Mix-Fadern ein wenig zurecht. Hier wäre kurz zu erwähnen, dass bei mir die Software der „C1“ nicht die Cubase-DAW-Spurnamen automatisch übernimmt, so wie es eigentlich sein sollte. Bockt nicht, aber das ist nichts, was ein Update nicht beheben könnte. Ich bearbeite also die Subkick mit ein bisschen Low-Cut und einem extremen High-Cut runter bis auf 100 Hertz. Die normale Kick beschneide ich unten einen Hauch mehr und ich fange an, damit das Gate einzustellen, um den Rest vom Schlagzeug so weit wie möglich auszublenden. Hier war einer der ersten Wow-Effekte für mich, wie schnell ich da ans Ziel gelangte. Bei dem SSL-Duende-Channel-strip-Gate, das ich da- vor immer benutzt hatte, habe ich mich da einige Male mies k. o. gefummelt. Bombe! An der Snare mache ich ähnliche Einstellungen wie bei der Kick, denn auch hier muss ich das Gate benutzen, um die anderen Sounds etwas verschwinden zu las- sen. Die Hi-Hat beschneide ich unten herum extremer, da ich dort eigentlich nichts an Frequenzen brauche, und drehe zusätzlich gleich mal ein paar Höhen bei zwölf bis 15 Kilohertz rein. Der SSL-EQ klingt super und ich benutze ihn nicht nur, um störende Frequenzen herauszufiltern, sondern auch, um bestimmte Frequenzen hervorzuarbeiten (was ich bei einigen anderen Software-EQs nicht empfehlen würde). Bei dem Raum-Mikro 1 setze ich das erste Mal den SSL-Channel-strip-Kompressor an und stelle ihn so ein, dass er ordentlich zum Rhythmus der Musik pumpt. Da ich das Glück habe, mehrere Softube-Plug-ins zu besitzen, besteht für mich die Möglichkeit, bei Raum-Mikro 2 den Kompressor individuell zu ersetzen. Hier wähle ich meinen heiß geliebten FET-Kompressor und fahr den Lachs bis an die Schmerzgrenze. Bämm, Degga! Die Regler an der Hardware bleiben dabei aber immer dieselben. An den EQs der beiden Kanäle drehe ich nach Belieben, mit zum Teil extremen Low- und High-Cut-Einstellungen. Als Letztes bearbeite ich dann die Stereo-Overheads mit einem Low-Cut zwischen 100 und 150 Hertz, komprimiere sie leicht und dämpfe am EQ die Kick- und Snare-Frequenzen ein bisschen, um meinen Solospuren mehr Präsenz zu verleihen. Mit den Tastern an der Hardware schalte ich immer wieder einzelne Kanäle auf solo, um hier und da Feinheiten zu regeln. Den Drive-Regler betätige ich immer wieder mal zwischendurch nach Lust und Laune, um einzelnen Spuren mehr Charakter zu verleihen. Die Drum- Gruppe steht jetzt erst mal, und ich route alle Spuren in Cubase in eine neue Audio-Gruppe, um dort wieder eine Instanz der „C1“ auf die Summe legen zu können. Hier würde ich dann wieder individuell einen Kompressor aus- wählen, ihn zum Tempo der Musik einstellen und mithilfe der Parallelkompression das Ganze ein bisschen zusammenschweißen und druckvoller gestalten. Der Rest ist Feintuning und verändert sich sowieso im Laufe des Mixes noch.

FAZIT

Ich war lange nicht so begeistert von einem Gerät. Durch die „Console 1“ kann ich meine Arbeit übersichtlicher und entspannter erledigen, als wenn ich nur mit der Maus umherklicken müsste. Das kommt meinem ganzen Workflow zugute und macht obendrein auch noch Spaß. Es gibt noch Kleinigkeiten hier und da, die verbesserungswürdig sind, aber die werden mit Updates sicherlich zu beheben sein. Da bin ich mir sicher. Natürlich benutze ich auch andere Plug-ins und werde es auch weiterhin tun, doch ich kann sagen, dass Softube, auch durch die „Console 1“, einen immer größer werdenden Anteil an meinen Produktionen und Mixen hat. Da noch weitere Channel-strips angekündigt sind, freue ich mich schon auf interessante Emulationen und andere Ideen dieser innovativen Firma.

Ich möchte diese Kombination aus Hard- und Software jedem empfehlen, der seine Musik auch mischt. Für Mix-Engineers würde ich sogar so weit gehen und sagen, dass sie sich das Teil unbedingt zulegen müssen. Für diejenigen, die nur Beats basteln, könnte es vielleicht zu viel des Guten sein, und auch zu teuer. 800 Euro sind ja nicht gerade wenig.

INFOS

Für mehr Details checkt: www.softube.com Fragen und Feedback zu diesem Artikel hier: www.audio-praxis.de

Zu weiteren Artikeln aus der BACKSPIN MAG #116 geht es hier.

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