Summer Cem – „Cemesis“ (Review)

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Auf „HAK“ folgt die „Cemesis“ – vor Kurzem veröffentlichte Summer Cem sein fünftes Studioalbum.  Das Banger Musik-Mitglied setzte sich gegen andere Neueinsteiger wie Vega und die Krawallbrüder durch und stürmte zum ersten Mal in seiner Karriere die Eins. Uns erwarten 15+9 Tracks – spannend bleibt die Frage, ob er sich von den kommerzialisierten Fesseln der letzten Banger-Alben loseist.

Allgemein sticht Summer Cems musikalische Erfahrung ins Auge – der Rap-Routinier beherrscht Handgriffe wie Konzeption, Vielseitigkeit, Melodik. Außerdem finden sich szene-interne Referenzen, wie das Chor-Sample aus „Gangstas Paradise“ in „Was weisst du davon“, „Who shot ya“ in „Es war Cem“, sowie die Hook von „Dreckige Finger“, die entfernt an Kanyes „Stronger“ erinnert. Mit den Step-foward-Songs („Reicht nicht“, „Sintflut“) erfüllt Summer den Promo-Part der Platte. Es sticht die Wandelbarkeit seines Flows heraus, während Punchlines und Inhalt zu abgedroschen klingen. Signifikant ist die Line „Nur weil du aussiehst wie Saddam Hussein, kommst du noch lange nicht aus Guantanamo Bay“ aus „Gary Pedro Crock“, einem Zweckreim sondergleichen. Selbstverständlich befand sich der Iraker niemals im Lager auf Kuba, noch würde sich irgendjemand damit brüsten, dort gewesen zu sein (Stichwort: „du“) und vor allem: Sehen die Hörer des Albums etwa so aus wie Saddam Hussein? Leider verunreinigt auch das Banger’sche C-Promi-Bashing das Release, obwohl selbst die geringste Reaktion von Lena Meyer-Landrut und Co. ausbleibt. Wahrscheinlich kommt es ihnen nicht einmal zu Ohren, was die Lines wiederum ins Lächerliche zieht und überflüssig macht. Stattdessen liegt die Stärke des Albums in den stilleren Tracks wie „Pilot“, „Nimm mich mit“ und „Wolke 7“, denen Summer Cem mittels des Gesangs Melancholie beimischt. Dadurch dass er Moralpredigten beiseite lässt, zeichnet der Rapper ein legeres Bild und kreiert einen eingängigen Sound.

Leider blieb die erhoffte Neuerfindung im Hause Banger-Musik auch mit dem ersten Release der neuen Spielzeit aus. Zwar greift das Schema F des Labels in den Charts, andererseits untergräbt es die individuellen Stärken seiner Künstler. Dass Summer Cem professionell arbeitet und Taktgefühl besitzt, beweist er mit „Cemesis“ dennoch einmal mehr.

Summer Cem – Cemesis

 

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Seit 2014 Album-Kritiker an Bord der BACKSPIN, angeheuert als Reinkarnation Marcel Reich-Ranickis: „Ich kann nicht anders, ich muss einfach nörgeln“.

1 Comment

  1. Bushido

    24. Februar 2016 at 3:20

    Edo sei nicht immer so verbissen, Album schön stimmig, sollte man sich zulegen, wenn man es noch nicht hat. Schöne Grüße Cem von Ari und komm mal wieder rum ins Papa Ari, lass dich mal wieder sehen. 😉

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