Sylabil Spill: „Entwicklung passiert, ob du willst oder nicht“

Mit „Der letzte weiße König“ erschien vergangene Woche nicht nur das neue Album von Sylabil Spill, sondern auch seine erste Platte über Xatars Label Kopfticker Records.
Schon die ersten Videoauskopplungen zeigten, dass Spill sich musikalisch am Zahn der Zeit bewegt.
Wir haben Sylabil Spill zum Interview getroffen und mit ihm unter Anderem über „Der letzte weiße König“, Basketballspielen mit Xatar und seine Promo-Phobie gesprochen.

 

Seit deinem letzten Album sind mittlerweile drei Jahre vergangen. Zwischenzeitlich kamen einige EPs – dennoch wüsste ich gern: Was ist bei dir in der Zwischenzeit auf musikalischer Ebene passiert?

Sylabil Spill: Genau, es sind drei Jahre, die mir aber nicht wirklich lang vorkamen. Ich habe ja gefühlt fast jedes Jahr Musik released, also hatte ich immer etwas zu tun. Musikalisch hat sich nicht viel verändert – Ich habe lediglich bei Kopfticker Records unterschrieben. Dennoch passe ich meine Musik aber nicht meinen Hörern oder Stammhörern des Labels an, sondern entscheide selbst über meine Entwicklung.

Entwicklung passiert, egal ob du willst oder nicht.

Dein Soundbild hat sich stark entwickelt: Wo früh hauptsächlich Boom Bap stand, finden sich heute oft Trap-Anleihen. Was hat zu diesem musikalischen Stilwechsel geführt und wer oder was hat dich inspiriert?

Sylabil Spill: Mir missfällt oft diese zu krasse Klassifizierung zwischen den Stillrichtungen.
Zumal es wirklich nicht Trap ist. Wenn, dann doch eher Miami bass – Sei es drum. Ich habe alles gemacht und war bereit, mich neuen Herausforderungen zu stellen. Ich würde sagen, ich habe auf Beats lyrisch geantwortet. Inspiration hatte ich keine.

Seit 2016 bist du bei Kopfticker Records unter Vertrag. Wie ist eure Zusammenarbeit zustande gekommen und wieso hast du dich ausgerechnet für Kopfticker entschieden, was macht das Label für dich aus?

Sylabil Spill: Ich habe unterschrieben, weil nett angefragt wurde und es ist ein guter Deal ist – im Sinne von ich kann machen, was ich will. Das waren die Gründe neben der Tatsache, dass ich Xatar bereits kannte und es dadurch sehr entspannt war. Das geschah zu einem Zeitpunkt, als ich gerade mit meinem Album „Hyper.Realität“ zu Gange war und etwas müde wurde, weil ich alles in Eigenregie geführt habe. Die Zusammenarbeit bei Kopfticker Records läuft gut. Man vertraut einander und klärt Dinge entspannt und unkonventionell.

Du sagst, du kanntest Xatar schon im Vorfeld. Ihr stammt beide aus Bonn, inwiefern haben sich eure Wege in der Vergangenheit bereits gekreuzt?

Sylabil Spill: In der Vergangenheit haben wir mal im selben Basketball Verein gespielt. Das war in den 90ern, lange vor der Musik und vor seiner Verhaftung.

Du erweckst den Anschein, keinen großen Wert auf Promotion zu legen. Inwiefern kann man es sich als Künstler heutzutage noch erlauben, wenig Wert auf Eigenwerbung zu legen?

Sylabil Spill: Ich persönlich sehe das locker mit der Promo, verstehe aber auch, wenn Labeldienstleister ein Produkt bewerben und präsentieren möchten. Meine promophobe Haltung musste ich so ablegen, um den Jungs nicht in den Rücken zu fallen. Ich war auch nie grundsätzlich gegen Promo, sondern habe mich lediglich nie sonderlich dafür interessiert. Im Team leistet aber jeden seinen Teil. Mein Teil besteht daraus, den Hörern hier und da die Platte durch bestimmte Aktionen näher zu bringen.

Aus welchen Gründen hast du dich dagegen entschieden, dich selbst über großartige Werbemaßnahmen zu vermarkten und was ist die Konsequenz daraus?

Sylabil Spill: Ich hatte keine Lust, mich später schämen zu müssen. Ich bin ein sehr trotziger und skeptischer Mensch. Mir ist klar, dass manche Türen sich durch solch eine eher passive Haltung nicht öffnen können. Aber der Jeck ist anders (Rheinländisches Sprichwort, Anm. d. Vf.)

Dennoch existiert eine Deluxebox zum Album. Wieso habt ihr euch dazu entschieden und inwieweit ist man im Jahr 2017 im Deutschrap darauf angewiesen, eine Deluxebox zu produzieren?

Sylabil Spill: Die Box gibt es weniger aus finanziellen, sondern eher aus Marketing-Gründen, glaube ich. Soviel ich weiß, verdient man nicht viel an der Box. Wir haben uns für die Box entschieden, weil ich so noch mehr Musik unterbringen konnte, dort findet sich noch eine EP. Ich wollte unbedingt noch mehr Musik kicken und uns war klar, durch die Box ist das möglich.

Auf Facebook hast du den Titel „Der letzte weiße König“ wie folgt erklärt: Weiß als Synonym für etwas reines, unvermischtes und König als Symbol für Dominanz. Wieso bist du der letzte weiße König des Deutschrap?

Sylabil Spill: Ich bin für mich der letzte weiße König, damit aber nicht im Deutschrap. Ich habe bewusst weder Deutschland, noch Timbuktu gesagt, das ist eine rein subjektive Annahme. Mir ist auch sehr wichtig, dass es als subjektive Wahrnehmung aufgefasst wird – diese kann sich auch ändern.

Ich wurde weder gekürt, noch erkämpfe ich mir den Titel.

Bedeutet das automatisch, dass alle anderen Künstler nicht mehr „weiß“ sind und wenn ja, was hat dazu geführt?

Sylabil Spill: Als Battlerapper, der ich zumindest auf diesem Album bin, gehst du sehr kompromisslos an die Sache und den fiktiven, lyrischen Zerstörungskrieg ran. Da sage ich, dass zu viele unnötige Versuche, Gehör zu finden, Künstler zu viel Mischmasch machen lassen. Mir ist natürlich klar, dass dieser Mischmasch eine logische Konsequenz im verfickten Dasein ist.

Als dein Signing bei Kopfticker bekanntgegeben wurde, fielen die Reaktionen nicht ausschließlich positiv aus. Kannst du nachvollziehen, wieso die Entscheidung Gegenwind hervorgerufen hat und wie entgegnest du beispielsweise Kommentaren, die behaupten, du passt stilistisch nicht zum Label?

Sylabil Spill: Weil ich der letzte weisse König bin. Jetzt sind die Leute ja entspannt – die Platte ist draußen und die Meute beruhigt.

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Ist mittlerweile seit 3 Jahren bei BACKSPIN und hat die Leitung der Online-Redaktion inne. All ihre Fans sind maskuline Jungs, jaja.

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