Technics: Review – Neues von Native Instruments (aus BACKSPIN MAG #116)

Zum Weihnachtsgeschäft 2014 ließ Native Instruments sein neues Produktionsflaggschiff vom Stapel. Und nicht nur das. Die Berliner Firma hat neben „Komplete 10 Ultimate“ nun auch noch die passende Hardware im Angebot. Mit den „Komplete Kontrol“-Midi-Keyboards lässt sich das umfangreiche „Komplete“-Bundle dann auch viel besser bedienen als mit herkömmlichen Midi-Keyboards. Aber alles der Reihe nach. Komplete 10“ wiegt einiges, vor allem in der „Ultimate“-Version, so viel gleich vorab. Die reguläre Version beinhaltet Software und Libraries in einem Um- fang von 130 Gigabyte. Verglichen mit der „Ultimate“-Version scheint das aber plötzlich schon wieder wenig. Sage und schreibe 440 Gigabyte sind auf der Festplatte, die sich im Kar- ton der „Ultimate“-Version befindet, enthalten. Darunter freilich eine Menge Altbewährtes, das der vertraute Nutzer schon von vorherigen „Kompletes“ kennt – die „Reaktor“-Plattform mit ihren wunderbaren Synthies, „Kontakt 5“ mit so wunderbaren Libraries wie dem „Rickenbacker Bass“ oder den „Session Strings Pro“ und, und, und. Selbstverständlich ist auch „Guitar Rig“ wieder mit an Bord, hier nun sogar in der 5-Pro-Version. Letzteres ist im Übrigen ein gutes Testwerkzeug für all jene, die mal gucken möchten, ob ihr Rechner noch dem State of the Art entspricht. Kein
Sat-1-Ball oder eine endlose Sanduhr? Wunderbar. Doch ein sich ewig drehender Sat-1-Ball oder eine nicht weichen wollende Sanduhr? Dann ist es Zeit für neue Hardware. So weit, so gut.
Kommen wir zu weiteren Neuheiten, die in „Komplete 10 Ultimate“ zu finden sind. Da wären nämlich zum Beispiel die auf der „Reaktor“- Plattform basierenden Synthesizer „Kontour“ und „Rounds“. Ersterer ist ein Phase-modulierender Synthie, der organisch klingende Texturen genau so erzeugen kann wie verzerrte Noise-Sounds. Hervorzuheben ist hier die Performance-Ansicht. Man hat direkten Zugriff auf vier Makro-Regler, die jeweils mit mehreren Parametern verknüpfbar sind. „Rounds“ wiederum basiert auf einer analogen Sound-Engine und sorgt entsprechend für eher warme und harmonische Wellen, die eine FM-Engine sowie zweipolige Filter verbinden. So erstreckt sich das Klangbild von glasklar bis metallisch-verzerrt. Außerdem lassen sich mit dem Voice-Programmer acht Blöcke mit je vier Zellen in 32 unabhängige Sound-Slots wandeln. Individuelle Klangfolgen entstehen und fünf un- terschiedliche Voicing-Modi können auf die ein- zelnen Slots verteilt werden. Auch hier wurde die Performance-Funktion mit Makro-Reglern ausgestattet und eine Verbindung zum Midi-Keyboard über die Remote-Octave-Funktion geschaffen, die das Arrangieren weiter vereinfacht. Und der eingebaute LFO erlaubt die Integration der „Rounds“- eigenen Effekte für jeden einzelnen Sound.  Ebenfalls neu ist der Drum-Synthesizer „Polyplex“. Acht Stimmen und die Möglichkeiten kreativen Layerings in Verbindung mit Randomize-Funktionen führen zu unvorhersehbaren Kreationen. Ist ein Sound gefunden, können alle vier Layer jedes Sound-Slots weiter bearbeitet werden. 18 Effekte können über einen Envelope- Follower integriert werden und tun ihr Übriges dazu. „Drumlab“ ist ebenfalls neu in „Komplete 10“. Hier besteht die Möglichkeit, über eine vergleichs- weise übersichtliche Oberfläche synthetische Drums mit analogen Drum-Sounds zu kombinieren. Zudem soll „Drumlab“ perfekt auf die Arbeit mit „Maschine“ abgestimmt sein. Die „Kontakt“-Plattform bietet in „Komplete 10 Ultimate“ nicht nur Bewährtes wie die gesamte „Scarbee“-Bass-Palette, die „Abbey Road“-Drum- Collection oder „Session Strings Pro“. Im Gegensatz zu „Komplete 9 Ultimate“ kommen die „Session Horns“ nun als „Session Horns Pro“ mit deutlich mehr Artikulationsmöglichkeiten daher. Neu für „Kontakt“ ist auch „Action Strikes“, dem man „gewaltige orchestrale Drum-Sounds“ entlocken kann. In eine ähnliche Kerbe schlägt auch das neue „Rise & Hit“-Instrument für die leichte Kreation ausdrucksstarker Build-ups. Die enthaltenen Studioeffekte kriegen den „Supercharger GT“ als Röhrenkompressor an die Seite gestellt. Neu ist auch der auf der „Reaktor“-Platt- form basierende „Molekular“ mit 35 verfügbaren Effekten, die in ein eigenes, modulares System integrierbar sind. Als Sahnehäubchen kann man ein Morphing-Field definieren und vier Master- Modulationen sowie eine Center-Position festlegen. Das Verschieben Letzterer sowie das Blenden zwischen den Koordinaten ist der Grundstein für eine Vielzahl von Variationen des Klangbilds. 

