Takt32 „Gang“

takt32_gang_cover_505Wenn man Google nach der Definition des Wortes „Gang“ fragt, spuckt es zum einen „organisierte Gruppe von Verbrechern“, zum anderen „Bande von (verwahrlosten) Jugendlichen“ aus. Danke Google, aber das trifft nicht so wirklich auf die Jungs des Independent-Labels Kiezkunst zu. Denn genau die meint Takt32, wenn er von seiner „Gang“ spricht. Zusammen wurde an dem Gleichnamigen Debütalbum des Berliners gebastelt und auch wenn direkt der erste Titel verlauten lässt, dass Takt herzlich wenig von Reviews hält, nehmen wir das Werk mal genauer unter die Lupe.

Das Album ist chronologisch und thematisch in drei Kapitel gegliedert. Nach dem einleitenden ersten Track „Stolz das Problem zu sein“, der bereits als Videoauskopplung erschien, beginnt das erste Kapitel. In diesem geht es vor allem um den Glauben an und das Vertrauen in die Gang, denn die ist das, was wirklich zählt. Wer aber nicht zu dieser gehört, hat wenig zu lachen. Der Rap-am-Mittwoch-Teilnehmer zeigt, dass er das Battlen nicht verlernt hat und nicht mit allem konform geht, was die deutsche Rapszene derzeit zu bieten hat. Konkret wird gegen Hipster, Zugezogene und Fashionblogger geschossen. Wenn du allerdings genauso tickst wie die Jungs rund um Takt32, keiner dich versteht und Hip-Hop als Manifest in dir lebt, hast du nichts zu befürchten. Im Gegenteil, auch du bist Teil der Gang!

Kapitel zwei beschäftigt sich mit Verdrängung. „Realität ist der Zustand, der aus dem Mangel an Alk und Weed entsteht.“ Die Sinne werden gerne mal mit Jim Beam betäubt und mit Gras vernebelt. Es gilt, täglich gegen die eigenen Dämonen zu kämpfen und in einer Stadt (Berlin) zu leben, in der alles und jeder fake ist und die krank und kriminell macht. Die ständige Jagd auf das große Geld gerät in die Kritik und auch hier bekommen einige Rapper-Kollegen wieder ihr Fett weg. Allerdings werden Probs an Ikonen à la Hafti, Savas, Bushido und Frauenarzt verteilt.
Das dritte Kapitel handelt dann von Emotionen, die vorher noch betäubt wurden. Angst und Hass stehen auf der Tagesordnung. Doch am meisten hasst der Rapper den Hass selbst, denn er ist der Grund für alle seine tausend Kriege.

Takt32 verbrachte in der Vergangenheit einige Zeit in den USA und in Frankreich. Er sagt, dass sein Herz zwar in Frankreich ist, seine Mentalität aber eher ein bisschen US-amerikanisch. Musikalisch hört man diese Einflüsse sehr deutlich. Mit Hilfe von Produzent „Jumpa“ entsteht ein sehr Trap-lastiges Soundbild mit Amiflavor, das geradezu zum Bouncen einlädt. Auch die Featuregäste FX, Liqutit Walker, Dizzech und Marvin Game schaffen es, sich hier passend einzugliedern.

Alles in allem möchte der Berliner mit „Gang“ nicht belehren, er möchte beschreiben. Was der Zuhörer daraus macht, ist seine Sache. Die Idee mit den Kapiteln ist gut umgesetzt, der Flow passt wunderbar auf die sehr gut gelungenen Beats und generell gibt es einfach so gut wie nichts zu meckern. Lieber Takt32, da ist dir wirklich ein solides Ding gelungen und ich hoffe sehr, dass deiner Antipathie gegen Reviews hiermit ein wenig Wind aus den Segeln genommen werden konnte.

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