Tales of a dirty old Man – „Steuerirrsinn“ (aus der BACKSPIN MAG #111)

Kennt Ihr eigentlich das Schwarzbuch des Bundes für Steuerzahler? Nein? Na, da habt ihr aber etwas verpasst. Wenn man bedenkt, dass der Ottonormalsteuerzahler diesen wunderbar auf kapitalistischen Werten basierenden Staat in Gang hält, sprich ihr und alle, die euch umgeben, dann sollte man schon mal von diesem mit sehr teifgründigen schwarzen und unfreiwilligem Humor gespickten Sammelsurium an Kuriositäten gehört haben. Ich sage euch, das Lachen bleibt einem bei der Lektüre eben jenes Konglomerates von Unverschämtheiten des Staates im Halse stecken. Kurz, damit jeder weiß, wovon ich hier rede: Das Schwarzbuch, nein, es ist nicht das, was ihr denkt, man malt keine leeren Seiten mit tollen von Mami geschenkten oder im Kunstbedarfsladen um die Ecke gerackten Designmarkern voll oder klebt Fotos auf eben diese Seiten, sondern es ist eine Zusammenstellung, die jedes Jahr vom Bund der Steuerzahler herausgegeben wird, in der die Verschwendung von Steuergeldern durch die Unfähigkeit unserer vom Volk gewählten Vertreter angeprangert wird. Hat man sich diese Bettlektüre zu Gemüte geführt, oder gar nur ein, zwei Beispiele aus dem Inhalt zu Gehör bekommen, wird einem ganz schnell klar, da ist was faul im Staate Dänemark aka Deutschland. Es wird doch tatsächlich immer noch behauptet, dass illegales Graffiti auf öffentlichen Flächen für die Erhöhung von zum Beispiel den Fahrpreisen im Nahverkehr mitverantwortlich ist. Nun ja, was sagt man denn dann dazu, dass Brückenköpfe auf Feldern gebaut werden für Autobahnen, die ungefähr 500 Meter weiter entlang führen? Deswegen wird doch bestimmt keine Autobahnmaut erhoben? Die genannte Brücke, welche man auf dem Weg von Köln nach Euskirchen im Vorbeifahren bewundern kann, ist mittlerweile nur noch als Untergrund für die sprühende Zunft zu nuten, welche natürlich noch strafrechtlich verfolgt wird, wenn sie ihrem Hobby an eben jenem Bauwerk nachgeht, um somit abermals Geld in die Kassen der Gemeinden oder des Bundes zu spülen. Mittlerweile weiß ich, warum es unsere Bundesrepublik finanziell trotz diverser Krisen immer noch gut geht. Wir Sprüher halten den Laden einfach am Laufen. Um Geld dreht sich leider Gottes im Endeffekt im Kapitalismus nun mal alles. Profitmaximierung bei geringstem Aufwand ist das Ziel. Wer nicht mitmacht, wird zum Staatsfeind. Sollte uns Frau Merkel da nicht zugestehen, und damit meine ich uns Writer, dass wir straffrei ausgehen sollten, wenn wir so dumm waren, uns erwischen zu lassen, da wir ja letztendlich nur zur Funktionalität der Maschinerie „kapitalistisch ausgerichteter Staat“ beitragen? Eine Antwort, die uns gefallen könnte, werden wir wohl nie erhalten, sind „die da oben“ mittler- weile ja schon so weit von uns entfernt, dass noch nicht einmal ein ausgerolltes Transparent beim Bundesparteitag der SPD während der Rede des designierten Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück, eben jenen zu einer Gemütsregung bewegt. Da wird man so oder so nie in die Verlegenheit geraten, eine Frage an eine solche oder zurzeit regierende Persönlichkeit zu stellen. Der eine oder andere von uns musste bestimmt schon mal horrende Steuernachzahlungen leisten. Weiß der Himmel, was die Regierung, die ich nicht gewählt habe, damit wieder gemacht hat. Wahrscheinlich werden sie irgendwann stromproduzierende Züge herstellen lassen, die nicht funktionieren und somit noch mehr Kosten aufwerfen, als eine Dampflokomotive, die mit subventionierter Steinkohle fahren könnte. Beides Dinge, die höchstwahrscheinlich niemals die Schienen unseres Landes befahren werden, aber ganz abwegig ist der Gedanke nicht, schaut man sich den „Einfalssreichtum“ unserer Regierung an, was das Geldausgeben, nicht des eigenen sondern dem hartverdienten von Papa, Mama oder dir angeht. Selbst wenn wir Steuern hinterziehen wo es nur geht, machen wir indirekt dennoch mit bei dem Steuerwahnsinn. Lasst uns einfach weitermachen und auf die nächste Ausgabe eines der Schwarzbücher warten und doch die Seiten mit Fotos unserer Werke bekleben, schließlich sind legal erworbene Blackbooks teuer und unterliegen zumindest der Mehrwertsteuer.

In diesem Sinne euer dreckiger alter F.

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