Ein neues Feld, auf dem sich Native Instruments schon im Segment des DJ-Equipments mit Erfolg fortbewegt, hält nun auch in Form der „Kontrol Keyboard“-Serie Einzug in die Studios. Ausgestattet mit wahlweise 25/49/61 Tasten kann man Midi-Keyboards mit erweiterter nativer Steuerung für die „Komplete“-Kollektion erwerben. Angefangen bei den Browse-Möglichkeiten über die Komplete Kontrol“-Software, die auf der einen Seite als übergeordnete Steuerungsmöglichkeit für die einzelnen Instrumente und Plug-ins fungiert, auf der anderen Seite selbst ein Plug-in in der DAW der Wahl darstellt. Tag-basierte Suchfunktionen erleichtern das Browsen. Zuweisungen für die meistgenutzten Parameter der einzelnen Instrumente wurden über Native-Map- Technologie bereits voreingestellt, können aber auch den eigenen Wünschen angepasst werden. Die bekannte Farbcodierung wird über die Light- Guide-Funktion des Keyboards verwirklicht. Seienes die einzelnen Drum-Zellen in „Battery 4“ oder Tonleitern, Akkorde und Arpeggien – sie alle können direkt oberhalb der Tasten als eine der be- kannten Farbabstufungen dargestellt werden. Die True-Performer-Funktion eröffnet die Möglichkeit, mit einer Taste ganze Akkorde zu spielen oder Arpeggien zu triggern. Das ist über weitere Ein- stellungsmöglichkeiten noch ausbaubar. Mit den Touchstrips, die ebenfalls premapped sind oder sich individuell zuweisen lassen, hat man auch hier Automationen, Warping oder Sound-Bending per Fingerwisch verfügbar. Für all diejenigen, die sich auf den verschwimmenden Grenzen zwischen Produzent und DJ befinden, sich jedoch eher letzterer Gruppe zugehörig fühlen, ist der „Kontrol S8“ das neue Boll- werk in Sachen Kontrolle über die DJ-Software „Traktor“.

