Tales of a dirty old men (aus BACKSPIN #115)

Die Welt steht vor dem Abgrund! Wusstet ihr das noch nicht? Nein? Also dann solltet ihr euch mal ernsthaft Gedanken machen. Okay, die Welt steht seit Menschengedenken an eben jenem Abgrund, aber das macht auch keinen Unter- schied. Sind es nicht so oder so die Menschen, die die Welt so weit nach vorne schieben, dass sie aus ihrer ursprünglich sicheren Position an den Rand des Abgrunds geraten ist? Wieso ste- hen wir nicht alle persönlich an dieser lebensbedrohlichen Stelle und schauen mal, was kommt? Ehrlich gesagt, tun wir das doch eh schon die ganze Zeit, seit unserer Geburt. Wir nehmen uns alle so dermaßen wichtig, dass manche sogar zur Sprühflasche greifen und überall ihre Pseudonyme hinterlassen und dabei auch noch denken, sie wären etwas Besonderes auf diesem Planeten. Oh mein Gott, wie arm.

Auch wenn ich zu eben jener Spezies gehöre, bin ich mir dennoch bewusst, wie unwichtig wir doch alle sind. Manche Writer wissen das nicht. Das sind dann die, die sich durch dummes Crossen oder unnötige andere Stress verursachende Dinge in den völlig überbewerteten Vordergrund stellen wollen. Davon gibt es hier in Düsseldorf viel zu viele. Ich nenne bewusst keine Namen, da diese sich ja sonst noch irgendwie gebauchpinselt fühlen könnten. Langsam bekomme ich Zweifel an dieser Szene und an den gesell- schaftlichen Strukturen im großen Ganzen, ist die Szene ja ein jämmerliches Spiegelbildchen vom

Rest der Welt. Da wären wir wieder bei der Welt. Sie hat sich nach den paar Textzeilen nicht vom Rande des Abgrunds entfernt, dessen seid euch sicher. Eher wurde sie mal wieder Zentimeter für Zentimeter näher an diesen gerückt. Auch wenn wir Menschen gerade alles daran tun, die Welt zu zerstören, müsste uns doch eines klar sein: Wir, und damit meine ich natürlich uns alle hier auf dem Planeten Erde, sind nur temporär einge- plant. Vergänglichkeit ist nicht nur ein Wort, das so mancher größenwahnsinnige Writer nicht ver- steht, da seine Bilder ja für immer halten sollen, sondern es ist ein Fakt, mit dem äußerst wenige umgehen können. Ich gehörte auch mal zu denen, die der Meinung waren, dass sich die am Abgrund stehende Welt nur um mich dreht. Jetzt bin ich allerdings ein wenig reflektierter und habe erkannt, dass dieses Graf ti nicht alles ist, was mein kleines Herzchen benötigt oder gar von ir- gendeinem Wert für die Ewigkeit ist. Es besteht ein stetiges Kommen und Gehen. Manche kommen schneller (das ist jetzt nicht so gemeint, wie manche es sich hier in ihren verruchten Gehirnen ausmalen. Bah! Pfui! Zurück mit euch auf die Pornoseiten des Internets!) und manche gehen schneller, als ihnen lieb ist.

Das, was uns Writern eigentlich komplett fehlt, ist Ruhe und Reflexion. Ruhe zum Malen, denn wir müssen ja ständig unter Zeitdruck bomben und finden legalen Shit eben scheiße. Ruhe da- nach, denn wir müssen ja ständig die Bilder ja-

gen, sofern wir sie auf fahrbaren Materialien auf- getragen haben. Ruhe zwischen den Aktionen, denn wir denken ständig ans nächste Piece und wie wir den anderen einen Schritt voraus sein können – seien es nun die örtlichen Behörden oder die anderen Mitsprüher. Hätten wir all diese Ruhe, dann könnten wir auch endlich etwas friedlicher an die Sache gehen, reflektieren und oben genannte Vollpfosten – wie gesagt, mich vor einigen Jahren mit eingeschlossen – würden nicht ständig das kaputt machen, was andere geschaffen haben, denn im Endeffekt ziehen wir alle am gleichen Seil. Wir wollen Anerkennung, und das nicht zu knapp. Also lest euch diesen Text immer und immer wieder durch, findet mich toll und nur mich, und dann geht raus und malt – immer mit dem Hintergedanken, was in diesem Text steht und denkt daran: Fume ist der Tollste, Allerbeste, Superererererste usw. Ihr wisst schon, was ich meine. Falls nicht, dann fangt einfach wieder von vorne an und hört nicht auf, bis ihr nicht mehr könnt. Dann ist ganz natürlich Schluss und keiner wird sich an euch erinnern, denn mittlerweile ist alles gebufft, ihr seid tot und die Welt steht immer noch am Abgrund, hat euch allerdings überlebt.

In diesem Sinne
Euer dreckiger, alter F…

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