Suff Daddy: „Ich hänge super viel auf dem Sofa rum und dafür ist diese Platte gemacht.“

Du hast gerade erwähnt, dass du in Australien gelebt hast. Wie lange warst du dort, was war das für eine Zeit und was verkörpert Australien für dich?

Suff Daddy: Australien ist für mich: Englische Prolls am Ende der Welt. Das klingt jetzt negativ aber wir hatten da jetzt nicht so die geilste Zeit. Ich fand die Gesellschaft da unten nicht so cool. Da hat man auch voll viel Fremdenfeindlichkeit gemerkt. Allein wie die mit den Aborigines und ihrer Geschichte umgehen. Du musst das nur mal erwähnen und schon sind die alle angepisst. Die schieben Hass gegen Aborigines. Die sehen das gar nicht als älteste lebende Kultur an, die langsam plattgemacht wird. Und dann ist das super krass britisch da. Überall Fish & Chips, alle saufen Guinness in irgendwelchen Pubs, wo immer Hunderennen und Pferdewetten laufen. So ist es jedenfalls in Sidney. Melbourne ist cooler. Melbourne hat ne größere Kunst- und Musikszene und ist auf jeden Fall auch ein bisschen freier. Wir haben aber in Sidney gewohnt. Ich kann als Musiker überall leben. Wir dachten uns, lass das mal probieren. War auch irgendwie ne coole Erfahrung. Aber nach einem Jahr war klar, dass es nicht das Richtige ist. Wir waren also für ein Jahr da. Aber ich hab auch Freunde gefunden, entspannte Dudes und super geile Natur kennengelernt. Wir haben da auch Trips gemacht. Die geilsten Strände, die ich je gesehen habe. Die Strände sind zehn Kilometer lang und da ist kein einziger Mensch. Wo ich auch ein bisschen Angst hatte, weil überall sind Warnhinweise: Quallen, Rochen, Strömungen. Da gehen auch jedes Jahr keine Ahnung wie viele Leute verloren an den Stränden, weil die schwimmen gehen und einfach weggeschwemmt werden. Ist da nicht mal ein Außenminister oder so einfach so verschwunden? Aber es ist echt ein super krasser Kontinent mit krassen Tieren. Ich habe Wale gesehen, Kängurus, Schlangen, riesige Spinnen in meinem Haus und im Auto. Das war Horror! Von der Gesellschaft finde ich das aber überhaupt nicht cool da und Sidney ist so ’ne teure Finanzstadt ohne Kultur.

„Da hatte sogar J Dilla den letzten Auftritt seines Lebens.“

Australien ist ziemlich weit weg von deiner Heimat. Du kommst ursprünglich aus Düsseldorf aber wohnst zurzeit in Berlin. Was hat Düsseldorf was Berlin nicht hat?

Suff Daddy: Düsseldorf hat total saubere Straßen. Düsseldorf hat den Rhein und der Rhein ist viel cooler als die Spree. Früher habe ich als Jugendlicher die ganze Zeit immer nur am Rhein abgehangen. Das war voll geil aber sonst feier ich Düsseldorf jetzt nicht so. Als ich aufgewachsen bin, gab es den Unique Club. Das war der geilste Club der Welt. Der hätte wirklich auch in New York der geilste Club sein können. Da hatte sogar J Dilla den letzten Auftritt seines Lebens. Aber der wurde dann geschlossen und damit ist die ganze Hip-Hop-Kultur und Szene da ausgestorben. Da ist halt echt nicht viel los bis auf ein paar Sachen in Richtung Minimal und Techno. Deshalb feier ich das dort nicht so. Ich bin halt ab und zu da wegen meiner Familie. Das ist auch cool und immer ganz schön. Es gibt nicht so viel, was Berlin nicht hat. Es ist natürlich kleiner und aufgeräumter in Düsseldorf aber für junge Menschen nicht so interessant.

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Was Düsseldorf genau wie Berlin nicht hat, sind solche Küsten wie es sie z.B. in Australien gibt oder auf dem Cover zu „Birdsongs“. Wo ist dieses Bild entstanden und wie kam es dazu?

Suff Daddy: Das ist auf Belle-Île entstanden, eine kleine bretonische Insel an der französischen Atlantikküste. Robert Winter, der alle meine Cover und Fotos macht, hat gefragt: „Was willst du denn auf dem Cover haben?“. Da meinte ich so: „Ich will mein neues Logo als leuchtende Neonröhre irgendwo am Meer haben.“. Das habe ich aber eher so dahin gesagt, weil ich mir dachte, das sieht bestimmt voll cool aus. Dann haben wir echt dieses Neon Sign herstellen lassen und Robert Winter ist mit einer Autobatterie und diesem Neon-Schild nach Belle-Île gefahren, weil er dort Silvester verbracht und diese Fotos gemacht hat. Dann kam er zurück und ich meinte: „Voll geil. Genau so habe ich mir das vorgestellt.“. Dann haben wir gesagt: „Ok, lass noch ein Video machen“. Der hatte da noch über Kontakte ein Häuschen in der Normandie. Da sind wir einfach ein paar Tage hingefahren, haben da gechillt und das Video zu „Feel It“ gedreht.

Wie ist das Neon Sign entstanden?

Suff Daddy: Es gibt so ’ne Agentur in Berlin, die heißt Sygns. Die stellen das alles her. Du kannst denen alles geben und die stellen da ein Neo Sign draus. Voll geil. Das hänge ich jetzt in mein Studio und das sieht einfach über geil aus. Wenn ich auf Tour gehe, stelle ich das auf die Bühne und so.

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Das Küsten-Setting auf dem „Birdsongs“-Cover und im „Feel It“-Video zusammen mit dem Titel der Platte erinnert ein wenig an „The Birds“ von Alfred Hitchcock.

Suff Daddy: Ja, das sieht auch ein bisschen düster aus. Das ist halt die Morgenstunde. Robert Winter wollte unbedingt diese blaue Stunde aufnehmen bzw. einfangen. Fand ich auch voll cool. Ich liebe Robert Winter. Der macht immer geile Sachen.

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Wie ist es letztendlich zu dem Titel „Birdsongs“ gekommen?

Suff Daddy: Das war mega random. Mein Label hat gefragt: “Wie heißt das Album?“. Ich bin außerhalb der Musik total unkreativ. Ich saß den ganzen Tag rum und hatte keine Ahnung. Vor meinem Fenster ist so ein Baum und die Vögel zwitschern da immer. Ich finde das auch voll geil und füttere die auch immer. Da hab ich gesagt: „Birdsongs!“. Auch weil die so schön ruhig sind, voll harmlos und irgendwie passt das.

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