First things first: Native Instruments hat die Jogwheels geopfert. An ihre Stelle treten mit ungleich höherem Informationsgehalt zwei hochauflö- sende Displays, die dafür sorgen sollen, dass der angeschlossene Rechner nicht mehr die Augen des DJs fesselt. Browsen, Effekt-Kontrolle, Remix- Deck- oder Loop-Kontrolle sowie die Freeze-View für den Freeze-Modus sorgen dafür, dass man den großen Monitor nicht vermisst. Das auf den ersten Blick erschlagend wirkende Design des „S8“ gehorcht einer klaren Gliederung, die vor allem auf Bedienbarkeit und Kreativität ausgelegt ist. In der Mitte ist ein Vier-Kanal-Mixer vorhanden. Neu ist die Möglichkeit, den Filter pro Kanal an- oder auszuschalten. Das lästige Drücken von Shift gefolgt von einem Drehen des Filter-Reglers und folgendem Loslassen der Shift-Taste für eine abrupte Änderung des Filter-Zustands kann nun durch einfaches Drücken einer Taste erfolgen. Der „S8“ kann durch seine Anschlüsse ebenfalls als analoger Vier-Kanal-Mixer fungieren und Input-Signale von Plattenspielern oder CD-Playern aufnehmen, wie vom „Z2“ bekannt über die „Traktor“-Mode-Buttons. Eingänge gibt es viermal Cinch, zweimal Mikrofon sowie Midi-In und -Out. An Ausgängen kommt mit Cinch, 1⁄4“ Booth und den Club-gängigen XLR-Anschlüssen alles zum Einsatz, was gebraucht wird. Die Fader wurden weiter verbessert und bieten nun mehr Schutz vor den Gefahren eines langen Clubabends, wodurch sie eine längere Lebensdauer gewährleisten. Zum Austausch eines Faders muss angesichts der Schrauben auf dem Front-Panel auch keine Seitenlange ifixit.com-Anleitung gewälzt werden. Beim Performen zeigt sich die Stärke des „S8“ ganz deutlich. Direkter Zugriff auf alle bekannten und neuen Funktionen von „Traktor“. Die Remix- Decks werden pro Deck zwar nur mit acht Zellen repräsentiert, dafür fallen weitere Kontroller wie ein „F1“ zum Beispiel weg. Die gleichen acht Pads steuern in Track-Decks die Cue-Punkte an und können für erweitertes Live-Rearrangieren auch einzelne Slices im Freeze-Modus triggern. Die Touchstrips ersetzen zahlreiche Funktionen der weggefallenen Jogwheels suffizient, indem sie die Möglichkeit zum Pitchbend geben und Needle-Dropping/Track-Search sowie Vinyl- Scratch-Emulation ermöglichen.

Technics Produkte

Numark NV

Für Serato-User zeigt sich Numark mit dem „NV“ auf einem Weg, der Robustheit mit Zugriff auf alle Funktionen vereint. Die Jogwheels sind vom Ansprechen und der Bedienbarkeit her großartig. Die beiden gut lesbaren LCD-Displays bieten alle nötigen Informationen, ohne auf den PC schauen zu müssen, und die Buttons ermöglichen ein einfaches und ermüdungsfreies Mixen von bis zu vier Kanälen. Über die RGB-beleuchteten
Buttons kann man Samples, Cue-Punkte und Slices direkt ansteuern. Finger-Drumming ist dank der Anschlagdynamik eine Freude. Bekannt sein könnten auch die berührungsempfindlichen Regler für FX, EQs und Filter aus dem „NS7II“. Die Effekte von Serato werden inklusive der zwölf exklusiven iZotope-FX mit dezidierten Reglern gesteuert. Die Jogwheels sind aufgrund ihrer Bauweise in der Lage, sich an die äußeren Bedingungen hinsichtlich Temperatur und Luftfeuchtigkeit anzupassen und stets mit adäquatem Ansprechen zu reagieren. So kann das Jogwheel nicht nur zum Browsen und Scrollen, sondern auch zum präzisen Scratchen genutzt werden. Passend zum (optionalen) Einsatz und Auftauchen des Sync-Buttons kann auch dieser zum automatischen Beatmatching per Tastendruck verwendet werden. Oder man nutzt die einfache BPM-Anzeige zur manuellen Anpassung von Songs. Als Ausgänge stehen Cinch und XLR zur Verfügung, des Weiteren gibt es je einen 3,5/6,3 Millimeter Klinkenanschluss für Kopfhörer. Über den AUX-Input oder Mic-Eingang können externe Signale eingeschleift werden.

