„Suicide Squad”: Mit Bildgewalt und Superstars zum Hit oder Flop?

Alle Vorankündigungen von „Suicide Squad“ ließen Großes erwarten: Die Comic-Verfilmung wartet mit sehr prominentem Cast um Will Smith („I am Legend“, „Men in Black“), Jared Leto („Dallas Buyers Club“, „Requiem for a Dream“) und Margot Robbie („The Wolf of Wallstreet“, „Focus“) auf. Dazu kommt ein einprägsames und zeitgemäßes corporate Design, was sich für große Merchandise-Projekte anbietet und dessen Ästhetik sicher mitverantwortlich war, dass der ein oder andere Kinobesucher die Aufführung nicht ohne passendes Kostüm aufsuchte. Der Soundtrack setzt der ganzen Euphorie die Krone auf und kann, angeführt von Skrillex‘ und Rick Ross‘ „Purple Lamborghini“, ein Gipfeltreffen von Superstars abhalten.

Ende der 80er Jahre brachte DC Comics die erste Ausgabe vom „Suicide Squad“ raus und die erste Realverfilmung der Serie ist seit dem 18. August 2016 in den deutschen Kinos zu sehen. Regie und Drehbuch stammen von David Ayer, der beide Posten schon unter anderem bei „Sabotage“ (2014) mit Brad Pitt und Shia LaBeouf oder „Herz aus Stahl“ (2015) mit Arnold Schwarzenegger besetzte. Er konnte also schon Erfahrung mit namhaften Schauspielern vor der Kamera sammeln.

Zur Geschichte von „Suicide Squad“: Nachdem Superman gestorben ist, stellt sich die Obrigkeit der Vereinigten Staaten im DC Universum die Frage, ob sich ein neuer Superheld oder „Meta-Wesen“ gegen die Interessen der Gesellschaft wenden könnte. Um dieser bisher theoretischen Bedrohung Herr zu werden, wird in einer geheimen Regierungssitzung der Plan verabschiedet, eine Einheit aus gefährlichen Schwerverbrechern zu rekrutieren. Der Bösewicht lässt dann natürlich nicht lang auf sich warten, wie genau der aussieht, muss an dieser Stelle aber nicht vorweg genommen werden.

„Wir sind die Bösen, wir tun sowas.“

Das Team besteht aus dem Auftragsmörder und filigranen Schützen Deadshot, der wahnsinnigen Harley Quinn, dem Feuer-schießenden Latino-Gangster El Diablo, dem Dieb mit herausragenden Wurf-Skills Captain Boomerang, dem monströsen Reptilienmensch (Reptiloid!?) Killer Croc und dem ausgebildeten Attentäter Slipknot.

Neben den sechs Mitgliedern des Suicide Squads gibt es auf Regierungsseite nicht nur die skrupellose Karrierefrau Amanda Waller, gespielt von Viola Davis („Ender’s Game“, „How to get away with Murder“), die den Plan der Söldnertruppe austüftelt, sondern auch noch Lieutenant Edwards, Oberst Rick Flag und am Ende bekommt Letzerer sogar noch die Samurai-Kämpferin Katana als Unterstützung. Gerade im Hinblick darauf, dass auch Ben Affleck („Batman v Superman“, “Pearl Harbor“) als Batman in Erscheinung tritt, gibt es hier schon zu viele Rollen, die so, wenn überhaupt, vereinzelnt zur Geltung kommen.

 

Jared Leto als Joker spielt eine für den Geschichtsstrang weniger relevante Rolle, trotzdem möchte man ihn nicht missen, denn seine Szenen gehören zu den unterhaltsamsten des Films. Er bringt den wahnsinnigen Joker auch glaubhaft rüber und bewirbt sich erfolgreich für eine größere Rolle im nächsten, vielleicht sogar eigenen Film! Dass man seine Darbietung hier nicht an der des verstorbenen Heath Ledger  in „The Dark Knight“ messen darf um den „neuen Joker“ genießen zu können, sollte klar sein.

Zu viele Rollen für zu wenig Plot.

Es wird versucht, jedem der Figuren einen eigenen Charakter zu verpassen. Bei Smith als Deadshot und seinem Zwiespalt zwischen Killer-Dasein und Vater klappt das ordentlich, Harley Quinns Person ist ebenfalls durchaus interessant. Die Schauspieler verkörpern auch alle ihre Rollen gut, aber dennoch gibt es einfach zu viele Personen für 123 Minuten. Was nicht heißen soll, man hätte den Film länger machen sollen, denn das wäre bei dem so trivialen Plot sicher (noch) unerträglich(er) geworden. Es liegt nicht an der Aufmachung des Films, denn Szenenbild, Kamera und Farben sorgen für einen extrem bildgewaltigen Blockbuster. Auf das Maxximum 3D kann man hier zwar guten Gewissens verzichten, dennoch, was die Aufmachung der Plakate, Trailer und sonstiger Werbung zum Film verspricht, kann der Streifen optisch halten. Das Problem ist, dass es einfach keine Figuren gibt, mit denen man mitfühlen kann, geschweige denn spannende Plot-Twists oder überhaupt Szenen, die einen wirklich mitfiebern lassen.

Fazit

Der Film sieht super aus und die Musik ist stark. Auch viele coole Rollen sind dabei, die allesamt gut gespielt sind. Leider ist die Story extrem banal und der Film maßlos überladen. Das macht aus einem potentiellen Klassiker höchstens ein Versuchsfeld aus Darstellern für DC Figuren. Man kann sich gut einen Harley Quinn Film mit Margot Robbie, einen eigenen Will Smith-Deadshot-Streifen oder mehr von Jared Leto als Joker vorstellen, aber alle zusammen in „Suicide Squad“ schaffen leider keinen guten Film.

Erzähl Digger, erzähl

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