Technics: Review: Bitwig Studio (aus BACKSPIN #115) FERTIG

Ein schlankes Programm mit viel Raum für den Ressourcen-Hunger von Plugins

Der hart umkämpfte Markt der DAWs wird der wachsenden User-Community Mappings zur in den nächsten Versionen der Software. Bitwig Verfügung und/oder Veränderung bereitgestellt werden.

Der Detail-Editor erlaubt die nicht-destruktive Veränderung von Audioaufnahmen hinsichtlich des Pitches, Pans, Splits, Reverses oder Re-Arrangierens. Ebenfalls ist es möglich, über eine Time- Stretch-Funktion, die auf einem eigenen Algorithmus basiert, die Dateien zu verändern.

Um den Start in ein neues Projekt mit einem Sample oder einer kurzen Notenfolge zu verein- fachen, kann man im „Dynamic Object Inspector“ mehrere MIDI-Noten oder Audiodateien markieren und gemeinsam über ein Histogramm bearbeiten, wobei es auch hier gilt, dass die Möglichkeiten der Bearbeitung ausgelotet werden müssen, da es eine neue Möglichkeit ist, um Aufnahmen zu bearbeiten.

Die Browser-Funktion zeigt sich ebenfalls sehr gut aufgestellt mit der Möglichkeit, Samples tempoadaptiert vorzuhören, verschiedene Metadaten der Files mit in die Erstellung der Datenbank auf- zunehmen oder nach unterschiedlichen Gesichts- punkten die Vorauswahl zu treffen, ob man nach Geräten, Samples, Multi-Samples (quasi Sampler- Dateien), Musik oder anderen Dateien ordnen möchte. Die unterstützten Formate sind WAV, MP3, AAC, WMA, FLAC und OGG VORBIS.

Natürlich gibt Bitwig Studio dem Nutzer die Möglichkeit, eine unbegrenzte Anzahl an Spuren, sei es für MIDI- oder Audiodaten, zu erzeugen, ebenso wie für Effekte. Hier kommt Bitwig Studio zugute, dass es selbst ein eher schlankes Programm ist und somit vermeintlich mehr Raum für den Ressourcen-Hunger von Effekten oder Plug-ins lässt. Der Multi-Core- und Multi-Prozessor-Support ist heutzutage natürlich von vornherein zu erwarten, was allerdings Bitwig Studio eigen ist, scheint zur- zeit die Möglichkeit zu sein, die verschiedenen An- sichten eines Projekts (Arrange/Mix/Edit) auf bis zu drei Monitore visuell zu verteilen und miteinander verlinkt zu bearbeiten. Ebenfalls bietet Bitwig Studio die Möglichkeit, mehrere Projekte parallel zu öffnen und alle Files per Drag-and-drop zwischen Projekten hin und her zu schieben.

Was neben einer Menge an Details, wie sie für eine neue Software normal sind, ebenfalls mehr als nur ein wenig Interesse weckt, ist der Ausblick auf angekündigte, kommende Veränderungen bekanntlich von ein paar wenigen Platzhirschen besetzt. Jedoch kommen immer mal wieder vermeintlich kleinere Firmen um die Ecke, die versuchen, mit innovativen Ideen und Konzepten ihren Teil vom Kuchen für sich zu sichern.

Wie es öfter mal mit innovativen Ideen und Konzepten ist, braucht es eine gewisse Eingewöhnungsphase. Dann und wann aber, und das ist hier der Fall, offenbart sich jedoch, dass, neben dem obligatorischen Anspruch, einen guten Sound zu liefern, eben jene innovativen Ideen und Konzepte auch Verbesserungen im Workflow mit sich bringen können.

So ist der Berliner Software-Schmiede Bitwig mit „Bitwig Studio“ eine Cross-Platform-Lösung (Windows/OS X/Linux) gelungen, die nicht nur schon länger angekündigt war, sondern die auch viele Leute aufhorchen ließ. Allein die schon länger an- gekündigte „Sandbox“-Funktion kann man hier als Beweis nehmen, dass sich massiv Gedanken gemacht wurden, was man mit an den Tisch bringen möchte. Wer immer mal wieder das Vergnügen hatte, durch einen Plug-in-Absturz mehrere Stunden Arbeit zu verlieren, weiß, was ich meine. Ganz zu schweigen davon, dass Bitwig Studio sowohl 32-Bit- als auch 64-Bit-Plug-ins nebeneinander zu nutzen im Stande ist.

Für alle, denen Macro Controls ein Begriff sind, geht Bitwig mit dem „Uni ed Modulation System“ mindestens einen Schritt weiter. Für einen einzigen Macro-Knopf kann man problemlos verschiedenen Parametern gänzlich unabhängige Ranges zuweisen, sodass der Macro-Knopf über seinen gesamten Bereich nur den sogenannten „Sweet Spot“ der verschiedenen hinterlegten Controls bearbeitet. Dies gilt übrigens sowohl für die mit- gelieferten Effekte als auch für jedes Plug-in, das man in Bitwig Studio nutzt. Dieser extreme Zugewinn in Sachen Bedienbarkeit wird aktuell noch davon getrübt, dass es noch nicht allzu viele von vornherein angelegte und gemappte Controller gibt, jedoch ist mit der „Open Controller API“ die Möglichkeit gegeben, seinen eigenen Controller den Wünschen entsprechend zugänglich zu machen. Man darf allerdings davon ausgehen, dass viele der Controller-Hersteller in absehbarer Zeit native Unterstützung ermöglichen werden, oder in Studio basiert unter der Haube schon auf einem modularen System, welches in 2.0 für die User geöffnet wird und ihnen ermöglicht, vollkommen neue Devices zu erstellen oder sogar bestehende in ihren Funktionen zu verändern. Wem das zu viel potenzielle Coderei ist und wer lieber mit ein paar Freunden Musik machen möchte, wird sich um die Möglichkeit des „Network Sync“ freuen, wobei ein Rechner mit Bitwig Studio als Master fungiert und ein weiterer Rechner, der über das Netzwerk verbunden ist, das gleiche Projekt in Echtzeit mit- bearbeitet. Hierbei wird der Inhalt des jeweilig gerade bearbeiteten Projekts immer wieder auf den neuesten Stand gebracht, vergleichbar mit dem „syncen“ von Handydaten über Clouds oder der iCloud-Funktion für Dokumente. Die gleiche Idee, nur weiter gedacht, ist der Grundstein für das kommende Online-Collaboration-Feature, bei dem mehrere Nutzer gleichzeitig über das Internet an einem einzigen Projekt arbeiten können und Bitwig Studio dafür sorgt, dass es alles „synced“ abläuft. Die Zukunft des Gaming hat bereits mit solchen Möglichkeiten begonnen, die Zukunft des Jam- mens könnte mit genannten Features von Bitwig Studio eingeläutet werden.

Alles in allem sind die Ausstattung und die Möglichkeiten, die Bitwig Studio in der Version 1.0 bietet, bereits der Ausblick darauf, was möglich ist, wenn man gegebene Umstände weiterentwickelt und sich fragt, wie die Zukunft des DAW-Markts aussehen könnte, mehr als nur aller Ehren wert. Hier sind Pro s am Werk, die eine lange bestehen- de Idee auf eine innovative Art und Weise umgesetzt haben und zeigen, wie viel Potenzial sie selber noch sehen in dem Baby, das sich so unscheinbar Bitwig Studio nennt.  

Zu weiteren Artikeln aus BACKSPIN #115 geht es hier…

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