Sugar Bytes Egoist

Der „Egoist“ von Sugar Bytes ist ein Effekt-/Groove-Instrument und bietet die Möglichkeit, ein Sample (bis hin zu einem ganzen Song) zu laden und es mit der eingebauten Drum-Maschine und dem Bassline-Generator zusammen als eine Art simplifizierte DAW zu nutzen. Man nimmt sich als Beispiel einen Song, den man gut findet, lädt ihn in den „Egoist“ und bestimmt die einzelnen Slices wie Cue-Punkte. Dann kann entweder durch eine Randomize-Funktion eine unvorhergesehene Abfolge generiert werden oder man programmiert seine eigene. Im Bass-/Beat-Tab fügt man dem so erstellten Pattern eine Bassline und Drums hinzu, wobei hier das Augenmerk auf Einfachheit und Bedienbarkeit liegt. Mit der nachgeschalteten Effects-Sektion können dann sieben Effekte, die von „Effectrix“ oder „Turnado“ bekannt sein könnten, in wunderbar animierter Art und Weise den Spuren zugewiesen werden. Hier und im Song-Sequencer kann die Random-Funktion erneut zu unerwarteten Ergebnissen führen. Mit dem Slice-Keys- Feature können programmierte Patterns auf einem Keyboard live rearrangiert oder per Sequencer die erzeugten einzelnen Patterns zu einem neuen Song verbunden werden. Als Performance-Oberfläche kann dann auf das „Egoist“-Tab zurückgegriffen werden, der den Zugriff auf die wichtigsten Funktionen erleichtert.

iZotope Ozone 6 Advanced

In einem vollkommen überarbeiteten Gewand stellt sich iZotopes Mastering-Tool „Ozone“ in der Version 6 vor. Die Gestaltung des eigenen, gewünschten Sounds soll damit verbessert werden, ebenso wie der Workflow bei der Nutzung der einzelnen Funktionen. Neu sind mehrere EQ-Filterkurven, die den Hardware-Baxandall-Tiefen- und Höhen-Filtern nachempfunden wurden, ebenso wie die iZotope-typische, hochqualitative Neuauflage eines „Proportional-Q Filters“ im API-Style. Die Bypass-Funktion wurde für den besseren Vorher/Nachher-Vergleich optimiert, ebenfalls sind die Signalketten in der Standalone-Version ebenfallsmit VST/AU-Plug-ins anderer Hersteller erweiterbar. Ein besserer Überblick über die Eingriffe in das Signal wird über die Transient-Emphasis ermöglicht, wobei die klangliche Abrundung des gewünschten Ergebnisses nun auch mit dem Exciter-Modus (Triode- und Dual-Triode-Modus), der Stereolize-Control und verschiedenen Kompressionen über die variable Knee-Compression oder die Dynamics-Detection-Enhancements erfolgen kann. Neue Presets in der Advanced-Version zeigen, wie all diese Features zusammenarbeiten. In der Advanced-Version kommt mit dem Dynamic-EQ-Modul zudem ein EQ hinzu, der mehr oder minder eine Brücke schlägt zwischen der Präzision, die ein EQ bietet, und dem Einfluss gepaart mit der Anpassungsfähigkeit eines Kompressors. Um sich annähernd ein Bild von den Möglichkeiten zu machen, ist es ratsam, sich eine Demo-Version im Rahmen der Zehn-Tage-Trial-Version herunterzuladen.

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